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Kinder-Impfstudie in Argentinien: Richter verurteilt GlaxoSmithKline zu Geldstrafe

Wegen Ungereimtheiten bei einer klinischen Studie in Argentinien muss GlaxoSmithKline ein Bußgeld bezahlen. Der Konzern hatte einen Impfstoff an Kindern getestet - teilweise ohne gültige Einverständniserklärung der Familien. Jetzt will das Unternehmen in Berufung gehen.

GSK-Hauptsitz in London: Strafe für zwielichtige Einverständniserklärungen Zur Großansicht
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GSK-Hauptsitz in London: Strafe für zwielichtige Einverständniserklärungen

Buenos Aires - Ein argentinisches Gericht hat den britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) zu einer Zahlung von einer Million Pesos (180.000 Euro) verurteilt. Das Urteil geht auf eine klinische Studie des Herstellers zurück, bei der der Impfstoff Synflorix getestet wurde und an der Kinder unter fünf Jahren teilgenommen hatten. Bei der Durchführung der Studie waren "Unregelmäßigkeiten bei der Einverständniserklärung der Eltern" festgestellt worden, heißt es im Urteilsspruch des Richters Marcelo Aguinsky.

Die Erklärungen seien von minderjährigen Eltern, von Großeltern ohne entsprechendes Sorgerecht und auch von Analphabeten unterschrieben worden, die nicht verstanden hatten, dass ihre Kinder an einer Studie teilnehmen würden. Der Fall hatte in Argentinien Aufsehen erregt, weil 14 Babys aus armen Familien starben, die zwischen 2007 und 2008 an den Studien von GSK für den Impfstoff gegen Lungenentzündung und akute Ohrenentzündung teilgenommen hatten. Insgesamt waren 14.000 Kinder aus den Provinzen Santiago del Estero, Mendoza and San Juanan an der Studie beteiligt.

Kein Zusammenhang mit den Todesfällen

Außer dem Konzern wurden die beiden Studienleiter, die bei GSK unter Vertrag standen, zu einer Geldstrafe verurteilt. Am Dienstag teilte GSK mit, das Unternehmen werde Berufung gegen das Urteil einlegen. In einer am Dienstag veröffentlichten Erklärung heißt es, die Sicherheit des Impfstoffs werde durch das Urteil nicht in Frage gestellt. Auch die Nationale Verwaltung für Lebensmittel, Medikamente und Technologie in Argentinien (Anmat) veröffentlichte am Dienstag eine Erklärung, dass der entwickelte Impfstoff "sicher" sei. Anmat zufolge hatten alle 14 verstorbenen Babys nicht den Wirkstoff, sondern ein Placebo erhalten, also ein Scheinmedikament.

Nach Angaben der staatlichen Medikamentenaufsicht Anmat hatte es jedoch Unregelmäßigkeiten dabei gegeben, das Einverständnis der Familien der Kinder einzuholen, weshalb ein Bußgeld verhängt worden war. Dagegen war GSK vorgegangen, doch der Richter Aguinsky bestätigte nun die Strafzahlung.

Im August 2009 hatte Anmat den Impfstoff in Argentinien zugelassen. Nach Angaben von GSK sind seit 2009 weltweit mehr als 50 Millionen Impfdosen an Kinder in über 100 Ländern verteilt worden.

Laut einem Bericht der argentinischen Tageszeitung "Página 12" fordert nun die Federación de Profesionales de la Salud de la Argentina (Fesprosa) ein Gesetz zur Regelung der biomedizinischen Forschung. Die strafrechtliche Verantwortlichkeit, von Fachleuten und Unternehmen, ethisch zu handeln, müsse darin kontrolliert werden. "Das Urteil ist wichtig, aber unzureichend", sagte Jorge Yabkowski, Vorsitzender der Fesprosa, einer ärztlichen Gewerkschaftervereinigung, die jene Familien unterstützt hatte, die Klage erhoben hatten. Die Strafen seien lediglich administrative Sanktionen für den Konzern, beschwerte sich Yabkowski. Sie hätten keinerlei strafrechtliche Konsequenzen.

