Transplantiertes Knochenmark: Aids-Therapie lässt Mediziner hoffen

Forscher Henrich auf Aids-Kongress: "Ergebnisse sind aufregend" Zur Großansicht
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Forscher Henrich auf Aids-Kongress: "Ergebnisse sind aufregend"

Sie waren an Krebs und Aids erkrankt - und sind mit einer neuen Therapie behandelt worden: Auf den ersten Blick sieht es gut aus für zwei Patienten in den USA. Der Fall weckt Erinnerungen an eine erfolgreiche Behandlung vor fünf Jahren.

Man muss vorsichtig sein mit vermeintlichen Erfolgsmeldungen bei der Behandlung von Aids. Das gilt auch für den Fall zweier Patienten in Boston, den US-Mediziner gerade vorgestellt haben. Doch auf den ersten Blick sieht die Sache zumindest interessant aus: Die beiden an Lymphdrüsenkrebs erkrankten HIV-Patienten haben nach einer Knochenmarktransplantation vor mehreren Jahren keine nachweisbaren Aids-Erreger mehr in ihren Blutzellen.

Der eine habe seit sieben, der andere seit fünfzehn Wochen keine Aids-Medikamente mehr genommen, berichteten US-Mediziner aus Boston auf der Internationalen Aidskonferenz in Kuala Lumpur. Die Transplantationen des Knochenmarks liegen zwei beziehungsweise fünf Jahre zurück. "Obwohl diese Ergebnisse aufregend sind, bedeuten sie nicht, dass die Männer geheilt sind", betonte Timothy Henrich vom Brigham and Women's Hospital.

Es sei noch mindestens ein Jahr abzuwarten, um zu sehen, was die Therapie tatsächlich bewirkt habe. Die Viren könnten unter anderem noch im Gehirn oder im Verdauungstrakt schlummern. Behandelt worden war auch ein dritter Patient, er starb aber an den Folgen seiner Krebserkrankung.

Hohes Risiko bei Transplantation

Weltweit Aufsehen erregt hatte im Jahr 2008 ein Patient in Berlin, bei dem die Zahl der HI-Viren nach einer Knochenmarktransplantation ebenfalls unter die Nachweisgrenze gesunken war. Er hatte die Knochenmarkspende im Rahmen einer Blutkrebstherapie erhalten. Von einer Heilung wollten die Ärzte damals aber auch nicht sprechen.

Zur Besonderheit wurde der Fall dadurch, dass sowohl der behandelte Patient als auch der Knochenmarkspender eine spezielle genetische Mutation hatten. Sie sorgt dafür, dass HI-Viren es besonders schwer haben, weiße Blutzellen anzugreifen. Die Patienten in Boston hatten die Mutation dagegen nicht.

Eine Knochenmarktransplantation sei keine generelle Therapieoption gegen Aids, hatte der in Berlin behandelnde Arzt Gero Hütter erklärt. Der Eingriff sei mit einem zu hohen Risiko belastet. Das liegt unter anderem daran, dass für die Transplantation das Immunsystem des Empfängers gezielt geschwächt wird. Deswegen haben die Mediziner die Behandlung sowohl in Berlin als auch in Boston nur im Fall sehr schwer erkrankter Krebspatienten überhaupt eingesetzt.

