Indien: Roche nimmt Patentantrag für Krebsmedikament zurück

Pharmavertreter auf einem Markt in Pune: Ausländische Konzerne müssen häufig Einschränkungen im Patentschutz hinnehmen Zur Großansicht
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Pharmavertreter auf einem Markt in Pune: Ausländische Konzerne müssen häufig Einschränkungen im Patentschutz hinnehmen

Auf dem Pharmamarkt in Indien haben es ausländische Konzerne schwer. Der Druck der Regierung hat auch Folgen für den Roche-Konzern, der nun einen Patentantrag fallen lassen will. Ähnlich ging es auch schon anderen Pharmariesen.

Der Schweizer Konzern Roche wird einen Patentantrag für das Brustkrebsmedikament Herceptin in Indien nicht weiterverfolgen, wie ein Roche-Sprecher am Freitag erklärte. Ein indisches Patentamt hatte den Roche-Antrag Anfang des Monats mit der Begründung abgelehnt, er sei nicht korrekt eingereicht worden.

Im Frühjahr hatte der Branchenrivale Novartis einen Patentstreit in Indien um sein Krebsmedikament Glivec bis vor das höchste Gericht gezogen und dann verloren. Das Medikament sei keine "Neuheit" im Sinne des indischen Patentgesetzes, urteilte der Oberste Gerichtshof.

Indien gehört mit einem Marktvolumen von schätzungsweise 13 Milliarden Dollar zu den 15 wichtigsten Pharmamärkten der Welt. Der weitaus größte Teil der Bevölkerung kann sich westliche Medikamente aber nicht leisten. Die Regierung fördert deshalb billige Nachahmerprodukte (Generika) oder Medikamente, die ähnlich sind (Biosimilars). Das geht aber nur, wenn die Arzneimittel in Indien keinen vollen Patentschutz in Anspruch nehmen können.

Medikamente zu reduzierten Preisen

Ähnlich wie den Schweizern erging es auch schon dem Bayer-Konzern und GlaxoSmithKline. Auch sie mussten Einschränkungen des Patentschutzes hinnehmen. Indien greift in solchen Fällen zu sogenannten Zwangslizenzen. Das bedeutet, dass ein indischer Hersteller eine billige Nachahmerversion eines Medikaments herstellen darf und sechs bis acht Prozent vom Umsatz als Lizenzgebühr abführt.

Roche versucht seit dem vergangenen Jahr in Indien einen Mittelweg: In Zusammenarbeit mit einem örtlichen Produzenten werden Herceptin und andere Medikamente zu reduzierten Preisen angeboten. Die Auswirkungen dieses Programms würden derzeit untersucht, erklärte der Roche-Sprecher weiter.

Weltweit nahm Roche mit Herceptin-Verkäufen im ersten Halbjahr mehr als drei Milliarden Franken ein - umgerechnet rund 2,4 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bedeutet das eine Steigerung von fünf Prozent.

che/Reuters

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insgesamt 29 Beiträge
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1. Da wird einer Alternative Medizin...
nano-thermit 17.08.2013
...aber ungern sehen. 3 Milliarden Gewinn dank Krebs? Im ersten Halbjahr?
2. Lob den Indern !
Susi Sorglos 17.08.2013
Wieso schaffen das unsere Politiker nicht in gleicher Weise ?
3. @nano thermit
bambus 17.08.2013
seit wann sind Einnahmen gleich Gewinn?
4.
dango 17.08.2013
Zitat von Susi SorglosWieso schaffen das unsere Politiker nicht in gleicher Weise ?
Weil das Zeug auch erstmal von irgendwem entwickelt werden muss. Generika-Hersteller machen das sicher nicht.
5. Deutschland auch Bevölkerungsfreundlicher?
raber 17.08.2013
Mehr in diese Richtung sollten unsere Politiker denken und die Pharma-Lobby und die legale Bestechlichkeit der Bundestagsabgeordenten einmal unberücksichtigt lassen. Warum sollen die Pharma-Firmen so hohe Ergebnisse erwirtschaften? Mit einigen Milliarden weniger an Vergütungen der Direktoren und Gewinnen können sie trotzdem ausreichend forschen.
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