Kampf gegen Aids: Neue Kombi-Impfung kann vor HIV schützen

Von

Durchbruch bei der Suche nach effektiver Immunisierung gegen HIV? Thailändische Forscher haben beim bisher größten Impfstofftest immerhin eine geringe Schutzfunktion festgestellt. Ihre Strategie: Sie kombinierten zwei alte, wenig wirksame Arzneien.

dpa

Bangkok - Auch nach fast 30 Jahren Aids-Forschung treibt Wissenschaftler rund um den Globus vor allem eines an: die Suche nach einem Impfstoff gegen HIV. Immer wieder melden Forscher Durchbrüche - einen effektiven Schutz hat bislang jedoch noch keiner gefunden.

Vermutlich wird es auch nicht der eine geniale Coup sein, bei dem ein Wissenschaftler eine schützende Impfung aus seinem Experimentierkasten hervorzaubert. Wenn überhaupt, dann werden wohl erst die zahlreichen kleinen und größeren Fortschritte der Aids-Forscher am Ende irgendwann zu einer effektiven Immunisierung führen.

Die Wissenschaftler vom thailändischen Gesundheitsministerium und der US-Armee, die jetzt von erfolgreichen Impftests an 16.000 Freiwilligen in Thailand berichten, könnten bei dieser Suche einen wichtigen Schritt getan haben. Für ihre Studie kombinierten sie zwei alte Impfstoffe, die einzeln wenig erfolgreich waren: Alvac von Sanofi-Aventis und Aidsvax von VaxGen Inc. Beide stimulieren im Körper die Immunantwort durch T-Zellen. In der Kombinationsbehandlung jedoch sollen die Wirkstoffe nach der "Prime-and-boost"-Strategie funktionieren: Alvac bereitet demnach das Immunsystem darauf vor, auf einen Angriff von HIV mit der Produktion von T-Zellen zu reagieren, Aidsvax verstärkt danach diese Immunantwort.

"Erstmals Hinweis, dass effektive Impfung möglich ist"

Die neue Zusammensetzung wurde zwischen 2003 und 2006 an Freiwilligen mit durchschnittlichem Ansteckungsrisiko aus zwei thailändischen Provinzen getestet. Die über 16.000 HIV-negativen Frauen und Männer im Alter von 18 bis 30 Jahren wurden in zwei Gruppen aufgeteilt: 8197 Studienteilnehmer bekamen die Impfung, die aus vier Dosen Alvac bestanden und zwei Spritzen mit Aidsvax. Die 8198 übrigen Probanden erhielten nur eine wirkstofflose Spritze, keiner der freiwilligen Tester wusste jedoch, ob er die Immunisierung bekommen hatte oder nicht.

An alle Teilnehmer vergaben die Studienleiter Kondome und klärten sie über Vorsichtsmaßnahmen gegen eine Ansteckung auf. In der Folge testeten sie die Probanden drei Jahre lang alle sechs Monate auf eine HIV-Infektion. In der Impfstoffgruppe hatten sich nach drei Jahren 51 Menschen mit dem Virus infiziert, in der Placebogruppe waren es hingegen 74. Anhand dieser Zahlen kommen die Forscher zu dem Ergebnis, dass die Impfung das Risiko einer Ansteckung um 31,2 Prozent gesenkt habe.

Es sei "der größte HIV-Impf-Versuch jemals", der "sehr ermutigende Ergebnisse" geliefert habe, schreibt das Aids-Programm der Vereinten Nationen (Unaids) auf seiner Seite. Der thailändische Gesundheitsminister Witthaya Kaewparadai sprach sogar von einem "wissenschaftlichen Durchbruch", und Oberst Jerome Kim vom HIV-Forschungsprogramm der US-Armee sagte: Obwohl der Nutzen der Impfung gering sei, "konnte zum ersten Mal gezeigt werden, dass eine sichere und effektive Impfung möglich ist". Der Test "gibt uns Hoffnung, dass wir eines Tages einen weltweit wirksamen Impfstoff haben werden".