cib/dpa/AP

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1. -
zukunft007 04.01.2012
Anmat zufolge hatten alle 14 verstorbenen Babys nicht den Wirkstoff, sondern ein Placebo erhalten, also ein Scheinmedikament. Genau dies ist ja das Dilemma. Impfstudien arbeiten bei der Kontrollgruppe nicht mit einem Placebo,sondern das angebliche Placebo sind die Adjuvantien,die auch in den anderen Impfstoffen enthalten sind.Thiomersal,Formaldehyd,Aluminiumhydroxid,etc. Und warum sollen diese keine Wirkung haben?
2. Immer dieselbe Masche....
montaxx 04.01.2012
Zitat von sysopWegen Ungereimtheiten bei einer klinischen Studie in Argentinien muss GlaxoSmithKline ein Bußgeld bezahlen. Der Konzern hatte einen Impfstoff an Kindern getestet - teilweise ohne gültige Einverständniserklärung der Familien. Jetzt will das Unternehmen in Berufung gehen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,807111,00.html
Es ist immer dieselbe Masche: Für medizinische Tests wählt man immer Länder aus,in denen es möglichst arme Menschen gibt,die sich im Schadensfall vermutlich nicht wehren (können).Und wenn einmal reiche Länder ausgewählt werden,dann "benutzt" man auch dort eher Wehrlose,etwa in den USA Gefängnissinsassen für diese Versuchsreihen. Ich frage mich,wann diese Pharmakonzerne mal ihre Tests mit der oberen Mittel- oder der Oberschicht machen.Es gäbe da doch Kinder von Professoren,Ingenieuren oder Unternehmern.... Diese Gruppen sind doch später dann ebenso Nutznießer dieser Präparate...
3. --
zukunft007 04.01.2012
Zitat von montaxxEs ist immer dieselbe Masche: Für medizinische Tests wählt man immer Länder aus,in denen es möglichst arme Menschen gibt,die sich im Schadensfall vermutlich nicht wehren (können).Und wenn einmal reiche Länder ausgewählt werden,dann "benutzt" man auch dort eher Wehrlose,etwa in den USA Gefängnissinsassen für diese Versuchsreihen. Ich frage mich,wann diese Pharmakonzerne mal ihre Tests mit der oberen Mittel- oder der Oberschicht machen.Es gäbe da doch Kinder von Professoren,Ingenieuren oder Unternehmern.... Diese Gruppen sind doch später dann ebenso Nutznießer dieser Präparate...
nicht nur im Ausland.Auch die USA haben im Inland noch ihre Versuchspersonen. Nur ein keliner Blick http://www.freitag.de/2004/12/04121801.php Wo ist der Geist Albert Einsteins: "Das Wichtige ist, nicht mit dem Fragen aufzuhören."
4. Selbst wenn das so sein sollte..
Rosmarinus 04.01.2012
Zitat von zukunft007Anmat zufolge hatten alle 14 verstorbenen Babys nicht den Wirkstoff, sondern ein Placebo erhalten, also ein Scheinmedikament. Genau dies ist ja das Dilemma. Impfstudien arbeiten bei der Kontrollgruppe nicht mit einem Placebo,sondern das angebliche Placebo sind die Adjuvantien,die auch in den anderen Impfstoffen enthalten sind.Thiomersal,Formaldehyd,Aluminiumhydroxid,etc. Und warum sollen diese keine Wirkung haben?
Na, offenbar hatten sie dann ja wohl keine Wirkung, wenn der Impfstoff mit dabei war. Aber mal Butter bei die Fische: Wissen Sie, wieviele dieser Beistoffe in einer Impfdosis enthalten sind und wie sich das vergleicht zu anderen Wegen, auf denen diese Substanzen in den menschlichen Körper gelangen? Welche Hinweise haben Sie, dass diese Beistoffe in der in Impfstoffen verwendeten Konzentration und bei einmaliger oder selteneber Gabe schädlich sind?
5. Hätten Sier da...
Rosmarinus 04.01.2012
Zitat von montaxxEs ist immer dieselbe Masche: Für medizinische Tests wählt man immer Länder aus,in denen es möglichst arme Menschen gibt,die sich im Schadensfall vermutlich nicht wehren (können).Und wenn einmal reiche Länder ausgewählt werden,dann "benutzt" man auch dort eher Wehrlose,etwa in den USA Gefängnissinsassen für diese Versuchsreihen. Ich frage mich,wann diese Pharmakonzerne mal ihre Tests mit der oberen Mittel- oder der Oberschicht machen.Es gäbe da doch Kinder von Professoren,Ingenieuren oder Unternehmern.... Diese Gruppen sind doch später dann ebenso Nutznießer dieser Präparate...
...vielleicht eine Quelle, die das belegt? Das würde Ihrer Behauptung ein wenig mehr Brisanz geben.
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