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Kinderwunsch: Fünf Millionen Babys nach künstlicher Befruchtung geboren

Was tun, wenn's nicht klappen will mit der Schwangerschaft? Vor mehr als 30 Jahren gelang erstmals die künstliche Befruchtung einer menschlichen Eizelle. Inzwischen haben weltweit rund fünf Millionen Retortenbabys das Licht der Welt erblickt.

Befruchtung einer Eizelle: "Ein Meilenstein, der all dies rechtfertigt" Zur Großansicht
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Befruchtung einer Eizelle: "Ein Meilenstein, der all dies rechtfertigt"

Istanbul - Die Britin Louise Brown war vor 33 Jahren die erste - seither sind weltweit rund fünf Millionen Retortenbabys zur Welt gekommen. Diese auf Schätzungen beruhende Zahl hat die Europäische Gesellschaft für Reproduktionsmedizin (ESHRE) am Sonntag auf ihrem 28. Jahreskongress in Istanbul bekanntgegeben.

Zwar habe es seit damals viele rechtliche, moralische und auch ethische Auseinandersetzungen gegeben, sagte die spanische Ärztin und ESHRE-Vorsitzende Anna Veiga. "Die Fünf-Millionen-Marke ist aber ein Meilenstein, der all dies rechtfertigt." Zugleich sei die Zahl ein Zeugnis der Arbeit vieler Wissenschaftler und Mediziner sowie der Beweis des Vertrauens vieler Patienten in die Methode. 2010 hatte der britische Forscher Robert Edwards den Nobelpreis für Medizin für die Entwicklung der künstlichen Befruchtung bekommen.

Die Statistik beweise, dass diese Behandlung bei Fortpflanzungsproblemen extrem erfolgreich sei, erklärte der US-Mediziner David Adamson. Angesichts der Kosten könne aber nicht jeder darauf zurückgreifen. In manchen Ländern gebe es zudem gesellschaftliche Barrieren. Außerdem gebe es noch Raum für Verbesserungen, hieß es mit Blick auf riskante Mehrlingsschwangerschaften.

Die in Istanbul vorgelegten Zahlen basieren auf den weltweiten Geburten nach zwei besonders häufig angewandten Verfahren. Die eine ist die In-vitro-Fertilisation (IVF), wie sie bei der Mutter von Louise Brown angewandt wurde. Dabei werden die gereiften Eizellen abgesaugt, im Labor von den Samenzellen des Mannes befruchtet und der entstehende Embryo in die Gebärmutter der Frau eingepflanzt.

Die andere ist die Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI), die bei Fruchtbarkeitsproblemen des Mannes zum Einsatz kommt. Der Ablauf ist zunächst derselbe wie bei der IVF, zur Befruchtung wird aber eine Samenzelle unter einem Mikroskop in die Eizelle gespritzt.

Die künstliche Befruchtung hilft nicht nur kinderlosen Paaren - längst ist sie auch zum Geschäft mit der Hoffnung geworden. Die Methode hat andere, ebenfalls ethisch bedenkliche Verfahren möglich gemacht, wie die Isolierung und Vermehrung embryonaler Stammzellen, von deren Ressourcen Wissenschaftler fasziniert sind. Mit ihrer Hilfe könnte man eine Reihe von Krankheiten heilen, weil sie eine unerschöpfliche Quelle bieten, um daraus funktionierendes Ersatzgewebe zu schaffen - so zumindest die Vision der Mediziner.

