Nach Hygienemängeln: Klinik-Qualität wird strenger geprüft

225.000 Wundinfektionen nach Operationen, bis zu 15.000 Tote pro Jahr: Der Mangel an Hygiene gehört in deutschen Krankenhäusern zu den größten Gefahren. Eine bessere Qualitätssicherung soll nun Abhilfe schaffen.

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Corbis

Behandlung in der Klinik:

Berlin - Angesichts anhaltender Kritik an der Behandlungsqualität müssen die mehr als 2000 deutschen Krankenhäuser künftig umfassendere Angaben etwa zur Hygiene machen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) von Krankenkassen, Ärzten und Kliniken beschloss nun neue Regeln für die verpflichtenden Qualitätsberichte der Kliniken.

Die Krankenhäuser müssen unter anderem differenziertere Angaben zu den beschäftigten Hygienefachkräften machen. Infektionen, die sich Patienten im Krankenhaus holen, sind ein großes Risiko. Außerdem müssen die Berichte mit Angaben zu Behandlungserfolgen und -problemen künftig jährlich statt alle zwei Jahre vorgelegt werden.

"Insgesamt sind Selbstauskünfte - und die Qualitätsberichte bestehen vor allem aus Selbstauskünften - kritisch zu sehen", sagt Jonas Schreyögg, Leiter des Center for Health Economics (Universität Hamburg). Besser wäre es, für einen Teil der Berichte Daten der Kassen von einer objektiven dritten Stelle, etwa Stiftung Warentest oder der Verbraucherschutzzentrale, auswerten zu lassen und diese für jedes Krankenhaus aufzubereiten. Die Krankenhäuser würden so von Bürokratie entlastet und die Patienten hätten eine gute Richtschnur für ihre Entscheidungen. Außerdem seien diese Daten bei vielen Krankheitsbildern aussagekräftiger, sagt Schreyögg.

Seit 2005 sind die Krankenhäuser verpflichtet, regelmäßig Qualitätsberichte zu veröffentlichen. Krankenkassen können die Daten auswerten und für ihre Versicherten Empfehlungen aussprechen. Der G-BA stellte mit seinem Beschluss am Donnerstag außerdem klar, dass Krankenhäuser, die Leistungen an unterschiedlichen Standorten erbringen, nun für jeden einzelnen Standort berichten müssen.