chs/dpa

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insgesamt 14 Beiträge
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1. Berliner Patient
wdiwdi 03.07.2013
Soweit ich weiß, hatte nur der Knochenmark-Spender die CCR5 Mutation, nicht auch der Patient - anders als im Artikel dargestellt. Wäre auch logisch - hätte der Patient sie schon selber im eigenen Genom gehabt, hätte er wahrscheinlich nicht auch noch an AIDS-Syndromen gelitten (seine Leukämie war alleine natürlich schon schlimm genug).
2. optional
Medienkenner 03.07.2013
Ich sach ja, selig sind die Leichtgläubigen. An AIDS wird ja bekanntermaßen eine Menge Geld verdient. Da sind zum einen die Forschungsinstitute, die jahrelang - vergeblich - nach dem Krebsvirus forschten und dabei Milliarden an Zuschüssen und Spenden verbrauchten. Sie konnten dann auf AIDS-Forschungsgelder "umsteigen". Dann natürlich die Pharma-Industrie, für die AIDS einen gigantischen Umsatz bedeuted. Das Zellgift AZT, das sich bei Krebs als wirkungslos erwies, kam zu neuen Ehren und wurde für die AIDS-Therapie eingesetzt. Kritiker sagen: Wer schon nicht an AIDS stirbt, der stirbt mit grosser Sicherheit an AZT. Die AIDS-Apologeten behaupteen zwar, daß diese Behandlung das Leben des Patienten verlängert. Doch wer will das Gegenteil beweisen, wenn sich niemand traut, auf die Chemo-Therapie zu verzichten? Und alternativ geheilte AIDS-Kranke allgemein ignoriert werden? AIDS-kritische Virologen, wie z.B. Prof. Peter Duesburg, Entdecker der Retro-Viren (deren Existenz wegen ihres indirekten Nachweises von anderen Kritikern angezweifelt wird) schlagen über die Unwissenschaftlichkeit der HIV-Forschungsergebnisse die Hände über den Kopf zusammen, und sehen sich bei ihren Versuchen, an die Öffentlichkeit zu gehen, einer umfassenden Blockade durch Kollegen, Behörden und Medien gegenüber. Prof. Duesburg beispielsweise wurde seit seiner AIDS-Kritik - trotz aller Bemühungen - auf keinen der AIDS-Kongresse eingeladen. Noch Fragen?
3. Naja, wenigstens Vorschritte!!
lennart 03.07.2013
Auch wenn das nicht nach einer alles rettenden Lösung aussieht, gibt es Fortschritte. Und die Patienten sind gesund(bisher) das ist das was zählt. Hoffentlich gelingt es den Ärzten irgendwann Aids komplett zu Heilen!(und Krebs natürlich auch)
4. optional
Lebensberater 03.07.2013
Also ich würde mich niemals auf HIV testen lassen, weil ich nicht daran glaube. Meines Wissens gibt es ja auch keinen Beweis dafür, daß HIV schädlich ist, und es gibt ja angeblich auch AIDS-Kranke, die gar kein HIV haben. Die Tests sind ja sowieso anscheinend Käse. Vor Jahren, so erinnere ich mich, wurde schon mal von den Vereinigten Nationen berichtet, daß es in Schwarzafrika 24 Millionen HIV-Infizierte gäbe. Wer soll denn glauben, daß diese alle getestet worden seien? Sowieso , so kann man lesen, funktionieren die Tests überhaupt nicht, wenn kleinere Infektionen vorliegen. Harmlose bis mittelschwere Infektionskrankheiten sind jedoch gerade in Afrika massenhaft verbreitet, sie sind dort das Krankheitsbild Nummer Eins, im Gegensatz zu den Industrienationen. Also kann man sich jegliche HIV-Tests dort sowieso abschminken. Ich glaube Zahlen werden oftmals einfach erfunden oder geschätzt. Wie hieß es in der Frankfurter Rundschau? ""Die Wissenschaft, die sich seit nun Jahrzehnten mit AIDS beschäftigt, macht kaum Fortschritte und trifft auf immer neue Rätsel: Die Wissenschaftler können bis heute nur vermuten, warum es Infizierte gibt, bei denen die Krankheit auch nach zehn Jahren noch nicht ausgebrochen ist, und warum manche Menschen, die mit dem Virus ständig in Kontakt sind, wie eine Gruppe Prostituierter aus Nairobi, sich überhaupt nicht anstecken." Da darf man doch wohl Zweifel haben, ob AIDS überhaupt eine wirkliche Krankheit ist. Ich habe jedenfalls keine Angst davor.
5. ...
Newspeak 03.07.2013
Zitat von LebensberaterDa darf man doch wohl Zweifel haben, ob AIDS überhaupt eine wirkliche Krankheit ist. Ich habe jedenfalls keine Angst davor.
Zweifeln darf man immer. Man darf auch in Ignoranz sterben. Muß man aber nicht. Selbst wenn es im Zusammenhang mit HIV/AIDS noch viele ungelöste Fragen und Rätsel gibt, kann man aber auch mal akzeptieren, daß seit über 30 Jahren weltweit massiv auf diesem Thema geforscht wird und daß dies eine Verpflichtung bedeutet, sich auch mal über die Details zu informieren, bevor man einfach irgendetwas behauptet. Ein Großteil der wissenschaftlichen Studien mag falsch sein, unvollständig, von Pharmafirmen manipuliert, was auch immer...aber manche Dinge stehen einfach auch mal fest, weil sie unabhängig voneinander dutzendfach geprüft und reproduziert wurden. Man sollte da vor allem auch nicht unterschätzen, daß Forscher in Konkurrenz zueinander stehen und sich gerne auch mal gegenseitig die Theorien zerstören. Wenn es also Belege für die ganzen Verschwörungstheorien gäbe, kann man sicher sein, daß sich diese mittelfristig auch gegen jeden vorherrschenden Konsens durchsetzen würden. Das ist ja gerade die Stärke von Wissenschaft.
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HIV/Aids - Die Fakten
Die HIV-Infektion
Die Infektion mit HIV erfolgt über Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma und Scheidensekret, aber auch über die Muttermilch. Außer ungeschütztem Vaginal- und Analverkehr gilt die gemeinschaftliche Nutzung von Spritzen durch Drogensüchtige als ein Hauptübertragungsweg.

