Klinische Studien in Indien: Erst der Test, dann die Moral

Aus Mumbai berichtet Nicola Kuhrt

Indien gilt als Paradies für Pharmakonzerne: Die Ärzte sind gut ausgebildet und trotzdem billig, die Patienten so arm, dass klinische Tests oft die einzige Chance auf Behandlung sind. SPIEGEL ONLINE zeigt in einem Reportage-Special, wie das Land zum globalen Medizin-Versuchsfeld wird.

Polio-Impfung in Mumbai: Medizin ist für viele Inder ein Luxusgut Zur Großansicht
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Polio-Impfung in Mumbai: Medizin ist für viele Inder ein Luxusgut

Mit Medikamenten verdienen Pharmakonzerne Milliarden Dollar - doch die Entwicklung neuer Arzneien ist teuer und steckt voller Risiken. Indien gilt inzwischen als Paradies für klinische Studien: Die Ärzte sind gut ausgebildet, sprechen meist Englisch und sind in der Gesellschaft hoch angesehen. Die Menschen vertrauen ihnen - und viele sind so arm, dass sie an klinischen Versuchen teilnehmen, um überhaupt eine Chance auf medizinische Behandlung zu haben.

Nach Angaben von Experten des Buko-Pharmareports sterben jedes Jahr fast eine Million Inder aufgrund mangelnder gesundheitlicher Versorgung. 700 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu adäquater Behandlung durch Spezialisten, weil 80 Prozent der Fachärzte in Städten leben, 70 Prozent der indischen Bevölkerung dagegen auf dem Land.

Zugleich herrschen in dem Gesundheitssystem Indiens, das sich in Riesenschritten zur Industrienation entwickelt, oft chaotische Zustände - was bei klinischen Studien wiederholt zu Tragödien geführt hat. Allein zwischen 2007 und 2010 sollen 1725 Inder während oder nach einer Arzneimittelstudie gestorben sein, wie eine Untersuchung des indischen Gesundheitsministeriums ergab.

Zudem funktioniert für Indien - anders als in den USA oder Europa - nicht das Prinzip, dass sich wenige Menschen für Tests mit Medikamenten zur Verfügung stellen, die am Ende allen zugute kommen. Medikamente, die an der indischen Bevölkerung getestet werden, sind nach ihrer Zulassung für diese Menschen kaum erhältlich - jedenfalls nicht zu einem erschwinglichen Preis.

SPIEGEL ONLINE hat in Indien mit Ärzten, Vertretern von Pharmakonzernen, Patienten und Journalisten geredet. Klicken Sie die roten Markierungen auf der Karte oder die Links an, um die ganze Reportage zu lesen.

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insgesamt 53 Beiträge
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1. imperialismus
rst2010 09.05.2012
Zitat von sysopIndien gilt als Paradies für Pharmakonzerne: Die Ärzte sind gut ausgebildet und trotzdem billig, die Patienten so arm, dass klinische Tests oft die einzige Chance auf Behandlung sind. SPIEGEL ONLINE zeigt in einem Reportage-Special, wie das Land zum globalen Medizin-Versuchsfeld wird. Klinische Studien: Indien ist Paradies für Pharma-Konzerne - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,832012,00.html)
oder kolonialismus mit anderen mitteln; die inder sind unsere versuchskaninchen für unser wohlergehen.
2. Schimmstes Verbrechen
zaphod1965 09.05.2012
Jedes Vorstandsmitglied eines Pharma-Konzerns, der sich an solchen Versuchen beteiligt, ist nichts weiter als ein Lump und gehört vor den Menschenrechtsgerichtshof gezerrt, verurteilt und eingesperrt. Jeder Konzern, der solche Menschenversuche macht, ist eine Verbrecherorganisation. Das ist wohl die schlimmste Fratze des Kapitalismus, die man sich denken kann.
3.
Andre83 09.05.2012
Zitat von zaphod1965Jedes Vorstandsmitglied eines Pharma-Konzerns, der sich an solchen Versuchen beteiligt, ist nichts weiter als ein Lump und gehört vor den Menschenrechtsgerichtshof gezerrt, verurteilt und eingesperrt. Jeder Konzern, der solche Menschenversuche macht, ist eine Verbrecherorganisation. Das ist wohl die schlimmste Fratze des Kapitalismus, die man sich denken kann.
Na ja ob wirklich garkeine behandlung besser wäre? Es ist ja nicht so als wenn sie sich die schon bekannten medikamente leisten könnten.
4. Spielregeln!
Koana 09.05.2012
Zitat von zaphod1965Jedes Vorstandsmitglied eines Pharma-Konzerns, der sich an solchen Versuchen beteiligt, ist nichts weiter als ein Lump und gehört vor den Menschenrechtsgerichtshof gezerrt, verurteilt und eingesperrt. Jeder Konzern, der solche Menschenversuche macht, ist eine Verbrecherorganisation. Das ist wohl die schlimmste Fratze des Kapitalismus, die man sich denken kann.
Aber hallo, spielen wir nicht alle mit, bei diesem Spiel ums Gewinnen oder Verlieren? Im Übrigen hat der Mensch sich ja ohnehin schon entschieden. Er hat ganz offensichtlich beschlossen diesem Treiben ein Ende zu setzen. Klar, der Club of Rome ist eine Versammlung von obskuren Trollen, die behaupten die Resourcen der Welt seien endlich, unbegrenztes Wachstum sei logischerweise unmöglich. Ja, jeder Ackermann predigt das qualitative Wachstum, die Notwendigkeit zur Umbesinnung - gesagt und mit dem Privat-Jet ins Wochenenddomiz entschwebt. Sagen wir 2200 - keine Ahnung bin dann nicht mehr da - die Dyspotien sind ohnehin schon vor einigen Dekaden gut beschrieben worden. Keine lebenswerte Zukunft für den Menschen!
5. typischer Pharmalobbybericht
salamist 09.05.2012
...da hat die deutsche Pharmaindustrie wohl den Text vorgegeben? Indien läut den deutschen Firmen den Rang ab und hat erstklassige Pharmafirmen die Medikamente zu einem Bruchteil dessen verkaufen was hierzulande verlangt wird. Erliche Medikamente die in Indien billig produziert wurden werden hier mit bis zu 1000% Gewinn in den Apotheken vermarktet und im TV beworben, ganz schön scheinheilige Dopppelmoral wieder mal.
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