Von Magdalena Hamm
"Bitte unterzeichnet alle diese Petition!" Die Betreiber der Internetseite e-rauchen-forum.de machen sich große Sorgen, dass ihr liebstes Laster, das Paffen von elektronischen Zigaretten, bald verboten werden könnte. Die EU-Kommission erwägt nämlich, E-Zigaretten in die überarbeitete Fassung der Tabakproduktrichtlinie aufzunehmen - oder sie alternativ als Medizinprodukt einzustufen.
In beiden Fällen droht der Hightech-Droge eine strenge Prüfung und womöglich das Ende des legalen Konsums. Die Petition "Freedom of Choice for Smokers" will dagegen vorgehen, 3000 Menschen haben schon unterzeichnet.
Noch ist die gesetzliche Regulierung auf EU-Ebene uneinheitlich und bisweilen schwammig. In Deutschland ist der Vertrieb von E-Zigaretten theoretisch verboten, weil es sich um ein ungeprüftes Produkt handelt. Praktisch können sich E-Raucher aber im Internet eindecken - dort bieten zahlreiche Händler ihre Modelle feil, geahndet wird das bisher nicht. Der reine Konsum ist legal.
Drei Zutaten braucht es für den elektrischen Dunst: Eine Kartusche mit Nikotinlösung, einen elektrisch betriebenen Verdampfer und einen aufladbaren Akku (siehe Grafik). Zieht man am Mundstück, springt das kleine Gerät an und erhitzt die Flüssigkeit, der entstehende Dampf wird inhaliert und tritt beim Ausatmen als weißes Wölkchen aus dem Mund - er stinkt nicht und sticht auch nicht in den Augen.
Mittlerweile sieht die E-Zigarette ihrer analogen Schwester zum Verwechseln ähnlich, ein glimmendes LED-Lämpchen simuliert sogar die abbrennende Glut (siehe Grafik unten).
Vertrieb verboten, "dampfen" legal
Erfunden wurde die elektronische Zigarette schon vor gut zehn Jahren in China. In Europa ist sie erst Mitte dieses Jahrzehnts aufgetaucht, ihre Popularität nimmt seitdem stetig zu. Zwar gibt es keine Erhebung darüber, wie viele Menschen tatsächlich "dampfen", einer Studie der Harvard Medical School zufolge hat die Suchhäufigkeit des Begriffs "electronic cigarettes" bei Google in den vergangenen zwei Jahren aber um 5000 Prozent zugenommen. Auf der deutschen Website des E-Rauchen-Forums haben sich mehr als 4600 User registriert.
Auf manchen Web-Seiten wird die E-Zigarette als "gesunde Alternative zum Rauchen" oder als "Ausweg aus der Nikotinsucht" beworben. Bisher wurden jedoch weder die potentiellen Gesundheitsfolgen hinreichend erforscht noch ein wissenschaftlicher Beweis geliefert, dass sich E-Zigaretten besser zur Rauchentwöhnung eignen als etwa Nikotinpflaster oder -kaugummis.
Im direkten Vergleich könnten E-Zigaretten tatsächlich weniger Schaden anrichten als normale Zigaretten. Mit ihnen nimmt der Konsument nur das reine Nikotin auf, ohne die krebserregenden Stoffe einzuatmen, die beim Verbrennen von Tabak entstehen. Gleichwohl ist Nikotin ein Nervengift, das bei einer Überdosis zu schweren Schäden führen kann und natürlich abhängig macht. Gesund ist das Dampfen in keinem Fall.
Es fehlen Qualitätskontrollen
Zudem unterliegen die Hersteller von E-Zigaretten keinerlei verbindlichen Qualitätskontrollen. In einer aktuellen Studie, die kalifornische Wissenschaftler kürzlich im Fachmagazin "Tobacco Control" veröffentlicht haben, wurden erhebliche Mängel bei der Verarbeitung und Beschriftung von Produkten sechs unterschiedlicher Marken aufgezeigt.
Demnach laufen die Kartuschen mit der Nikotinlösung leicht aus, Hautkontakt ließe sich kaum vermeiden. Auch gebrauchte Kartuschen enthielten noch Nikotin, sollten Kinder die Behälter fälschlicherweise in die Finger bekommen, könnten sie sich vergiften. Die Studienautoren empfehlen ein Verbot der E-Zigarette, bis einheitliche Sicherheitsstandards eingeführt wurden.
Es gibt keine Garantie dafür, dass der Inhalt hält was die Verpackung verspricht. Die amerikanische Arzneimittelzulassungsbehörde FDA hat zwei Modelle mit unterschiedlichen Kartuschen chemisch analysiert. Die zu verdampfende Flüssigkeit besteht bis zu 90 Prozent aus Propylenglykol, das für den Nebeleffekt sorgt. Daneben fand die FDA Nikotinkonzentrationen, die von den Angaben der Hersteller abwichen. Zum Beispiel enthielten selbst die Kartuschen Nikotin, die mit null Milligramm ausgezeichnet waren und damit ausschließlich den Raucheffekt simulieren sollten.
Zudem fanden sie auch geringe Mengen von Giftstoffen, die typischerweise in Tabak zu finden sind, etwa krebserregende Nitrosamine. Dabei handelt es sich möglicherweise um Verunreinigungen im Nikotin, das aus Tabak gewonnen wird.
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