HPV-Impfung: Wissenschaftler untersuchen Nebenwirkungen

Weltweit wird massenhaft gegen HPV geimpft, Wissenschaftler haben nun erstmals die Folgen analysiert. Ihr Fazit: Der Impfstoff, der vor Gebärmutterhalskrebs schützen soll, besitzt nicht mehr Nebenwirkungen als andere Impfstoffe auch. Nur Ohnmachtsanfälle und Blutgerinnsel sind etwas häufiger.

Die Impfung gegen das Humane Papillomavirus (HPV) ist mittlerweile in vielen Ländern verbreitet. Nun haben Wissenschaftler die ersten Erfahrungen mit dem Impfstoff ausgewertet. Dabei zeigt sich: Die Häufigkeit und Schwere von Nebenwirkungen der Impfung liegt in dem Rahmen, der sich bereits bei den Zulassungstests gezeigt hatte.

Mediziner um Barbara Slade von den "Centers for Disease Control and Prevention" (CDC) in Atlanta bezogen sich auf die Daten eines amerikanischen Systems zur Erfassung von Nebenwirkungen von Impfungen. Bei dieser VAERS genannten Einrichtung geben Ärzte und Patienten freiwillig Rückmeldung über beobachtete Beschwerden, die nach der Impfung auftreten und somit mögliche Nebenwirkungen sein können.

Insgesamt erhielten in den USA rund 23 Millionen Frauen die HPV-Impfung. Von diesen 23 Millionen Frauen meldeten über VAERS insgesamt 12.424 Frauen, die sich zwischen Juni 2006 und Dezember 2008 gegen das Virus hatten impfen lassen, Beschwerdefälle. Diese werteten Slade und ihre Kollegen aus. Ihre Ergebnisse stellten die Wissenschaftler im Fachmagazin " JAMA" vor.

Mögliche Nebenwirkungen denen anderer Impfstoffe vergleichbar

Unter den 12.424 gemeldeten Beschwerdefällen waren 772 schwerwiegender, darunter waren Ohnmachtsanfälle, Blutgerinnsel, starke allergische Reaktionen oder Autoimmunstörungen. Diese Rate möglicher schwererer Nebenwirkungen - 772 Beschwerdefälle auf 23 Millionen Geimpfte - ist der anderer Impfstoffe vergleichbar, schreiben Slade und ihre Kollegen. Lediglich die Häufigkeit der Ohnmachtsanfälle und der Blutgerinnsel war im Vergleich zu den Nebenwirkungen anderer Impfungen etwas erhöht.

Unter den 12.424 Berichten waren auch 32 Todesfälle. Diese wurden nach Angaben des Centers for Disease Control and Prevention (CDC) genau untersucht. Sie zeigten jedoch keinerlei Übereinstimmungen, die nahegelegt hätten, dass sie durch den Impfstoff ausgelöst worden waren. Zwei Todesfälle jedoch waren durch ungewöhnliche neurologische Erkrankungen bedingt. Zwar gebe es laut CDC derzeit keine Hinweise darauf, dass die HPV-Impfung dafür verantwortlich sei. Die Fälle würden derzeit jedoch von mehreren Forschungsinstituten untersucht.

Trotz dieser Zahlen bleiben noch viele Fragen zu Nutzen und Risiken der Impfung offen, schreibt die norwegische Medizinerin Charlotte Haug in einem begleitenden Kommentar in "JAMA". So zeigten die Zahlen, dass durchaus Risiken schwerer Nebenwirkungen bestünden, die es gegen den möglichen Nutzen der Impfung abzuwägen gelte. Dieser Nutzen für Frauen sei langfristig noch immer unsicher, erklärt Haug: Zwar habe sich die Impfung als sehr effektiv gegen eine Infektion mit dem Virus erwiesen - doch inwieweit die Impfung das spätere Krebsrisiko der heute geimpften jungen Frauen wirklich senken könne, könnten erst klinische Langzeitstudien zeigen.

Die HPV-Impfung ist in den USA wie auch in Europa umstritten, da bisher noch keine Langzeitdaten bezüglich ihrer Wirksamkeit als Schutz vor Gebärmutterhalskrebs vorliegen. Die Impfung gegen das HPV wurde im Juni 2006 von der amerikanischen Arzneimittelbehörde Food and Drug Administration (FDA) zugelassen und wenig später auch von der in den USA für Impfempfehlungen zuständigen Kommission empfohlen. Eine Empfehlung gibt es inzwischen in rund 80 Ländern, seit März 2007 auch in Deutschland. Weltweit wurden bereits viele Millionen Frauen gegen das Virus geimpft.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikel waren Daten nicht klar genug eingeordnet und damit missverständlich. Wir haben die betroffenen Passagen überarbeitet.

