Kanada Pharmakonzern ruft Schweinegrippe-Impfstoff zurück

Der Pharmakonzern GlaxoSmithKline hat in Kanada eine Charge seines Schweinegrippe-Impfstoffs zurückgerufen. Grund ist der Verdacht auf eine Häufung schwerer Allergien. Den Impfstoff in Deutschland betreffe das nicht, sagt die Firma.


London - In Kanada wird mit dem Impfstoff Arepanrix gegen Schweinegrippe geimpft. Nach Angaben der Herstellerfirma GlaxoSmithKline (GSK) ist er "sehr ähnlich, aber nicht identisch" mit dem Impfstoff Pandemrix, der bei der Immunisierung der deutschen Bevölkerung - Schwangere sowie einige Beamte und Soldaten ausgenommen - zum Einsatz kommt. Nun gibt es Berichte darüber, dass bei einem Teil des kanadischen Arepanrix-Impfstoffs überdurchschnittlich viele Anaphylaxien aufgetreten sein könnten. Das sind Überreaktionen des Immunsystems, die im schlimmsten Fall bis zum tödlichen Kreislaufversagen, dem anaphylaktischen Schock, reichen können.

Mediziner seien angewiesen worden, Dosen aus der betroffenen Charge mit der Kennung A80CA007A nicht zu verwenden, teilte GSK mit. Firmensprecherin Gwenan White sagte, ihre Firma habe die kanadischen Gesundheitsbehörden schon am 18. November informiert. Insgesamt seien 7,5 Millionen Impfdosen an die kanadischen Behörden geliefert worden. Möglicherweise betroffen sei nun eine Charge von insgesamt 172.000 Einheiten. Wie viele davon möglicherweise schon benutzt wurden, sagte Firmensprecherin White nicht.

Von einer Häufung der Allergiefälle nach Impfungen in Kanada berichtete zeitgleich auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO). "Wir müssen verstehen, was in Kanada passiert ist", sagte WHO-Sprecher Thomas Abraham. Es bleibe aber einstweilen bei der grundsätzlichen Einschätzung seiner Organisation zu den möglichen Risiken der Impfung. Auf Grundlage der Daten aus 16 Ländern, in denen insgesamt 65 Millionen Menschen geimpft worden seien, zeige sich eine geringe Zahl von Nebenwirkungen. Statistisch gesehen träten sie bei einer von 10.000 Impfungen auf. Von den registrierten Nebenwirkungen wiederum seien etwa fünf Prozent schwer bis tödlich, sagte Abraham.

"Der Rückruf in Kanada hat keine Auswirkungen auf Deutschland", betont GSK-Sprecher Markus Hardenbicker auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Seine Firma habe "höchste Qualitätsstandards bei der Produktion". Die in Deutschland gemeldeten Nebenwirkungen und ihre Anzahl lägen im erwartbaren Maß. Auch die europäische Zulassungsbehörde Emea habe am 20. November erneut die Sicherheit von Pandemrix bestätigt.

chs/AP/AFP



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