Antworten im Labor finden

Jan van Lunzen, Leiter der Infektiologie am Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf, lässt ob der Untersuchung eher "verhaltenen Optimismus" aufkommen. "Ein riesiger Durchbruch ist das nicht", so Lunzen gegenüber SPIEGEL ONLINE. Wichtig sei es, die Zahlen nüchtern zu betrachten: "In beiden Gruppen haben sich erfreulich wenig Menschen mit HIV infiziert", sagt Lunzen, schließlich habe es sich auch nicht um Hochrisikogruppen wie Homosexuelle oder Drogenabhängige gehandelt. Dadurch seien aber auch die Vergleichszahlen in der Impf- und der Placebogruppe sehr klein. "Im Endeffekt konnten 23 Menschen vor einer Infektion bewahrt werden, weil über 8000 Probanden geimpft wurden", so Lunzen. Die Studie kostete 105 Millionen Dollar.

Auch Anthony Fauci, Direktor des National Institute of Allergy and Infectious Diseases, warnte vor überzogenen Hoffnungen und sagte: "Wir sind noch nicht am Ziel." Dennoch sei er überrascht und erfreut über die Ergebnisse: "Sie geben Anlass zu der vorsichtigen Hoffnung, dass die Resultate noch verbessert werden können", so Fauci.

Infektiologe Lunzen findet vor allem den neuen Forschungsansatz interessant: Ähnlich wie bei der Kombinationstherapie von Aids habe die thailändische Studie gezeigt, dass eine Zusammensetzung von zwei Impfstoffen die Schutzfunktion erhöhen könne. "Wir brauchen eine möglichst breite Immunantwort gegen die Viren", meint Lunzen. "Interessant wäre, mit einer Kombinationsimpfung in Zukunft nicht nur die T-Zell-Antwort sondern auch die Antikörperproduktion zu stimulieren."

Nach Angaben der thailändischen Wissenschaftler hatte der Impfstoff keine Auswirkung auf die Höhe der Viruslast bei den Infizierten. "Das wirft wieder große Fragezeichen auf", so Lunzen. "Welche Immunantwort brauchen wir eigentlich? Was schützt den Organismus vor HIV?" Um Antworten auf diese Fragen zu finden, müssten die Forscher zurück ins Labor.

