Internationale Studie Erhöhtes Herzinfarkt-Risiko wird vererbt

Menschen, deren Vater oder Mutter einen Herzinfarkt hatten, laufen eher Gefahr, selbst einen zu erleiden. Dieser Umstand gilt weltweit, wie eine groß angelegte Studie jetzt belegt. Forscher mahnen deshalb an, die Familiengeschichte bei Vorsorgeuntersuchungen zu beachten.

Herzschlag (Illustration): Familiengeschichte beeinflusst das Infarktrisiko
Corbis

Herzschlag (Illustration): Familiengeschichte beeinflusst das Infarktrisiko


Ein erhöhtes Herzinfarktrisiko geben Eltern an ihre Kinder weiter. Hat ein Elternteil einen Infarkt erlitten, so ist das Risiko der Kinder verdoppelt. In einer internationalen Studie konnten Forscher ermitteln, dass dies auf jedem Kontinent gilt, wie sie im "Journal of the American College of Cardiology" berichten.

Die Wissenschaftler um Salim Yusuf von der McMaster University in Ontario, Canada, sammelten im Rahmen der "Interheart"-Studie Daten von 12.000 Patienten, die in den Jahren 1999 bis 2003 wegen eines ersten Herzinfarkts behandelt wurden. Zusätzlich flossen Informationen von 15.000 Menschen ein, die keinen Infarkt hatten. Die Teilnehmer stammten aus 52 Ländern und von allen Kontinenten - abgesehen von der Antarktis. Frühere Untersuchungen hatten einen Zusammenhang der Infarktrate von Eltern und Kindern bereits ermittelt, allerdings nur in kleinerem Maßstab und nur für bestimmte Bevölkerungsgruppen.

Rund 18 Prozent der Infarktpatienten hatten Eltern, die ebenfalls einen Herzinfarkt hatten - bei den Kontrollteilnehmern der Studie traf das nur auf 12 Prozent zu. Wenn die Forscher andere Risikofaktoren wie Alter und Geschlecht mit einberechneten, war das Infarktrisiko für die familiär Belasteten 1,8-mal so hoch. Ob der Vater oder die Mutter einen Infarkt erlitten hatte, wirkt sich den Daten zufolge gleichermaßen aufs Risiko aus. Sind beide Eltern betroffen oder ein Elternteil bereits vor dem 50. Lebensjahr, ist das Risiko der Kinder noch deutlicher erhöht.

Bekannte Risikofaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum und Übergewicht konnten das erhöhte Risiko der Kinder von Infarkt-Patienten nicht erklären, berichten die Wissenschaftler. Wahrscheinlich spielt also die Vererbung eine Rolle. Möglich ist auch, dass bestimmte Verhaltensweisen, die nicht in den bekannten Risikofaktoren aufgelistet sind, aber oft von den Eltern übernommen werden, die Infarkt-Gefahr beeinflussen.

"Die Studie unterstreicht, dass die Familiengeschichte ein wichtiger Risikofaktor ist und dass sie in die Vorbeugung und Behandlung von Herzerkrankungen einfließen sollte", sagt Christopher O'Donnell von den US-amerikanischen National Institutes of Health, der nicht an der Studie beteiligt war.

wbr/Reuters



insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
caecilia_metella 27.01.2011
1. Irgendwo logisch
Wenn Zeit = Geld, dann wird die Zeit immer knapper. Das bedeutet: immer mehr Arbeit, immer mehr Streß, bis der Herzrhythmus nicht mehr mitkommt. Irgendwann wird es nur noch Krankgearbeitete geben.
JumpingJack, 27.01.2011
2. Simple world
Zitat von caecilia_metellaWenn Zeit = Geld, dann wird die Zeit immer knapper. Das bedeutet: immer mehr Arbeit, immer mehr Streß, bis der Herzrhythmus nicht mehr mitkommt. Irgendwann wird es nur noch Krankgearbeitete geben.
Ich bin froh, dass es auch noch richtig einfache Anworten gibt; hatte mir die Welt komplizierter vorgestellt. Vielleicht diskutieren wir ja morgen mal über die Relativitätstheorie und kommen zu dem Schluss, dass iregenwann alles relativ ist.
aceofspade 27.01.2011
3. Supereinfach
Zitat von JumpingJackIch bin froh, dass es auch noch richtig einfache Anworten gibt; hatte mir die Welt komplizierter vorgestellt. Vielleicht diskutieren wir ja morgen mal über die Relativitätstheorie und kommen zu dem Schluss, dass iregenwann alles relativ ist.
wird es auch fuer die Versicherungen. Ein Herzinfarkt in der Familie ist das schon mal einen Aufschlag wert. Muss es einem doch wert sein.
albert schulz 28.01.2011
4. Kalter Kaffee
Zig Anlagen werden vererbt, etwa die Neigung zu Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen, und das ist altbekannt. Aber für Krebs, Neid, Geldgier und Dummheit gilt das auch, und es überlagern sich Generationen von Genen. Der Wahrscheinlichkeitsfaktor 1,8 ist im Übrigen nicht sonderlich groß. Daß allerdings Rauchen bei der Entstehung von Infarkten keine Rolle spielen sollte, ist barer Unfug. Und schon weiß man, wer die Studie bezahlt hat. Diese Dummheiten werden in regelmäßigen Abständen aufgewärmt.
albert schulz 28.01.2011
5. Kalter Kaffee
Zig Anlagen werden vererbt, etwa die Neigung zu Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen, und das ist altbekannt. Aber für Krebs, Neid, Geldgier und Dummheit gilt das auch, und es überlagern sich Generationen von Genen. Der Wahrscheinlichkeitsfaktor 1,8 ist im Übrigen nicht sonderlich groß. Daß allerdings Rauchen bei der Entstehung von Infarkten keine Rolle spielen sollte, ist barer Unfug. Und schon weiß man, wer die Studie bezahlt hat. Diese Dummheiten werden in regelmäßigen Abständen aufgewärmt. Und zwar mit einer ungeheuer großen Wahrscheinlichkeit.
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