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Kampf gegen Nikotinsucht: Hirnscan verrät Erfolg von Rauchentwöhnung

Warum schaffen es manche Raucher, der Zigarette abzuschwören - andere aber nicht? Daran könnten Vorgänge in unserem Gehirn mitschuldig sein. Entscheidend sind offenbar Areale, in denen wir über uns selbst nachdenken.

Raucher: Rauch-Stopp durch Selbstreflexion Zur Großansicht
dapd

Raucher: Rauch-Stopp durch Selbstreflexion

London - Klar, die Gesundheitsfolgen des Rauchens sind hinlänglich bekannt. Innerhalb von Minuten schädigt der giftige Qualm das menschliche Erbgut. Doch ebenso bekannt wie die Gefahren sind die Schwierigkeiten vieler Menschen, das Laster aufzugeben. Schuld daran mag auch eine genetische Vorprägung sein. Forscher glauben nun aber eine Möglichkeit gefunden zu haben, zumindest die Erfolgsaussichten eines Anti-Raucher-Programms abzuschätzen.

Entscheidend ist demnach die Aktivität in bestimmten Gehirnregionen. Sie zeigt den Wissenschaftlern zufolge, ob ein Proband erfolgreich den Zigaretten entsagen kann - und zwar bevor der entsprechende Versuch überhaupt gestartet ist.

Forscher um Hannah Faye Chua von der University of Michigan in Ann Arbor berichten im Fachmagazin "Nature Neuroscience" von ihren Untersuchungen mit 87 Freiwilligen. Sie alle nahmen an einem speziell auf sie zugeschnittenen Entwöhnungsprogramm teil. Dieses Vorgehen gilt als - vergleichsweise - erfolgversprechend. Einbezogen werden Lebensumstände, Bedürfnisse und Interessen des Probanden ebenso wie persönliche Probleme und Charakterzüge. Individuell ausgerichtete Botschaften sollen zur Selbstreflexion anregen - und dann zum Rauch-Stopp.

Die Wissenschaftler wollten nun wissen, ob diese Therapie tatsächlich Vorteile bringen kann - und ob diese Art der Entwöhnung tatsächlich eine höhere Erfolgsquote hat. Ihre These: Wenn die individuellen Botschaften dafür sorgen, dass die Raucher sich auf sich selbst konzentrieren, dann müssten durch die Programme auch die entsprechenden, für die Selbstreflexion verantwortlichen Regionen im Gehirn aktiv werden.

Veränderungen der Durchblutung im Gehirn untersucht

Aus früheren Studien gab es bereits Hinweise darauf, wo diese Regionen liegen: im sogenannten präfrontalen Cortex hinter der Stirn, im Precuneus, ebenfalls im Frontallappen, und im Zentrum des Großhirns, im Bereich des Gyrus cinguli, der zum Gefühlszentrum gehört. Diese Hirnareale untersuchten die Wissenschaftler mit funktioneller Magnetresonanztomografie. Dabei werden Veränderungen der Durchblutung im Gehirn sichtbar. Diese erlauben Rückschlüsse auf die Gehirnaktivität.

Die Probanden mussten in einer ersten Sitzung einen Fragebogen zu ihrer Gesundheit, ihrer Persönlichkeit und ihren Charaktereigenschaften ausfüllen. In einer zweiten Sitzung wurden sie mit dem Magnetresonanztomografen untersucht, während sie zwei Aufgabenblöcke gestellt bekamen: einen zur Selbsteinschätzung und einen, bei dem sie verschiedene Appelle anhörten, mit dem Rauchen aufzuhören. Dabei handelte es sich sowohl um allgemeine Botschaften als auch um individuell zugeschnittene Aussagen.