hda/dpa

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insgesamt 21 Beiträge
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1. Pro Sekunde nimmt die Weltbevölkerung um ca. 2.5 Menschen zu,
cassandros 02.07.2012
Zitat von sysopDPAWas tun, wenn's nicht klappen will mit der Schwangerschaft? Vor mehr als 30 Jahren gelang erstmals die künstliche Befruchtung einer menschlichen Eizelle. Inzwischen haben weltweit rund fünf Millionen Retortenbabys das Licht der Welt erblickt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,842049,00.html
Eine Notfallrettungsmaßnahme für die vom Aussterben bedrohte Art Homo sapiens. Zeit-, Geld- und Energieverschwendung in Reinkultur! - Momentan aktuelle Weltbevlkerung - Erdvlkerungs-Zhler - Umrechnung.org (http://www.umrechnung.org/weltbevoelkerung-aktuelle-momentane/weltbevoelkerungs-zaehler.htm)
2. Kinderwunsch?
Niamey 02.07.2012
Zitat von sysopDPAWas tun, wenn's nicht klappen will mit der Schwangerschaft? Vor mehr als 30 Jahren gelang erstmals die künstliche Befruchtung einer menschlichen Eizelle. Inzwischen haben weltweit rund fünf Millionen Retortenbabys das Licht der Welt erblickt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,842049,00.html
Als hätten wir das nötig auf einem Planeten auf dem es mehr notleidende Kinder gibt als sich irgend jemand wünschen möchte. Und da es nicht genügend davon gibt, müssen wir Gott spielen und noch mehr Kinder in die Welt setzen. Adoptiert Kinder aus Ländern wo sie sonst elend verhungern und verkommen und seid nicht solche dre... Egoisten! BVielleicht lösen wir so wenigstens ein großes Problem dieser Erde!
3. Informieren Sie sich bitte erstmal, bevor Sie hier unnötig Menschen angreifen
lilli80 02.07.2012
Niamey, Sie sollten sich bitte erst einmal informieren. Lesen Sie mal die Haagener Konvention. Nach dieser sind Auslandsadoptionen faktisch unmöglich geworden und nur unter ganz bestimmten Ausnahmesituationen zulässig (z. B. bei schwer behinderten Kindern). Die meisten Unfruchtbaren würden gerne Kinder adoptieren! Nur macht die EU das leider fast unmöglich. Letztlich bleibt deshalb nur die kostspielige und körperlich anstrengende künstliche Befruchtung. Davon abgesehen zahlen Kinder in der dritten Welt nicht später Ihre Rente... Aber lassen wir das. Ich möchte Sie aber trotzdem im Namen der Betroffenen um einen sachlicheren Ton in der Debatte bitten. Unfruchtbarkeit trotz großer Kinderliebe ist kein einfaches Schicksal.
4. Zynismus
achso123 02.07.2012
Zitat von cassandrosEine Notfallrettungsmaßnahme für die vom Aussterben bedrohte Art Homo sapiens. Zeit-, Geld- und Energieverschwendung in Reinkultur! - Momentan aktuelle Weltbevlkerung - Erdvlkerungs-Zhler - Umrechnung.org (http://www.umrechnung.org/weltbevoelkerung-aktuelle-momentane/weltbevoelkerungs-zaehler.htm)
Was für ein zynisches Argument. Damit kann man eigentlich sämtliche medizinischen Leistungen einstellen: wenn jemand somit vorzeitig stirbt, reduziert er/sie die Überbevölkerung. ... mal abgesehen davon: In Deutschland gibt es zu wenig Kinder, nicht zu viele.
5. Adoption
akinaki 02.07.2012
Ich kann lilli80 nur zustimmen. Viele ungewollt kinderlose Menschen würden gerne adoptieren, aber es wird ihnen durch die rechtliche Lage sehr schwer oder unmöglich gemacht, sowohl innerhalb von Deutschland als auch bezüglich Auslandsadoptionen. Vielen ist es nämlich wirklich total egal, ob sie mit ihrem Kind biologisch verwandt sind oder nicht. Für solche Paare oder Einzelpersonen gibt es daher eigentlich kaum Alternativen. Und ein unerfüllter Kinderwunsch ist für manche eine sehr große Belastung.
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Künstliche Befruchtung
In-vitro-Fertilisation
Bei der In-vitro-Fertilisation (IVF), lateinisch für "Befruchtung im Glas", vereinigen sich weibliche Eizellen mit männlichen Spermien im Reagenzglas. Je nachdem, welche Methode angewandt wird, kommt es in 50 bis 70 Prozent der Versuche zur Befruchtung. Zwei bis fünf Tage später werden üblicherweise zwei Embryonen in die Gebärmutter eingepflanzt. Etwa 14 Tage danach verrät ein Schwangerschaftstest, ob die Prozedur erfolgreich war. Unter dem Strich führt die künstliche Befruchtung in 20 bis 40 Prozent der Fälle zu einer Geburt. Mehr auf der Themenseite...
Die Methoden
Die künstliche Befruchtung kann auf unterschiedliche Arten vorgenommen werden:

Klassische In-vitro-Fertilisation (IVF): Zunächst werden durch eine Hormonbehandlung Eizellen im Körper der Frau zum Reifen gebracht und später entnommen. Sie kommen zusammen mit den männlichen Spermien in ein Reagenzglas, wo im Idealfall eine spontane Befruchtung stattfindet.

Intrazytoplasmatische Spermien-Injektion (ICSI): Sind die Spermien in ihrer Beweglichkeit gestört oder nur in geringer Zahl in der Samenflüssigkeit enthalten, kommt die ICSI-Methode zum Einsatz: Ein einzelnes Spermium wird unter dem Mikroskop direkt in die Eizelle injiziert.

Sonderformen der Injektion werden angewandt, wenn es weitere Probleme mit der Spermiengewinnung gibt. Bei einer wird das zu injizierende Spermium zusätzlich anhand seiner äußeren Merkmale ausgesucht. Sind die Samenwege des Mannes verstopft, können Mediziner die Spermien auch direkt aus Hoden oder Nebenhoden gewinnen.
Rechtliche Lage
In Deutschland ist die künstliche Befruchtung rechtlich gestattet, wenn es bei einem Paar ein Jahr lang trotz regelmäßigen Geschlechtsverkehrs nicht zu einer Zeugung gekommen ist. Die In-vitro-Fertilisation macht es auch möglich, befruchtete Eizellen zu spenden oder ein Kind durch eine Leihmutter austragen zu lassen. Beides ist in Deutschland jedoch durch das Embryonenschutzgesetz verboten, während die Samenspende erlaubt ist.
Geschichte
1968 gelang es dem englischen Forscher Robert Geoffrey Edwards zum ersten Mal, im Labor eine menschliche Eizelle zu befruchten. Zehn Jahre später, am 25. Juli 1978, wurde Louise Brown im Oldham General Hospital in Manchester geboren. Sie war das erste Kind, das aus einer künstlichen Befruchtung hervorging. Inzwischen ist das Verfahren medizinischer Standard: 2004 kamen weltweit geschätzte 1,5 Millionen Kinder dank künstlicher Befruchtung zur Welt. Eine "monumentale" Veränderung, fand das schwedische Karolinska-Institut, das Edwards 2010 mit dem Medizin-Nobelpreis auszeichnete.

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Medizin-Nobelpreis 2010: Forschung für den Nachwuchs


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