Immunsystem Forscher erklären Allergien als Abwehrreaktion gegen Gift

Allergien sind gefürchtet - und ihre Ursachen kaum verstanden. Eine Maus-Studie legt nun nahe, dass die heftige Reaktion des Körpers einst sehr nützlich gewesen sein könnte - als natürliche Antwort auf gefährliche Gifte.

Honigbiene: Maus-Studie stützt Gift-Hypothese als Erklärung für Allergien
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Honigbiene: Maus-Studie stützt Gift-Hypothese als Erklärung für Allergien


Allergien nehmen weltweit zu - aber eigentlich dürfte es sie kaum geben. Warum sollte das Immunsystem etwas heftig bekämpfen, das dem Körper kaum Schaden zufügt? Hausstaub, Milcheiweiß oder Bienengift stellen für den menschlichen Organismus schließlich keine ernsthafte Gefahr dar. Trotzdem ist jeder dritte Deutsche ein Allergiker.

Warum dies so ist, bereitet Medizinern Kopfzerbrechen. Laut der Hygienehypothese soll die gestiegene Sauberkeit Schuld sein an der fehlgeleiteten Immunantwort. Kinder wachsen heutzutage in einer keimarmen Umgebung auf, ihrem Immunsystem fehlen quasi die passenden Gegner. Andere Forscher glauben, allergische Reaktionen hätten sich ursprünglich gegen Parasiten gerichtet.

Eine deutsch-amerikanische Maus-Studie kommt nun zu dem Schluss, dass allergische Immunreaktionen eine Schutzfunktion des Körpers vor Gift sein könnten. Philipp Starkl von der Stanford University und seine Kollegen bestätigen damit eine bereits 1991 von Margie Profet entwickelte Theorie, die unter Medizinern bis heute umstritten ist.

"Immunschutz wie bei einer Impfung"

Bei den klassischen, auch in dieser Studie untersuchten Allergien spielt Immunglobulin E (IgE) eine zentrale Rolle. Nach Kontakt mit einem Allergen wie Bienengift produziert das Immunsystem große Mengen spezifischer IgE-Antikörper. Danach kommt es zur Ausschüttung von Histamin, dadurch ausgelöste Entzündungsreaktion sind beispielsweise auf der Haut sichtbar. In schweren Fällen tritt ein sogenannter anaphylaktischer Schock auf - dann besteht akute Lebensgefahr.

Das Team von Starkl hatte zunächst Mäusen kleine Mengen Bienengift verabreicht - und später die Dosis erhöht. Dabei zeigte sich eine Resistenz dagegen. "Wie bei einer Impfung schien der Körper eine Art Immunschutz gegen das Bienengift aufzubauen", berichtet Starkl.

Die Frage war jedoch: Steckten hinter der Immunreaktion IgE-Antikörper, die man eigentlich nur von Allergien kennt? Oder ein anderer Antikörper-Typ wie IgA oder IgG? Um das herauszufinden, wiederholten die Forscher ihr Experiment mit Mäusen, bei denen eine IgE-Antwort abgeschaltet war. Dabei zeigte sich, dass die Tiere - im Unterschied zu den vorher untersuchten Mäusestämmen -, keinen Schutz gegen Bienengift aufbauen konnten.

Hinter dem Immunschutz müssten demnach IgE-Antikörper stecken, folgerten die Forscher. Diese Erkenntnis stehe "im krassen Gegensatz" zu dem, was vom Menschen bisher bekannt gewesen sei, heißt es in einer Pressemitteilung. Beim Menschen gelten IgE-Antikörper als Verursacher allergischer Reaktionen. Weitere Funktionen von IgE, etwa zu Abwehr von Parasiten, würden vermutet, aber sie seien bisher nicht direkt nachgewiesen worden.

"Die Annahme, dass die Funktion von IgE-Antikörpern auf das Auslösen allergischer Reaktionen beschränkt sei, griff aus unserer Sicht schon immer zu kurz", sagte Thomas Marichal, Mitautor der im Fachblatt "Immunity" publizierten Studie. "Sonst wären IgE-Antikörper im Zuge der Evolution sicher eliminiert worden." Diese Überlegung liegt auch der Gift-Hypothese zugrunde, die Margie Profet einst entwickelt hatte.

IgE-Antikörper haben demnach die Funktion, den Körper vor giftigen Substanzen zu schützen. Die an der allergischen Reaktion beteiligten Antikörper müssten demzufolge in der Evolution des Menschen eine sehr wichtige Funktion gespielt haben. Erst durch die immer besser geschützte Lebensweise der Menschen habe die Reaktion an Bedeutung verloren. Allergische Reaktionen wären dann nach Aussagen der Forscher "extreme oder unkontrollierte Formen des Schutzmechanismus'".

hda



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insgesamt 169 Beiträge
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sirkus 25.11.2013
1. Quecksilber ist ein gefährliches Gift
und als Impfkraftverstärker in fast allen modernen Impfstoffen enthalten. Dennoch weigert die Medizin sich Zusammenhänge zwischen Alergieanfälligkeit und Schutzimpfungen mit Quecksilber zu sehen. Obwohl in der Forschung wohl bekannt ist, dass Quecksilber gut geeignet ist um Versuchstiere gezielt auf im Verbund injizierte Stoffe allergisch zu machen.
jokoenen 25.11.2013
2. Knackpunkt: neue versus alte Bundesländer
Die Erklärung des signifikanten Unterschieds bei der Häufigkeit von Allergien zwischen den neuen und alten Bundesländern ist ein Knackpunkt für jede Allergietheorie. Hier sehe ich bei dieser, wie bei vielen anderen, schwarz!
xsw 25.11.2013
3. kann ich bestätigen
Zitat von sysopDPAAllergien sind gefürchtet - und ihre Ursachen kaum verstanden. Eine Mausstudie legt nun nahe, dass die heftige Reaktion des Körpers einst sehr nützlich gewesen sein könnte - als natürliche Antwort auf gefährliche Gifte. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/immunsystem-allergien-als-abwehrreaktion-gegen-gift-a-935538.html
Diese Reaktion des Körpers kann auch heute noch sehr nützlich als natürliche Antwort auf gefährliche Gifte sein: Wenn ich gespritzte Äpfel oder Südfrüchte esse, bekomme ich sofort dieses allergische Kribbeln am Kinn, das - würde ich weiter essen - sich dann bald zu Atemnot ausweiten würde. Ungespritztes, biologisches Obst hingegen löst diese Reaktion nicht aus. - Es sei denn, es wurde in einer durch Chemikalien belasteten Kiste aufbewahrt oder ist nicht wirklich 'bio'. Das funktioniert auch, wenn ich nicht weiß, woher das Obst kommt.
h.vonbun 25.11.2013
4. Omnia
Mich würde wirklich interessieren, ob die Menschheit trotz aller medizinischen Fortschritte insgesamt anfälliger, kränker und genetisch durch Gifte, Strahlung und andere Einträge in die Umwelt geschädigter werden.
neuer23 25.11.2013
5. optional
Nein, das ist falsch. Die meisten Impfstoffe enthalten eben kein Quecksilber mehr. In den Impfstoffen, wo es noch verwendet wird, ist Ethylquecksilber im Einsatz, welches vom Körper schnell wieder ausgeschieden wird. Und das ganze in einer Menge, die mit über die Nahrung aufgenommenen Mengen bei weitem übertroffen wird.
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