Infektionsweg: Wie das neue Coronavirus in den Menschen gelangt

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REUTERS/ HPA

Coronavirus: Erreger vermehrt sich im Labor zunächst schneller als Sars-Virus

Ein neuartiges Coronavirus hat zuletzt zahlreiche Menschen befallen: Sie litten an Lungenentzündung mit Nierenversagen. Nun haben Forscher geklärt, wie der Erreger in den Körper gelangt.

Im Kampf gegen das neuartige humane Coronavirus sind Forscher einen wichtigen Schritt weitergekommen: Ein internationales Team hat in Laborversuchen geklärt, wie der aggressive Erreger in menschliche Zellen eindringt. Dazu nutzt er das Protein DPP4 (Dipeptidylpeptidase 4), das sich an der Oberfläche vieler Zellen befindet, wie die Forscher in der Zeitschrift "Nature" berichten. Die Erkenntnis dürfte die Suche nach Therapien voranbringen.

Das Coronavirus hCoV-EMC (humanes Coronavirus-Erasmus Medical Center) wurde erstmals im Juni 2012 in Saudi-Arabien bei einem 60-jährigen Mann gefunden. Ein zweiter Fall folgte im September. Beide Patienten litten an Lungenentzündung mit Nierenversagen. Bis zum 12. März wurde das aggressive Virus nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei 15 Patienten nachgewiesen, von denen neun starben.

Bekannt war bislang, dass der Erreger eng verwandt mit Fledermaus-Coronaviren ist. Im Gegensatz zum ebenfalls zu den Coronaviren zählenden Erreger der Lungenkrankheit Sars nutzt er aber zur Zellinfektion keinen Rezeptor. Stattdessen dringt er über das Enzym DPP4 in die Zellen ein, wie die Forscher um Bart Haagmans vom Erasmus Medical Center in Rotterdam berichten.

Eintrittspforte des Virus

Den Forschern gelang bereits ein erster Schritt in Richtung Therapie: Antikörper gegen DPP4 verhinderten im Labor die Infektion humaner Lungenzellen. Umgekehrt konnten die Wissenschaftler für das Virus unempfängliche Affenzellen infizieren, wenn sie diese mit DPP4 von Menschen oder Fledermäusen ausstatteten.

Die Entdeckung könnte für die Suche nach Impfstoffen wichtig sein, schreiben die Forscher, darunter auch Virologen der Universitätsklinik Bonn. Solche Stoffe könnten das Immunsystem etwa zur Bildung von Antikörpern anregen, die das Andocken des Virus an DPP4 gezielt verhindern.

"Diese Arbeit ist sehr wichtig, denn sie identifiziert eine Eintrittspforte des Virus in menschliche Zellen", sagt der Virologe Thorsten Wolff vom Robert Koch-Institut in Berlin. "Durch die Kenntnis des Rezeptormoleküls haben Forscher nun einen Fuß in der Tür, um gezielt nach antiviralen Stoffen zu suchen."

boj/dpa

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insgesamt 3 Beiträge
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1. 2. Versuch
lubinca 14.03.2013
Ich wünschte, Sie würden endlich ihre Wissenschaftsredaktion mit wissenschaftlich gebildeten Personen besetzen. Wie sie selbst in Ihrem Artikel schreiben, haben die Wissenschaftler herausgefunden, wie das Virus in ZELLEN gelangt - nicht, wie Sie im Vorspann schreiben - in den Körper. Das Jonglieren mit Fachausdrücken und die Erwähnung von Strukturen die bei "vielen Zellen" vorkommen sind ebensowenig eine Information wie die Erwähnung von SARS, bei dem dies ein Gegensatz sei. Man merkt, dass Ihr Redakteur zu wenig von der Materie versteht, um einen populärwissenschaftlichen Artikel aus seinen Informationen zu stricken - Warum lassen Sie es dann nicht einfach?
2.
hallorenkugel 15.03.2013
Zitat von lubincaIch wünschte, Sie würden endlich ihre Wissenschaftsredaktion mit wissenschaftlich gebildeten Personen besetzen....
Au ja !!! Ich suche grad einen Job !
3. Rezeption auf Rezept
cassandros 15.03.2013
Zitat von lubincaIch wünschte, Sie würden endlich ihre Wissenschaftsredaktion mit wissenschaftlich gebildeten Personen besetzen. .... Man merkt, dass Ihr Redakteur zu wenig von der Materie versteht, um einen populärwissenschaftlichen Artikel aus seinen Informationen zu stricken - Warum lassen Sie es dann nicht einfach?
Ähem.... ich füchte beinahe, daß die harsch formulierte Kritik nicht ganz von der Hand zu weisen ist. So findet sich in der Meldung die folgende Aussage: "Im Gegensatz zum ebenfalls zu den Coronaviren zählenden Erreger der Lungenkrankheit Sars *nutzt er aber zur Zellinfektion _keinen Rezeptor_. Stattdessen* dringt er über das Enzym DPP4 in die Zellen ein, ..." Man vergleiche dies mit der Überschrift des Fachartikels, auf den Bezug genommen wird: "*Dipeptidyl peptidase 4 is *a functional *receptor* for the emerging human coronavirus-EMC" Weiter unten heißt es dann auch auf Deutsch: "...sagt der Virologe Thorsten Wolff vom Robert Koch-Institut in Berlin. "Durch die Kenntnis des *Rezeptormoleküls* haben Forscher nun einen Fuß in der Tür,..."
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