Forderung von Datenschützern: Kliniken sollen Hygienedaten ins Netz stellen

Der Tod mehrerer Frühchen in den vergangenen Monaten hat eine Debatte um die Hygiene in deutschen Kliniken entfacht. Jetzt fordern Datenschützer mehr Transparenz: Kliniken sollten Informationen über Infektionen und Hygienevorgaben im Internet veröffentlichen.

Eine Kolonie des Bakteriums Klebsiella pneumoniae: Infektionsgefahr in der Klinik Zur Großansicht
dapd

Eine Kolonie des Bakteriums Klebsiella pneumoniae: Infektionsgefahr in der Klinik

Mainz - Steht eine Geburt oder eine Operation an, sollten sich Patienten gut informieren und nicht einfach das Krankenhaus um die Ecke aufsuchen. In Zukunft können sie ihr Urteil dabei möglicherweise auf einen weiteren Faktor stützen: Datenschutz- und Informationsbeauftragte von Bund und Ländern forderten bei einer gemeinsamen Konferenz in Mainz, dass Krankenhäuser ihre Patienten künftig im Internet verpflichtend über Hygienemaßnahmen informieren. Grundlage soll demnach eine standardisierte Melde- und Veröffentlichungspflicht für Hygienedaten sein.

Patienten sollten online etwa über Hygienevorgaben der Kliniken, die Zahl der Infektionsfälle und den Verbrauch von Desinfektionsmitteln aufgeklärt werden, sagte der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar. Ziel sei, dass sie Krankenhäuser besser miteinander vergleichen könnten. "Transparenz führt ziemlich direkt zu verbesserter Krankenhaushygiene, das ist unsere Vorstellung dabei", argumentierte der Datenschutzexperte. Zugleich werde das Vertrauen der Bevölkerung in das Gesundheitssystem gestärkt.

Bundesweit infizieren sich jährlich 500.000 bis 600.000 Patienten in Praxen und Kliniken, berichtete der Landesbeauftragte in Rheinland-Pfalz, Edgar Wagner. 15.000 der Patienten stürben deswegen. Die mangelnde Hygiene in deutschen Kliniken sei daher ein "gewichtiges Problem", dem mit mehr Transparenz begegnet werden müsse. Im Oktober hatte der Tod eines Frühchen in Berlin die Debatte um Klinikhygienezusätzlich befeuert. Allerdings zeigte sich im Nachhinein, dass das Frühchen wahrscheinlich eines natürlichen Todes gestorben war und nicht wie ursprünglich angenommen an den Folgen einer Infektion mit Darmkeimen.

Auch Krankenkassen wollen Kliniken hinsichtlich ihrer Qualität zu mehr Transparenz verpflichten: In einem Positionspapier über die Behandlungsqualität in Krankenhäusern und Arztpraxen kamen sie zu dem Schluss, dass Patienten nicht immer automatisch darauf vertrauen können, die bestmögliche Behandlung zu erhalten. Stattdessen sollten Kliniken Versicherten ermöglichen, sich besser über die Qualität medizinischer Leistungen informieren zu können. Alle Daten der Qualitätssicherung müssten veröffentlicht werden, forderte die Chefin des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), Doris Pfeiffer, im August.

irb/dapd

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