Infektionen Ende der Pockenimpfung könnte HIV-Ausbreitung ermöglicht haben

Warum ist die Zahl der Aidsfälle auf der Welt in den vergangenen 30 Jahren explosionsartig gestiegen? Forscher erklären dies nun mit der Ausrottung der Pocken. Die damit verbundene Einstellung der weltweiten Impfungen könnte die rasante Verbreitung von HIV begünstigt haben.

Aidspatient (in Thailand): Hat die Pockenimpfung das HI-Virus lange in Schach gehalten?
AFP

Aidspatient (in Thailand): Hat die Pockenimpfung das HI-Virus lange in Schach gehalten?


London - In den fünfziger Jahren begann HIV seine von Afrika ausgehende Ausbreitung über die ganze Welt, aber erst 1983 wurde der Aids-Erreger entdeckt. Die Ursachen für die Epidemie wurden seither in einer Vielzahl von Studien untersucht. Kriege, Armut oder die Wiederverwendung unsteriler Injektionsnadeln und anderer medizinischer Geräte lieferten bisher jedoch keine ausreichende Erklärung für die rasante Ausbreitung der Infektionskrankheit. Eine neue Hypothese haben nun Forscher der George Mason University in Virginia im Fachmagazin "BMC Immunology" veröffentlicht.

Eine HIV-Infektion führt beim Menschen unbehandelt zu einem Versagen des Immunsystems, was fast immer den Tod zur Folge hat. Die Erkrankung ist durch den Befall einer bestimmten Gruppe der weißen Blutkörperchen, den sogenannten T-Helferzellen, gekennzeichnet. Dieser Befall führt langfristig zu einem Mangel dieser Zellen im Körper und somit zur Immunschwäche.

Raymond Weinstein und seine Kollegen untersuchten in ihrer Studie einen möglichen Zusammenhang zwischen Aids und einer weiteren gefährlichen Infektionskrankheit: den Pocken. Der für den Großteil der HIV-Infektionen verantwortliche Erregerstamm HIV-1 und das Pockenvirus benötigen ein bestimmtes Eiweißmolekül auf der Oberfläche der T-Helferzellen, um sie befallen zu können. Genau dieses Protein ist auch der Angriffspunkt der früher gebräuchlichen Impfung gegen die Pocken mit dem Vaccinia-Virus, einer ungefährlicheren Variante des Pockenerregers.

Die Forscher vermuteten daher, dass diese Impfung dem Eindringen von HIV in die Zellen einen Riegel vorschieben könnte. Um das zu testen, untersuchten sie das Blut von HIV-infizierten Personen, die kurz zuvor mit Vaccinia geimpft worden waren, und verglichen es mit Proben von nicht geimpften Patienten. Das Ergebnis: Bei den ungeimpften Probanden hatten sich die HI-Viren im Blut fünfmal so stark vermehrt wie bei den geimpften.

Das Vaccinia-Virus wurde als Standard-Impfstoff während der großen Impfprogramme des vergangenen Jahrhunderts eingesetzt. Von 1950 an wurden die weltweit durchgeführten Pockenimpfungen schrittweise eingestellt - zu dieser Zeit begann das HI-Virus seine globale Ausbreitung. Mit der Einstellung der Pocken-Schutzimpfungen sei vermutlich auch der Schutz vor HIV verloren gegangen - und somit könnte die rapide Ausbreitung von Aids ihren Anfang gefunden haben, vermuten die Forscher.

hda/ddp

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