Mit Material von AFP und AP

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 21 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. neue Märkte
Wolfghar 24.09.2009
Impfen ist eines der großen Zukunftsgeschäfte. HIV Impfung ist aber für mich noch verzichtbarer als Schweinegrippe, und vor der hatte ich auch nie Angst.
2. naja
silverboy 24.09.2009
zuerst muß mal bewiesen werden das HIV AIDS auslöst. Das ist bisher nicht geschehen. Und jeder der sich über diesen Satz aufregt, sollte bitte anfangen zu recherchieren. Nicht ist bewiesen von dieser angeblichen Seuche. Wer das wiss. Gegenteil beweisen kann trete vor.
3. besser informieren
Miller15 24.09.2009
Zitat von silverboyzuerst muß mal bewiesen werden das HIV AIDS auslöst. Das ist bisher nicht geschehen. Und jeder der sich über diesen Satz aufregt, sollte bitte anfangen zu recherchieren. Nicht ist bewiesen von dieser angeblichen Seuche. Wer das wiss. Gegenteil beweisen kann trete vor.
Ich weiß zwar nicht woher Sie Ihre Informationen geschweige denn Ihr medizinisches Fachwissen nehmen, muss Ihnen aber sagen dass es sehr wohl nachgewiesen ist das HIV die Symptome auslöst die sie Aids nennen. Die Funktion dieses Virus, wie es in die Zelle eindringt, an Welche Proteine es bindet und wie es sich in die DNA der weißen Blutkörperchen einbaut und diese Zerstört ist grundsätzlich erfoscht und nachgewiesen. Daher gibt es keine Zweifel an der Wirkung des HI Virus auf den menschlichen Körper. Wenn sie möchten lesen sie im Pschyrembel (medizinisches Fachwörterbuch) nach, dort steht die komplette Funktionsweise des Virus. Medizin und Wissenschaft basiert nicht auf dem Glauben dass etwas so ist wie es ist. Alles ist bewiesen und belegt. So auch der Fakt das HIV die allen bekannte Immunschwäche auslöst. Was es daran nicht zu glauben gibt ist mir unklar
4. ich bin skeptisch
moonoi 24.09.2009
vor allem ueber den zeitpunkt der veroefentlichung dieses "sensationellen" ergebnisses. ich lebe in thailand und verfolge die tagespolitische geschichte stuendlich, beruflich bedingt. dass gerade jetzt, waehrend der Premier Minister Abhisit in NYC zur Uno-konferenz weilt, und er dort am rande haenderingend um auslandsinvestitionen in Thailand bettelt, die thailaender einen naja immerhin 32,2 prozentigen fortschritt machen, hoert sich nach einer typischen thai-ente an. ( vor allem die zwei nach dem komma) Abhisit braucht dringend einen erfolg. Thailand "lost to much face" im Ausland, aufgrund von innenpolitischem tourmoil, global downturn, local scam artists,etc. er braucht es fuer zu hause - hier, wir, thailand, retten die welt, und zeigen der welt wie wir unsere sexindustrie ( FYI: prostitution ist in thailand VERBOTEN!) sicherer machen, also kommt nach Pattaya - marktreife? ich wette ne kiste mekong whiskey dass dieses "medikament" zur "main season" ab oktober unter dem ladentisch auftaucht ( auch gerade als kompletter fake). 32% besserer schutz, das verpflichtet zu nichts - dazu gibts ne gefaelschte viagra beigepackt und dann opi... - wer sagt es gibt kein leben vor dem tode?... 555 jetzt lese ich erst die details , es war die US army die an thailanendern einen langzeitversuch durchgefuehrt hat - menschenversuch kann man auch sagen. http://bangkokpost.com/news/asia/155212/aids-breakthrough-as-vaccine-cuts-infections
5. Depp!
michaelcapetown 24.09.2009
Zitat von silverboyzuerst muß mal bewiesen werden das HIV AIDS auslöst. Das ist bisher nicht geschehen. Und jeder der sich über diesen Satz aufregt, sollte bitte anfangen zu recherchieren. Nicht ist bewiesen von dieser angeblichen Seuche. Wer das wiss. Gegenteil beweisen kann trete vor.
Wenn Otto-Normalo wie Sie diese beknackte und einfach nur dumme These vertritt, dann ist das traurig. Wenn allerdings eine führende Person wie der ehemalige Südafrikanische Staatspresident Thabo Mbeki solchen Schwachsinn loswird, dabei wie er auch noch keine Medikamente zur Verfügung stellt und es Jahre lang gedauert hat bis der SA-Staat ENDLICH mal zur Vernunft gekommen ist, dann ist dies Völkermord. In der Hinsicht gehören Leute wie Mbeki eigentlich nach Den Haag! Über 3000 Tote pro WOCHE in SA. Hätte verhindert werden können. Was Sie betrifft: falls Sie immer noch an so dämliche Verschwörungstheorien und wat weiss ich glauben, dann kommen Sie einfach mal her nach Kapstadt ins Staatskrankenhaus. Oder sorgen Sie doch einfach dafür dass Sie HIV-positiv werden. Den Rest wird Ihr Körper Ihnen schon beibringen!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Medizin
RSS
alles zum Thema Aidsprävention
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 21 Kommentare
  • Zur Startseite
Fotostrecke
HIV: Porträt eines Killers

Fotostrecke
25 Jahre Aids: Krankheit auf dem Titel