Bei normalem Körperkontakt gibt es dagegen kein Infektionsrisiko, da die Körperhaut im Gegensatz zur Schleimhaut über eine schützende Hornschicht verfügt. Bei Verletzungen oder Ekzemen können allerdings auch hier Erreger eindringen. Beim beruflichen Umgang mit Kollegen am Arbeitsplatz besteht ebenso wenig Ansteckungsgefahr wie bei Besuchen von Schwimmbad oder Sauna oder gemeinsamem Essen. Kein Risiko gibt es auch bei ärztlichen und zahnärztlichen Behandlungen, da die Desinfektion von Instrumenten das Virus zuverlässig abtötet.
Die Krankheit Aids
Das HI-Virus zerstört allmählich das Immunsystem, indem es die Zahl der T-Helferzellen im Blut drastisch senkt. Während in den ersten Wochen nach der Infektion grippeähnliche Symptome auftreten können (aber nicht müssen), folgen der Ansteckung mit HIV meist mehrere Jahre ohne körperliche Anzeichen. Währenddessen vermehrt sich das Virus im Körper. Mit dem Beginn der ARC-Phase (Aids Related Complex) treten erneut Beschwerden wie nach der Infektion auf. Wenn die eigentliche Krankheit beginnt, spricht man von der Diagnose Aids (Acquired Immunodeficiency Syndrome).

Aids wird durch verschiedene Erkrankungen definiert. Sogenannte opportunistische oder Sekundär-Infektionen und Tumoren nutzen die schwache Immunabwehr aus. Trotz einer Behandlung stirbt der Patient an einer der Folgeerkrankungen. Zusätzlich können schon im Vorfeld virenhemmende Medikamente eingesetzt werden. Beide Maßnahmen verlängern die Lebenserwartung und steigern die Lebensqualität der Betroffenen.

Das Virus
Das Humane Immundefizienz-Virus (HIV) ist ein Retrovirus. Diese Erreger sind in der Lage, ihren genetischen Code in das Erbgut des Wirtskörpers, in diesem Falle des Menschen, einzubauen. Deshalb kann das Virus nach einer Infektion nicht wieder vollständig aus dem Körper entfernt werden.

Das Virus kommt in zwei Stämmen vor. HIV-1 ist weltweit verbreitet. Mikrobiologen unterscheiden Subtypen mit den Buchstaben A bis I und O. Der zweite Stamm, HIV-2, ist vorwiegend in Westafrika verbreitet. Ansteckungs- und Krankheitsverlauf sind in beiden Fällen ähnlich.

Die weltweite Verbreitung
Laut UNAIDS sind weltweit schätzungsweise 33 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. Mit mehr als zwei Drittel der Infizierten bilden die Länder des südlichen Afrikas ein Zentrum der Epidemie.

