"Katrina"-Spätfolgen Infarktrisiko in New Orleans noch heute verdreifacht

Der Hurrikan "Katrina" liegt fast sechs Jahre zurück - und beeinträchtigt die Gesundheit der Menschen noch immer. In New Orleans liegt das Herzinfarktrisiko dreimal höher als vor der Katastrophe. Ärzte sind überrascht: Sie hatten längst mit einer Normalisierung der Lage gerechnet.

AFP

Als der Hurrikan "Katrina" im August 2005 New Orleans traf, wurden große Teile der Stadt geflutet, Tausende Menschen mussten aus ihren zerstörten Häusern fliehen. Bis heute hat sich die Metropole im US-Bundesstaat Louisiana nicht vollständig von der Naturkatastrophe erholt: Sie beeinträchtigt weiterhin die Gesundheit der Einwohner, wie eine Studie ergeben hat.

Anand Irimpen, Kardiologe der Southeast Louisiana Veterans Health Care Systems, hat Daten des Tulane University Hospitals in New Orleans ausgewertet. Dabei stellte er fest, dass der Anteil der Herzinfarktpatienten vier Jahre nach dem Hurrikan dreimal so hoch war wie vor der Katastrophe. 2003 wurden 150 von 21.230 Patienten mit einem Herzinfarkt eingeliefert worden, 2009 waren es 629 von 29.230, berichtete Irimpen auf einem Forschertreffen des American College of Cardiology. Das entspricht einer Steigerung von 0,7 auf 2,2 Prozent.

Ähnliche Zahlen hatte der Mediziner bereits 2007, also zwei Jahre nach "Katrina", präsentiert. Dass das Risiko weiterhin hoch ist, überrascht den Mediziner und seine Kollegen: "Wir hatten eigentlich erwartet, dass nach vier Jahren ein Abwärtstrend einsetzt."

Ständiges Leben in improvisierten Unterkünften

Die klassischen Risikofaktoren für einen Infarkt - Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht - scheinen dabei kaum eine Rolle zu spielen. Dass sich die Lebenssituation vieler Bürger seit dem Hurrikan kaum verbessert hat, sieht der Kardiologe dagegen als eine der Hauptursachen für die gleichbleibend hohe Infarktrate. "Viele Patienten konnten noch immer nicht in die Häuser zurückkehren, die sie vor dem Hurrikan bewohnt haben. Sie leben in Unterkünften, die sie nicht ihr Eigen nennen - bei Verwandten oder in improvisierten Siedlungen", sagte Irimpen. "Sie haben keine neue Anstellung gefunden und sind nervlich zu sehr belastet, um sich um ihre Gesundheit zu kümmern."

Stattdessen steige das Risiko, dass sie rauchen und Alkohol oder Drogen konsumieren. Auch der Anteil der Patienten ohne Krankenversicherung sei nach "Katrina" gestiegen, hatten die Ärzte festgestellt.

Psychische Leiden wie Depressionen und Angststörungen seien eine weitere mögliche Ursache für die höhere Zahl der Herzinfarkte. Irimpen betont, man solle mehr auf die Opfer von Naturkatastrophen achten, da die Folgen solcher Ereignisse sonst auch nach sehr langer Zeit zu spüren seien - und eventuell sogar an die folgende Generation weitergegeben würden. Er schlägt vor, nach Naturkatastrophen mobile Apotheken und Trainingsräume aufzustellen, damit sich die Betroffenen weiterhin um ihre Gesundheit kümmern können.

wbr

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steinegger,h. 04.04.2011
1. Katarina-Spätfolgen
Diese Spätfolgen sind ein Phänomen, das ich auch in meiner Praxis (HP f. Psychotherapie) immer wieder feststellen muß. Hier bei uns ist der 2. Weltkrieg noch nicht abgeschlossen. Ich habe immer wieder Patienten, die mit massiven Angststörungen und Panikattacken, bedingt durch traumatische Erlebnisse, v.a. Hamburg, Dresden, Heilbronn (Bombardements v.a. mit Brandbomben)heute zu kämpfen haben. Dazwischen liegen über 65 Jahr!, also sind 6 Jahre noch gar keine Zeit, in der man mit irgendwelchen Änderungen oder gar Besserungen rechnen sollte.
ugt 04.04.2011
2. Ich höre sie noch nach 30 Jahren
Zitat von steinegger,h.Diese Spätfolgen sind ein Phänomen, das ich auch in meiner Praxis (HP f. Psychotherapie) immer wieder feststellen muß. Hier bei uns ist der 2. Weltkrieg noch nicht abgeschlossen. Ich habe immer wieder Patienten, die mit massiven Angststörungen und Panikattacken, bedingt durch traumatische Erlebnisse, v.a. Hamburg, Dresden, Heilbronn (Bombardements v.a. mit Brandbomben)heute zu kämpfen haben. Dazwischen liegen über 65 Jahr!, also sind 6 Jahre noch gar keine Zeit, in der man mit irgendwelchen Änderungen oder gar Besserungen rechnen sollte.
... das hatte mir mein Grossvater mal erzählt. Er war Soldat in Frankreich und war wohl bei einer MG Besatzung.
firem 05.04.2011
3. Na, wenn das wissenschaftliche Statistik sein soll...
Kann genauso gut daran liegen, dass andere Kliniken nicht mehr funktionieren (durch die Flut) und deshalb die kollabierten Menschen von den Rettungssanitätern in diese Klinik eingeliefert werden. Statt zu recherchieren, wird dann wieder eine Vermutung von einem Journalisten zur Gewissheit aufgeblasen. Seriöse wäre nur eine Statistik, die sämtliche Infarktpatienten in New Orleans vor und nach der Flut vergleicht. Aber so ist das reinster Dummenfang und eine Beleidigung der Leser des SPON. Der offenbar von der Redaktion für ein intellektuell minderbemitteltes Wesen angesehen wird.
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