lub/dpa

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1. *Nur* 6 %?
alte unke 19.08.2009
Zitat von sysopWeltweit wird massenhaft gegen HPV geimpft, Wissenschaftler haben nun erstmals die Folgen analysiert. Ihr Fazit: Der Impfstoff, der vor Gebärmutterhalskrebs schützen soll, besitzt nicht mehr Nebenwirkungen als andere Impfstoffe auch. Nur Ohnmachtsanfälle und Blutgerinnsel sind etwas häufiger. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,643748,00.html
Wenn es in 6% der Impfungen zu *schweren* Nebenwirkungen kam und dies bei anderen Impfungen genau so ist - so die Aussage der Wissenschaftler - sollte man sich vielleicht die Risiken bei den anderen Impfungen mal mit überlegen, oder?
2. Falsche Angabe der Nebenwirkungen
walkertxranger 19.08.2009
Der Artikel gibt nicht adäquat das ermittelte Risiko wieder. Im Original heißt es: "VAERS received 12 424 reports of AEFIs following qHPV distribution, a rate of 53.9 reports per 100 000 doses distributed. A total of 772 reports (6.2% of all reports) described serious AEFIs, including 32 reports of death." Pro 100.000 Impfungen erhielt man also nur 53,9 freiwillige Antworten. Bei dem System der Datenerhebung (freiwillige Teilnahme) und der Rücklaufquote ist dabei anzunehmen, dass in Fällen, in denen nichts passierte, regelm. keine Rückmeldung kam, während die Bereitschaft etwas zu melden stieg, je schwererwiegend die Nebenwirkungen waren. Daher muss es wohl richtig heißen, dass die, die Rückmeldung gaben, überwiegend von Nebenwirkungen betroffen waren und 6 % davon schwer waren. Rechnet man jetzt die knapp 99.950 Frauen hinzu, die zu den 100.000 fehlen und die auch noch geimpft wurden, aber keine Rückmeldung gaben und somit ganz überwiegend wohl keine Nebenwirkungen spürten, so ist die Quote schwerer Nebenwirkungen sehr viel geringer.
3. ..
tylerdurdenvolland 20.08.2009
Zitat von alte unkeWenn es in 6% der Impfungen zu *schweren* Nebenwirkungen kam und dies bei anderen Impfungen genau so ist - so die Aussage der Wissenschaftler - sollte man sich vielleicht die Risiken bei den anderen Impfungen mal mit überlegen, oder?
Überlegen? ÜBERLEGEN?? In Zeiten einer weltweiten Wirtschaftskrise wollen sie über die Anwendung einer der profitträchtigsten Business Ideen nachdenken? Für die Wirtschaft müssen wir alle Opfer bringen. 6%!!! Eine geradezu lächerliche Zahl. Wenn ein Banker, oder ein Pharma Konzern Vorstand am Ende eines Jahres einen Bonus von nur 6% erhalten würd, na, dann wäre aber was los. Da können sie deutlich sehen wenig 6% doch sind. Lieber Himmel, ihr Frauen stellt euch aber auch mal wieder an... Die paar Blutgerinnsel und Ohnmachtsanfälle... Es spielt dich sonst auch keine so grosse Rolle, wenn man euch als Menschen zweiter Klasse behandelt... Aber mal ernsthaft. Mir, und ich bin ein Mann, sind die Risiken und unbewiesene Langzeit Wirksamkeit seit sehr langer Zeit bekannt. Warum also unternehmen Frauen nichts, um die "Dümmeren" aufzuklären? Was haben sie denn unternommen gegen all die Prominenten, zB. eine Frau Joop, die ihre Popularität gegen einen Haufen Geld für die Werbung eines solchen Produkts zur Verfügung stellt? Ich habe nirgends gelesen, dass deren Firma wegen eines Boykotts einen Geschäftseinbruch hinnehmen musste.... Tut mir leid, mein Mitleid hält sich in Grenzen. In meinem Umfeld gibt es keine einize Frau, die auf solchen Mist hereinfällt. Ich kann deshalb auch hier, wie zB. auch bei den Wahlen, kein grösseres Problem sehen, in beiden Fällen treffen die Folgen ja nicht die Falschen. MfG, Tyler Durden
4. Nicht 6% der Impfungen, sondern 6% der eingegangen Berichte
jpeterg 20.08.2009
Zitat von alte unkeWenn es in 6% der Impfungen zu *schweren* Nebenwirkungen kam ...
6% der Datensätze (reports) beschreiben "schwere" Nebenwirkungen (die meisten vorübergehende Ohnmachtsanfälle). ABER the Reporting Rate war 53.9 reports per 100 000 Impfdosen. Insgesamt also 0.003%, oder 3.2 Fälle mit "schweren" Nebenwirkungen pro 100 000 Impfungen. Schon beeindruckend wie die selektive Auswahl von relativen Daten ein recht falsches Bild hervorrufen können. Man sollte erwarten, dass ein kritischer Reporter sich die Mühe macht herauszufinden was 6% der "Datensätze" tatsächlich bedeutet.
5. xxx
inci 20.08.2009
für eine korrekte sicherheitsabwägung fehlt auch ein hinweis darauf, daß gebärmutterhalskrebs eine krebsart ist, die nur bei einem äußerst geringen teil der frauen vorkommt. schon von daher macht die impfung aus meinen augen keinen sinn, denn gebärmutterhalskrebs wird auf der einen seite zumeist im frühstadium erkannt, und hat daher auch eine gute heilungsquote. was die aktuellen nebenwirkungen ohnmachten und blutgerinnsel betrifft, ist zu vermuten, daß es gerade was die blutgerinnsel betrifft eine möglicherweise klinisch relevante dunkelziffer gibt. den blutgerinnsel haben die eigenschaft sich zum teil jahrelang irgendwo zu verstecken und dann eines tages beginnen sie ihren weg durch die blutbahn. ebenfalls ist unklar, was z.b. die ohnmachten ausgelöst hat. sollte das medikament die blut-hirnschranke durchbrochen haben, können weit mehr schädigungen erfolgt sein, die sich, wie beim blutgerinnsel möglicherweise erst später zeigen, wenn auf den ersten blick kein zeitlicher zusammenhang zur impfung mehr gezogen wird. nicht jeder körper reagiert zeitnah auf die impfung mit nebenwirkungen. zu empfehlen wäre daher, alle geimpften - auch die ohne beschwerden - darauf hin zu untersuchen, ob es anzeichen für die genannten auswirkungen gibt.
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