Infektionskrankheit Klimawandel heizt Malaria-Ausbreitung an

In Afrika tötet Malaria mehr Kleinkinder als Hunger - und es drohen zunehmend Opfer, warnen Forscher: Bei steigenden Temperaturen könnte sich die Krankheit auch im Hochland ausbreiten.

Mit Malariaerreger infizierte Mücken (in einem US-Labor): "Rennen gegen die Zeit"
AFP / Sanaria Inc. / Robert Thompson

Mit Malariaerreger infizierte Mücken (in einem US-Labor): "Rennen gegen die Zeit"


Addis Abeba - Wissenschaftler diskutieren seit langem darüber, welchen Einfluss die Erderwärmung auf die Zahl von Malariaerkrankungen haben kann. Derzeit infizieren sich jährlich rund 300 Millionen Menschen vor allem in Ländern rund um den Äquator mit der Krankheit, die von der weiblichen Anopheles-Mücken übertragen wird. Symptome sind neben schweren Fieberschüben vor allem Kopfschmerzen und Erbrechen, viele Betroffene sterben. Und der Klimawandel könnte womöglich im Hochland von Ostafrika und Südamerika zu erheblich mehr Malariainfektionen führen, wie eine neue Studie belegt.

Wärmere Jahre gingen in den hochliegenden Regionen Äthiopiens und Kolumbiens mit einem häufigeren Vorkommen der Krankheit einher, berichten Forscher um Mercedes Pascual von der University of Michigan im Fachmagazin "Science".

Die Wissenschaftler hatten für jeweils mehr als zehn Jahre die Variation von Temperatur und Malaria-Infektionen in unterschiedlich hoch liegenden Dörfern verglichen: Für 124 Gemeinden der Antioquia-Region in Westkolumbien analysierten sie Daten aus den Jahren 1990 bis 2005, für 159 Verwaltungsbezirke um Debre Zeit in Äthiopien Angaben aus 1993 bis 2005.

Bei unter 15 Grad vermehrt sich Erreger nicht

Dabei fanden sie eine Korrelation: "Die Malaria bewegt sich quasi immer weiter aufwärts, wenn ein Jahr wärmer ist", erklärte Pascual. "Wenn die Temperaturen in den betroffenen Regionen auch nur um ein Grad ansteigen, dann könnte es auf beiden Kontinenten zu Hunderttausenden mehr Malaria-Infektionen kommen als bisher erwartet", warnen die Forscher.

In den untersuchten Hochland-Gebieten leben demnach Dutzende Millionen Menschen. Bisher galten sie als relativ malariafrei: Bei niedrigeren Temperaturen ist es für die Moskitos schwerer, sich zu vermehren und die Krankheit auf Menschen zu übertragen. Vor allem aber braucht der Parasit, der die Malaria überträgt, relativ hohe Temperaturen, um sich zu entwickeln und fortzupflanzen.

Bei unter 15 Grad vermehrt sich etwa der Erreger Plasmodium vivax überhaupt nicht mehr. "Der Parasit befindet sich quasi in einem Rennen gegen die Zeit, weil seine Entwicklung bei Kälte immer langsamer wird", so Pascual.

Die Studie sei der "erste harte Beweis" dafür, dass Malaria in wärmeren Jahren auch in höheren Regionen vorkomme, während sie sich in kälteren Jahren nur in tieferen Gebieten ausbreite, teilte die Universität Michigan mit. Stärkere Kontrollen und Vorsorgemaßnahmen seien nötig, um neue Todesfälle zu vermeiden.