Nach den Untersuchungen nahmen die Probanden an einem Web-basierten individuellen Programm zur Raucherentwöhnung teil. Vier Monate später überprüften die Wissenschaftler dann, wer erfolgreich aufgehört hatte. Die Auswertung zeigte zweierlei:

  • Bei den individuell zugeschnittenen Botschaften wurden tatsächlich eher Gehirnbereiche aktiviert, die auch für die Selbsteinschätzung genutzt werden.
  • Nicht alle Probanden reagierten gleich stark auf die Botschaften. Bei einigen war das Aktivitätsmuster nur schwach ausgeprägt, bei anderen leuchtete es auf den Aufnahmen dagegen sehr deutlich auf. Genau diese Probanden sprachen besonders gut auf das folgende Programm an, das ebenfalls auf eine Verstärkung der Selbstreflexion zielte. Bei diesen Menschen war die Wahrscheinlichkeit, auch nach vier Monaten noch abstinent zu sein, sehr viel größer als bei den anderen Teilnehmern.

Die Wissenschaftler hoffen nun, dass ihr Verfahren dazu beiträgt, die Vorgänge im Gehirn besser zu verstehen und damit noch erfolgreichere Programme zur Raucherentwöhnung zu entwickeln.

Vielleicht ist dieser Aufwand aber auch gar nicht nötig: Australische Forscher hatten im vergangenen Jahr herausgefunden, dass zwei Drittel bis drei Viertel aller erfolgreichen Ex-Raucher gar keine fremde Hilfe brauchten. In einer Meta-Studie hatten sie 511 Studien aus den Jahren 2007 und 2008 ausgewertet. Dabei stellten sie fest, dass Ersatzmittel oder psychologische Hilfe oft gar nicht nötig waren.

Der Öffentlichkeit werde allerdings das Bild vermittelt, dass Nikotinersatztherapien zum erfolgreichen Rauch-Stopp nötig seien. Das sei aber gar nicht der Fall, Raucher sollten weiter daran glauben, ganz ohne Hilfsmittel von der Zigarette loszukommen. Es sei nämlich nicht nur möglich, sondern sogar wahrscheinlich.

chs/dapd

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1. ...
felisconcolor 28.02.2011
Ich bin selbst mässiger Raucher. Ich kenne genügend Menschen die mit dem Rauchen aufgehört haben. Meine Hochachtung. Interessant ist der Artikelabschnitt über die unnötigen Rauchersatzprodukte zur Entwöhnung. Der überwiegende Teil der o.g. Menschen haben von jetzt auf nun aufgehört. Nur wenige mit diesen Ersatzpräparaten. Ich bin auch eher der Meinung, das diese wohl doch nur die Kassen der Pharmaindustrie füllen sollen. Das Nicotin ist der Wirkstoff, von dem es gilt weg zu kommen. (und den Schrulligkeiten ständig etwas in den Fingern haben zu müssen) Dann ist es wohl eher kontraproduktiv, sie sich mit Ersatzmitteln weiter zu zuführen.
2. Nichtraucher
fort-perfect 28.02.2011
Ich habe 2005 nach 25 Jahren Raucherdasein mit dem Rauchen aufgehört. Ohne Therapie, ohne Hilfsmittel, ohne medizinischen Beistand. Ich habe Abends die letzte Zigarette geraucht und am nächsten Tag nicht mehr angefangen. Die letzte Schachtel liegt heute noch in der Schublade. Ich habe natürlich wie fast jeder Raucher vorher einige Nichtraucherversuche durchgestanden, die allesamt nach einigen Wochen / Monaten vom Misserfolg gekrönt waren. Beim letzten Mal habe ich mir vorher allerdings klar gemacht, dass ich mich mit der Raucherei definitiv ins Grab qualme. Ich litt häufig unter Kopfschmerzen und vor meinem geistigen Auge hatten sich unangenehme Bilder von Raucherfolgen festgesetzt. Das war für mich das Zeichen "jetzt oder nie". Der einzige Nachteil aus diesem Nichtraucherdasein ist dass mein BMI sich etwas zu meinem Nachteil verändert hat (Ich bin immer noch keine Sportskanone). Aber damit kann ich leben, denn dafür habe ich bis jetzt ca 50000 Zigaretten nicht geraucht. Wie man sieht scheint diese Geschichte mit der Selbstreflektion zu funktionieren, ebenso wie die Aussage des letzten Satzes.
3. Na super
chris345 28.02.2011
Bei dem Bild zum Artikel bekomme ich selbst nach 6-monatigem Rauchstopp noch Entzugserscheinungen.
4. Zeit
ohmscher 28.02.2011
Zitat von chris345Bei dem Bild zum Artikel bekomme ich selbst nach 6-monatigem Rauchstopp noch Entzugserscheinungen.
Na danke, ich habe 6 Jahre nach der letzten Zigarette das Bild überhaupt nicht bemerkt, und jetzt haben Sie das betreffende Gehirnareal wieder geweckt. :-) Sie schaffen das schon!
5. Man muss es wollen
FastFertig, 28.02.2011
Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Da Abstinenz keine körperliche Auswirkungen hat ist es eine rein geistige Frage. Will man aufhören oder nicht? Wer wirklich aufhören will, kann das jederzeit tun. Wer nicht aufhören will raucht. Wer nicht aufhören will aber trotzdem nicht raucht, hat sich geistig selbst eingesperrt.
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Rauchverbote in Deutschland
Deutschlandweit
DPA
Das seit dem 1. September 2007 geltende Gesetz zum Nichtraucherschutz schreibt ein grundsätzliches Rauchverbot in allen öffentlichen Einrichtungen des Bundes und im öffentlichen Personenverkehr vor.