nik/dpa

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insgesamt 11 Beiträge
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1. Kontrollen ja ...
unsermichel 17.05.2013
... aber ich glaube, dass es hier eher um eine Frage des Bewusstseins für Hygiene geht. Ich habe es selbst mehrfach erlebt, dass selbst in einem großen Uniklinikum in der Notaufnahme Patienten Blut abgenommen wurde, ohne dass sich der Pfleger oder die Pflegerin Handschuhe übergestreift hätte. Ist aber auch sehr lästig, wenn man das vielleicht 30 Mal in einer Stunde machen muss. - Natürlich ist es in diesem Klinikum Pflicht, sterile Einweghandschuhe bei der Blutabnahme zu tragen. Aber, was ist bei uns schon Pflicht. Warum gibt es unverantwortliche Raser? Weil "unangepasste Geschwindigkeit" die Unfallursache Nummer 1 ist? Nein, weil sie sich vielleicht unbeobachtet fühlen ... Und was hat das mit Hygiene im Krankenhaus zu tun? - Sehr viel, denn Mensch neigt am ehesten da zum Regelverstoß, wo er sich unbeobachtet fühlt. Dass dies für Andere, die ihm ausgeliefert sind, mitunter fatale Konsequenzen haben kann, dringt gar nicht bis zum das Handeln steuernden Bewusstsein vor. Kam es zur Katastrophe, kann ich ja immer noch sagen, ach, wie tut mir das leid, das habe ich nicht bedacht und schon gar nicht gewollt. Um es auf den Punkt zu bringen, Kontrollen sind absolut notwendig, sowohl auf der Straße als auch im Krankenhaus. Was mir fehlt, das ist ein größeres Augenmerk auf die Bildung, die Entwicklung ethischer Maßstäbe, die mir vor dem, was ich meinen Mitmenschen zumute, vor Augen sind und nicht erst hinterher. Davon hat der Andere nix mehr.
2. Was ist denn das für ein Stuss hier:
giovanniconte 17.05.2013
Zitat von unsermichel... aber ich glaube, dass es hier eher um eine Frage des Bewusstseins für Hygiene geht. Ich habe es selbst mehrfach erlebt, dass selbst in einem großen Uniklinikum in der Notaufnahme Patienten Blut abgenommen wurde, ohne dass sich der Pfleger oder die Pflegerin Handschuhe übergestreift hätte. Ist aber auch sehr lästig, wenn man das vielleicht 30 Mal in einer Stunde machen muss. - Natürlich ist es in diesem Klinikum Pflicht, sterile Einweghandschuhe bei der Blutabnahme zu tragen. Aber, was ist bei uns schon Pflicht. Warum gibt es unverantwortliche Raser? Weil "unangepasste Geschwindigkeit" die Unfallursache Nummer 1 ist? Nein, weil sie sich vielleicht unbeobachtet fühlen ... Und was hat das mit Hygiene im Krankenhaus zu tun? - Sehr viel, denn Mensch neigt am ehesten da zum Regelverstoß, wo er sich unbeobachtet fühlt. Dass dies für Andere, die ihm ausgeliefert sind, mitunter fatale Konsequenzen haben kann, dringt gar nicht bis zum das Handeln steuernden Bewusstsein vor. Kam es zur Katastrophe, kann ich ja immer noch sagen, ach, wie tut mir das leid, das habe ich nicht bedacht und schon gar nicht gewollt. Um es auf den Punkt zu bringen, Kontrollen sind absolut notwendig, sowohl auf der Straße als auch im Krankenhaus. Was mir fehlt, das ist ein größeres Augenmerk auf die Bildung, die Entwicklung ethischer Maßstäbe, die mir vor dem, was ich meinen Mitmenschen zumute, vor Augen sind und nicht erst hinterher. Davon hat der Andere nix mehr.
Beim Blutabnehmen wurde noch nicht ein Patient infiziert, also niemals durch Keime des Abnehmers. Nur patienteneigene Hautkeime die nicht durch Desinfektion abgetötet werden, richten Schaden an. Wohlgemerkt Patientenkeime schädigen den Patienten selber. Auf der anderen Seite haben wir natürlich ein riesiges Hygieneproblem in Deutschland und zwar in einem Ausmaß, daß unsere Verkehrstoten peanuts sind: Infektionskrankheiten in Deutschland - Hygienemängel in Kliniken - 30.000 Tote jährlich - Wissen - Süddeutsche.de (http://www.sueddeutsche.de/wissen/infektionskrankheiten-in-deutschland-hygienemaengel-in-kliniken-tote-jaehrlich-1.1094997) Holland macht es uns hier vor. Dort gilt JEDER Patient als potentiell infektiös, solange bis nachgewiesen wurde, daß der Patient MRSA-frei ist. Das ist ein Verhältnis von 30.000 Toten zu keinem. Ist doch was, oder?
3. optional
pflegeblog.com 18.05.2013
Ich erlaube mir mit einem Link auf eine gemeinnützige Aktion hinzuweisen. Die Aktion Saubere Hände hat ein Videotutorial erstellt, welches zeigt, wie genau alleine eine hygienische Händedesinfektion erfolgen muss. Unter dem Link zu finden: http://www.aktion-sauberehaende.de/tutorial/index.html Bezugnehmend auf #1 unsermichel: Wozu sterile Handschuhe bei der Blutabnahme? Das ist garnicht nötig. Bei einer Blutabnahme sind Handschue für Arzt/Pflegeperson zum Eigenschutz gedacht. Es reicht hygienische Händedesinfektion (natürlich Handschuhe anziehen, weil man weiss ja nie, was der Patient so alles hat), Einstichstelle zu desinfizieren, Einwirkzeit beachten und eine sterile Nadel zu verwenden. Und natürlich nicht zwischendurch die Einstichstelle anfassen. Aber rein grundsätzlich erscheint mir Ihr Beitrag wenig mit Wissen zu tun zu haben. Natürlich ist mangelnde Hygiene ein Grund für viele Komplikationen, die zum Teil auf Unwissen (Ausbildung viele Jahre her, keine Weiterbildungen) und zum anderen auf puren Zeitdruck basieren. Der Link (der hoffentlich nicht gelöscht wurde), zeigt was an Zeit drauf geht, und wie leicht es für einen Menschen ist, ab und an Zeit sparen zu wollen - aber nicht um einen fiesen Vorteil für sich rauszuschinden, sondern um schnell jemand anderen helfen zu können. Wer um die Situation weiß, welche sich der mündige Bürger in seinen Krankenhäusern leistet, wird sich nicht wundern. Es ist schlimm und gehört geändert. Aber dazu gehört mehr, als Stellen streichen und Kosten/Nutzen-Rechnungen seitens der Politik und Krankenhausfirmen. Da bringen Kontrollen im Endeffekt nur eines zu Tage: das Versagen der Gesellschaft.
4. steril?!
biam86 18.05.2013
"sterile Einweghandschuhe" also das Krankenhaus möchte ich sehen.... Wenn jemand schonmal sterile Handschuhe angezogen hat der weiss das es bei Blutentnahmen in einer Notaufnahme unmöglich und auch unsinning ist diese zu tragen bzw anzuziehen.... Desweiteren Handschuhe bei Blutentnahmen ist eigentlich mehr Eigenschutz als Patientenschutz!
5. Kontrollen und Bewußtsein
sophia65 18.05.2013
sind das Eine, aber es kann nicht sein, dass im Pflegebereich (vor allem auch in den Heimen) alles nach einer engen Zeittaktung gehen soll, aber für die Händehygiene ist kein Zeitfenster vorgesehen. Da kommt nämlich morgens während er Grundplfege bis zum Frühstück schnell eine halbe Stunde für Händehygiene zusammen! Und diese Zeit ist schlicht und ergreifend nicht da! Nicht im Personalschlüssel eingeplant!
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