chs/dpa

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insgesamt 21 Beiträge
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mustafa20 07.03.2014
1.
Zitat von sysopAFP / Sanaria Inc. / Robert Thompson In Afrika tötet Malaria mehr Kleinkinder als Hunger - und es drohen zunehmend Opfer, warnen Forscher: Bei steigenden Temperaturen könnte sich die Krankheit auch im Hochland ausbreiten. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/infektionskrankheit-klimawandel-heizt-malaria-ausbreitung-an-a-957460.html
Nach der peinlichen "vielleicht-stirbt-ja-das-great-barrier-reef" Meldung, versuchen Propagandisten mit dem Quatsch nachzulegen ... kurz gefragt wieso, dann die Antwort: "Earth Hour" :)
Ienz 07.03.2014
2. Ja klar!
War ja auch zu erwarten, dass sich auch zu diesem Artikel sofort ein Troll meldet, der entweder: 1. Den Klimawandel komplett leugnet, 2. Den Klimawandel der letzten Jahrzehnte anerkennt, aber die menschliche Verantwortung dafür leugnet (= alles Zufall), oder 3. Den menschengemachten Klimawandel anerkennt, aber die Meinung vertritt, dass - auch dank der Verfechter von #1 und #2 - es nun zu spät zum Gegensteuern sei und man sich nun lieber z.B. auf den Ausbau von Deichen konzentrieren sollte.
professorA 07.03.2014
3. Thema verfehlt
Zitat von sysopAFP / Sanaria Inc. / Robert Thompson In Afrika tötet Malaria mehr Kleinkinder als Hunger - und es drohen zunehmend Opfer, warnen Forscher: Bei steigenden Temperaturen könnte sich die Krankheit auch im Hochland ausbreiten. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/infektionskrankheit-klimawandel-heizt-malaria-ausbreitung-an-a-957460.html
Die Malaria könnte längst ausgerottet sein oder zumindest erheblich eingedämmt, wenn nicht WHO und andere vermeintliche Umweltschützer den Einsatz des wirksamsten Mittels DDT verboten hätten. Schon in den 90er Jahren hat der damalige Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft unwidersprochen gesagt, das das DDT-Verbot Millionen Menschen an Malaria hat sterben lassen, während DDT bei vorsichtiger Anwendung keinen Menschen töten kann. "Silent Spring" von Rachel Carson hat in den 60er Jahren eine -aus heutiger Sicht nicht zu rechtfertigende - internationale Hysterie ausgelöst, die dann zum DDT-Verbot und, da es keine gleich wirksamen Alternativen gibt, zum Todesurteil für Millionen Infizierte Menschen in tropischen Ländern geführt hat. Übrigens einn klarer Fall von Rassismus, denn das Leben von "nur" Eingeborenen war offenbar weniger wichtig. Was die Wirkung des Klinmawandels betrifft: die Welt wartet seit über 15 Jahren vergeblich auf ihn.
HAL3000 07.03.2014
4. Nun...
Zitat von IenzWar ja auch zu erwarten, dass sich auch zu diesem Artikel sofort ein Troll meldet, der entweder: 1. Den Klimawandel komplett leugnet, 2. Den Klimawandel der letzten Jahrzehnte anerkennt, aber die menschliche Verantwortung dafür leugnet (= alles Zufall), oder 3. Den menschengemachten Klimawandel anerkennt, aber die Meinung vertritt, dass - auch dank der Verfechter von #1 und #2 - es nun zu spät zum Gegensteuern sei und man sich nun lieber z.B. auf den Ausbau von Deichen konzentrieren sollte.
War ja auch zu erwarten, das sich auch zu diesem Artikel sofort ein Troll meldet, der entweder: 1. Den baldigen Tod der Menschheit vorraussagt, wenn wir nicht endlich geläutert der Klimakirche gehorchen wollen 2. daran glaubt, das der kleine Landfleck namens Deutschland die Welt allein retten kann, wenn nur der Energiepreis astronomisch hoch genug ist oder 3. der ohne Katastrophenmeldungen von Menschenhand verursacht nicht in Demut leben kann. Zusammengefasst: Gähn.
Lanek 07.03.2014
5.
Zitat von professorADie Malaria könnte längst ausgerottet sein oder zumindest erheblich eingedämmt, wenn nicht WHO und andere vermeintliche Umweltschützer den Einsatz des wirksamsten Mittels DDT verboten hätten. Schon in den 90er Jahren hat der damalige Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft unwidersprochen gesagt, das das DDT-Verbot Millionen Menschen an Malaria hat sterben lassen, während DDT bei vorsichtiger Anwendung keinen Menschen töten kann. "Silent Spring" von Rachel Carson hat in den 60er Jahren eine -aus heutiger Sicht nicht zu rechtfertigende - internationale Hysterie ausgelöst, die dann zum DDT-Verbot und, da es keine gleich wirksamen Alternativen gibt, zum Todesurteil für Millionen Infizierte Menschen in tropischen Ländern geführt hat. Übrigens einn klarer Fall von Rassismus, denn das Leben von "nur" Eingeborenen war offenbar weniger wichtig. Was die Wirkung des Klinmawandels betrifft: die Welt wartet seit über 15 Jahren vergeblich auf ihn.
Klima ist kein linearer Vorgang. Er war einige Jahre sehr stark, die Umweltverschmutzung steigt trotzdem, die Klimaextreme sind auch sehr schön beobachtbar. Die angenehme Stagnation wird leider auch wieder vergehen..
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