Die Rauchverbote sind in den Ländern zwar unterschiedlich strikt. Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts 2008 ist das Rauchen aber in den meisten Ländern zumindest in kleinen Einraumkneipen bis zu 75 Quadratmetern gestattet.

Baden-Württemberg
Gaststätten müssen rauchfrei sein, können aber abgeschlossene Raucherräume einrichten. Rauchen in Einraumkneipen ist erlaubt. In Discotheken darf nur in vollständig abgetrennten Nebenräumen ohne Tanzfläche gequalmt werden, wenn sie nicht von Jugendlichen besucht werden. Das Rauchen in Festzelten ist erlaubt.
Bayern
Seit August 2010 ist Qualmen in Gaststätten, Kneipen und Bierzelten ausnahmslos verboten. Auf dem Oktoberfest durfte 2010 noch geraucht werden.
Berlin
Rauchen ist nur in abgetrennten Raucherräumen von Restaurants und Kneipen erlaubt sowie in Kneipen, die kleiner als 75 Quadratmeter sind. Clubs und Discotheken, die auch von unter 18-Jährigen besucht werden, müssen rauchfrei sein. Wenn nur Erwachsene Zutritt haben, dürfen separate Raucherräume eingerichtet werden. In Schischa(Wasserpfeifen)-Gaststätten ohne Alkoholausschank darf geraucht werden, wenn Minderjährige draußen bleiben.
Brandenburg
In Brandenburg darf geraucht werden, wenn die Gastfläche nicht größer als 75 Quadratmeter ist, kein abgetrennter Nebenraum existiert und keine zubereiteten Speisen angeboten werden. Das Lokal muss als Rauchergaststätte gekennzeichnet sein. Bei größeren Einheiten darf ein Raum für Raucher abgetrennt werden.
Bremen
In Gaststätten und Discotheken sind separate Raucherräume erlaubt, wenn Minderjährige keinen Zutritt haben. In Einraumgaststätten bis 75 Quadratmeter darf geraucht werden, wenn sie als Raucherkneipe gekennzeichnet sind und unter 18-Jährige keinen Zutritt haben. In Festzelten, auf Jahrmärkten und Volksfesten müssen Nichtraucher den blauen Dunst ertragen.
Hamburg
Qualmen war in Kneipen, Restaurants und Discotheken komplett verboten, wenn dort Essen angeboten wurde. Doch nun hat das Verfassungsgericht entschieden: In Hamburg darf in Restaurants unter bestimmten Umständen wieder geraucht werden. Restaurants muss die Einrichtung abgetrennter Raucherräume erlaubt werden. Gaststätten, in denen es kein Essen gibt, können ohnehin separate Raucherräume einrichten. In Lokalen ohne Essensangebot, die nur einen Raum und eine Gastfläche von weniger als 75 Quadratmeter haben, kann Rauchen erlaubt sein, wenn unter 18-Jährige keinen Zutritt haben.
Hessen