Bis Ende 2008 erhielten rund vier Millionen HIV-positive Menschen in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen eine antiretrovirale Therapie - im Vergleich zu drei Millionen Patienten im Jahr 2007 und lediglich 400.000 in 2003.
Die Verbreitung in Deutschland
In Deutschland lebten Ende 2010 nach einer Schätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) rund 70.500 Menschen mit HIV/Aids. Rund 300 diagnostizierte Neuinfektionen wurden dem Institut für 2010 gemeldet. 550 Menschen starben an den Folgen von Aids. Zum Vergleich: Mitte der neunziger Jahre starben in Deutschland bis zu 2500 Menschen pro Jahr an der Krankheit.

Am häufigsten steckten sich homosexuelle Männer neu mit HIV an, deren Zahl lag 2010 bei rund 2200 Fällen. In 580 Fällen erfolgte die Ansteckung nach heterosexuellem Kontakt. Rund 170 Drogenabhängige steckten sich mit dem HI-Virus an.
Chronik
1981: Vor allem in Kalifornien und New York sterben junge Männer an einer Krankheit, die das Immunsystem der Kranken ausschaltet. Am 5. Juni berichtet die US-Gesundheitsbehörde CDC erstmals über die auffällige Zunahme seltener Krebs- und Lungenentzündungsformen bei jungen Homosexuellen.

1982: In Deutschland und anderen europäischen Ländern werden die ersten Fälle diagnostiziert. Die erworbene Immunschwächekrankheit wird Aids (Aquired Immunodeficiency Syndrome) genannt.

1983: Die Forschungsgruppen von Robert Gallo (USA) und Luc Montagnier (Frankreich) identifizieren das Virus, das die Krankheit auslöst. Später erhält es den Namen HIV (Human Immunodeficiency Virus).

1984: Der erste HIV-Antikörpertest wird vorgestellt.

1985: In Atlanta findet die erste Welt-Aids-Konferenz statt. Durch den Aidstod des US-Schauspielers Rock Hudson wird die Krankheit einer breiten Öffentlichkeit bekannt. In Deutschland dürfen ab Herbst keine Blutpräparate mehr ohne vorherigen HIV-Test verkauft werden. Über 2300 Menschen - darunter mehr als 1800 Bluter - hatten sich zuvor infiziert.

1986: Aus Afrika werden die ersten Aidsfälle gemeldet.

1987: AZT, das erste Medikament, das den Verlauf der Krankheit verlangsamen kann, erhält eine Zulassung.

1988: Die WHO führt den 1. Dezember als Welt-Aids-Tag ein.

1991: Die rote Schleife wird internationales Symbol für den Kampf gegen Aids.

1995: Sogenannte Protease-Hemmer kommen als neues Aidsmedikament auf den Markt.

1996: Die Vereinten Nationen gründen UNAIDS, eine Unterorganisation der Uno für den Kampf gegen die Krankheit.

1999: Wissenschaftler finden Belege dafür, dass das HI-1-Virus von einer Schimpansen-Unterart stammt, die nur im westlichen Zentralafrika vorkommt.

2003: Der erste Fusionshemmer kommt als vierte Klasse von Aidsmedikamenten in den USA auf den Markt.

2004: Die WHO startet die Initiative "3 by 5". Danach sollen 2005 drei Millionen Infizierte mit Medikamenten versorgt werden.

2005: Nach Angaben der UNAIDS sind über 40 Millionen Menschen weltweit mit HIV infiziert - ein neuer Höchststand. Das Berliner Robert Koch-Institut geht von 2600 Neuinfizierten in Deutschland aus. In Deutschland leben insgesamt 49.000 HIV-Positive.

2006: Der jüngste Welt-Aids-Bericht von UNAIDS meldet, dass die Rate der Neuinfektionen sich erstmals seit dem Ausbruch der Seuche verlangsamt. Immer noch erhalten viele Infizierte und Erkrankte in der Dritten Welt keine Versorgung, besonders HIV-positive Kinder.

2008: Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon legt einen Bericht vor, nach dem im Dezember 2007 weltweit schätzungsweise 33,2 Millionen Menschen mit HIV infiziert waren.