Fehler im System Misslungene Operationen bringen US-Kliniken mehr Geld

Krankenhäuser in den USA werden für Qualität offenbar nicht belohnt. Eine Studie zeigt, dass die Kliniken an Komplikationen mehr verdienen als an gelungenen Behandlungen. In Deutschland sieht die Situation anders aus.

Operation in US-Klinik: "Verbesserung an Qualität auf perverse Weise bestraft"
Corbis

Operation in US-Klinik: "Verbesserung an Qualität auf perverse Weise bestraft"


Geht bei einer Operation etwas schief, ist das für den Patienten immer von Nachteil. Nicht so für die Krankenhäuser in den USA: Sie verdienen offenbar mehr Geld mit fehlerhaften Operationen als mit solchen ohne Komplikationen, wie eine aktuellen Studie besagt. "Wir haben eindeutige Beweise gefunden, dass die Reduzierung von Schäden und die Verbesserung von Qualität in unserem aktuellen Gesundheitssystem auf perverse Weise bestraft werden", sagte Erstautor Sunil Eappen.

Es sei zwar bereits bekannt gewesen, dass Krankenhäuser nicht für Qualität belohnt würden, erklärte Co-Autor Atul Gawande. Die im "Journal of the American Medical Association" veröffentlichte Studie zeige jetzt aber, wie viel die Kliniken tatsächlich an misslungenen Operationen verdienten. Privatversicherte bescheren ihnen demnach bei Komplikationen um 330 Prozent erhöhte Profite. Das ist pro Patient eine Summe von rund 39.000 Dollar (knapp 30.000 Euro). Bei Patienten, die vom staatlichen Gesundheitsprogramm Medicare profitieren, ist der Wert demnach um 190 Prozent erhöht, was knapp 1800 Dollar pro Patient entspricht.

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Zwar haben die Forscher nach eigenen Angaben auf effektive Methoden zur Reduzierung von Komplikationen hingewiesen, die Kliniken seien jedoch sehr langsam bei der Umsetzung. Dies sei ein klares Zeichen dafür, dass es eine Kostenreform im Gesundheitssystem geben müsse, erklärte Gawande. "Krankenhäuser sollten an der Reduzierung von Schäden verdienen und dadurch nicht noch Geld verlieren."

Deutsches System komplexer

Auf die Situation in Deutschland ließen sich die Ergebnisse aber nicht übertragen, meint Jonas Schreyögg, Leiter des Center for Health Economics an der Universität Hamburg. In Deutschland zählen für die Vergütung vor allem die Diagnosen und Prozeduren. Wenn ein Patient mit mehr Co-Diagnosen, also einem höheren Schweregrad ins Krankenhaus aufgenommen wird, dann gibt es mehr Geld.

Je nachdem, welcher Aufnahmeschlüssel vergeben wird, führen auch Komplikationen zu einer höheren Vergütung. Stelle sich ein Drehtüreffekt ein - etwa wenn sich herausstellt, dass ein Patient zu früh entlassen wurde -, müssten die Krankenhäuser in Deutschland Geld zurückzahlen, sagt Schreyögg. Das sei ein Unterschied zum US-amerikanischen System. Außerdem werden in Deutschland die Häuser durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen geprüft, auch hierdurch sei die Vergütungssituation nicht ganz mit Deutschland zu vergleichen.

Die Deutsche Krankenhaus-Gesellschaft (DKG) erklärt SPIEGEL ONLINE, US-Verhältnisse im Gesundheitswesen seien kaum bis gar nicht auf Deutschland übertragbar. Sprecher Moritz Quiske: "In Deutschland gilt: Komplikationen gehen oftmals finanziell zu Lasten des Krankenhauses."

nik/dpa



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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
niska 17.04.2013
1.
Zitat von sysopCorbisKrankenhäuser in den USA werden für Qualität offenbar nicht belohnt. Eine Studie zeigt, dass die Kliniken an Komplikationen mehr verdienen als an gelungenen Behandlungen. In Deutschland sieht die Situation anders aus. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/kliniken-in-den-usa-verdienen-mehr-mit-fehlerhaften-operationen-a-894910.html
Einen ähnlichen Fehler gibt es bei uns ja auch. Hier profitiert die Pharmaindustrie auch an den Medikamenten mit den meisten Nebenwirkungen, die deshalb weitere Medikamente mit weiteren Nebenwirkungen nötig machen, am meisten. Prinzipiell kann man sagen an gesunden Menschen verdient die Medizinbranche nichts. Je kränker desto besser. Dieses Grundparadoxon lässt sich nicht auflösen solange Geld irgendwie in den Heilungsprozess involviert ist. Das wird immer so sein. Deshalb ist zumindest eine unabhängige Kontrolle und rechtliche Beschränkung vonnöten um die allergröbsten Auswüchse an der Ware 'Patient' zu verhindern.
ottomane1982 17.04.2013
2. typisch amiland
geld verdienen mit dem leid anderer... das ist usa!... das land der unerreichten dreistigkeiten....
eigene_meinung 17.04.2013
3. im Gegenteil
In Deutschland ist es noch viel schlimmer als in den USA. Hier werden die Patienten im Krankenhaus erst richtig krank (Ärztepfusch, Hygienemängel) und Ärzte, Krankenhäuser und die Pharmaindustrie verdienen zusätzlich an den im Krankenhaus erworbenen Krankheiten.
butch82 17.04.2013
4. Nix Neues
Zitat von sysopCorbisKrankenhäuser in den USA werden für Qualität offenbar nicht belohnt. Eine Studie zeigt, dass die Kliniken an Komplikationen mehr verdienen als an gelungenen Behandlungen. In Deutschland sieht die Situation anders aus. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/kliniken-in-den-usa-verdienen-mehr-mit-fehlerhaften-operationen-a-894910.html
Bei uns in Deutschland ist sicherlich auch nicht alles perfekt, aber was in den USA so alles abgeht ist wirklich unglaublich. Wenn wohl auch etwas einseitig dargestellt aber gestern Abend in 3Sat glaub ich in Michael Moore's " Sicko " zu bewundern. Davon sind wir Gott sei Dank noch weit entfernt.
misterpresident75, 17.04.2013
5. Typisch Deutschland...
Zitat von ottomane1982geld verdienen mit dem leid anderer... das ist usa!... das land der unerreichten dreistigkeiten....
einfach mal einen völlig überflüssigen und dummen Kommentar raushauen. Preisfrage: Womit verdient die Medizin ihr Geld? Richtig: Mit Kranken (Krankheiten). Und das auf der gaaaaaanzen Welt. Echt unverschämt.
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