In Einraumkneipen darf gequalmt werden, in größeren Gaststätten und Discotheken nur in Nebenräumen. In Festzelten, die nur vorübergehend betrieben werden, gilt das gesetzliche Rauchverbot nicht.
Mecklenburg-Vorpommern
Tabakqualm ist in Kneipen und Restaurants nur in separaten Nebenräumen erlaubt. Für Einraumkneipen gelten Ausnahmen. In Discotheken darf generell nicht geraucht werden.
Niedersachsen
In Restaurants, Kneipen und Discotheken ist das Rauchen nur in abgetrennten Räumen erlaubt. In Einraumkneipen darf geraucht werden, wenn dort kein Essen serviert wird. Die Kneipe muss als Rauchergaststätte gekennzeichnet werden, Jugendliche unter 18 Jahren haben keinen Zutritt.
Nordrhein-Westfalen
Rauchen ist in Einraumgaststätten erlaubt, die nicht größer als 75 Quadratmeter sind. Sie müssen als Raucherkneipen gekennzeichnet sein, Jugendliche unter 18 Jahren dürfen keinen Zutritt haben, und in solchen Kneipen dürfen keine zubereiteten Speisen serviert werden. In Discotheken darf nur in abgetrennten Räumen gequalmt werden.
Rheinland-Pfalz
In Gaststätten und Discotheken können Nebenräume als Raucherräume deklariert werden. Die Gäste von Einraumgaststätten unter 75 Quadratmetern dürfen qualmen. Vorübergehend aufgestellte Festzelte müssen nicht rauchfrei sein.
Saarland
Der blaue Dunst ist derzeit nur in separaten Nebenräumen, in einer inhabergeführten Gaststätte oder einer Gaststätte mit einem Schankraum unter 75 Quadratmetern ohne Speisenangebot erlaubt. Nach einem neuen Gesetz soll das Rauchen bald in allen Gastronomiebetrieben grundsätzlich verboten sein.
Sachsen
Kneipen können einen separaten Raucherraum einrichten. Außerdem dürfen Einraumgaststätten, Spielhallen und Discotheken ihren Gästen das Qualmen erlauben, wenn Minderjährige keinen Zutritt haben. Zulässig ist das Rauchen außerdem bei geschlossenen Gesellschaften wie bei Familienfeiern.
Sachsen-Anhalt
Gaststätten können einen Raucherraum einrichten, Jugendliche dürfen diesen nicht betreten. In Einraumkneipen darf gequalmt werden, in Nebenräumen von Discotheken nur, wenn Minderjährige generell keinen Zutritt haben.
Schleswig-Holstein
Gequalmt wird in Einraumkneipen und in Nebenräumen von Gaststätten. In diese Nebenräume dürfen nur Erwachsene. Vorübergehend aufgestellte Festzelte sind vom Rauchverbot ausgenommen.
Thüringen
Thüringen hat sein Nichtraucherschutzgesetz abgeschwächt. Damit darf in Einraumkneipen wieder offiziell geraucht werden. In größeren Gaststätten ist der Griff zum Glimmstängel nur in separaten Raucherräumen erlaubt. (Quellen: dpa/DAPD)


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