Vogel- und Schweinegrippe: Viren-Kombi stark ansteckend unter Säugetieren

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Corbis

Influenzaviren (Illustration): Sorge vor Vogelgrippe-Pandemie

Das gefährliche Vogelgrippe-Virus H5N1 verbreitet sich nicht von Mensch zu Mensch. Doch falls es nur einige Gensegmente des Schweinegrippe-Erregers H1N1 aufnehmen würde, wäre das möglich, berichten chinesische Forscher. Die Gefahr lauert im Schweinestall.

Wenn sich Menschen mit dem Vogelgrippevirus H5N1 anstecken, verläuft die Krankheit oft tödlich. Ansteckend unter Menschen ist sie aber zum Glück nicht. In fast allen bekannten Fällen haben sich die Betroffenen bei infiziertem Geflügel angesteckt. Bisher hat das Virus sich nicht derart verändert, dass es per Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch wandern kann. Aber wäre es möglich?

Um herauszufinden, wie wahrscheinlich solche verheerenden Mutationen sind, haben chinesische Forscher Tests mit im Labor veränderten H5N1-Viren durchgeführt. Sie fanden vor dem internationalen Moratorium statt, mit dem die Arbeit an solchen hochgefährlichen Erregern zeitweise gestoppt wurde.

Im Wissenschaftsmagazin "Science" berichtet das Team um Ying Zhang vom Veterinary Research Institute in Harbin nun, dass nur wenige Gensegmente eines anderen Virus ausreichen, damit H5N1 auch unter Säugetieren ansteckend ist.

In ihren Versuchen nutzten sie eine von einer Ente isolierte H5N1-Variante, die auch Hühnern und Mäusen stark zusetzt, sich aber bei Meerschweinchen nicht per Tröpfcheninfektion überträgt. Diesen vermischten sie mit einem unter Menschen hochansteckenden H1N1-Erreger. Die Forscher weisen darauf hin, dass bei Schweinen sowohl H5N1 als auch Viren des Influenzatyps H1N1, der sich leicht unter Menschen verbreitet, entdeckt wurden. Ist ein Tier mit beiden Virustypen gleichzeitig infiziert, können dieses genetisches Material tauschen, so dass ein neuartiges Virus entsteht.

"Blick für solche Veränderungen offenhalten"

Durch verschiedene Kombinationen schufen die Forscher 127 unterschiedliche H5N1-Erregertypen, von denen 54 bei Mäusen ähnlich krankheitsauslösend waren wie das ursprüngliche H5N1-Virus. 38 Varianten waren harmloser, 35 aggressiver. Dabei hing die Aggressivität nur von wenigen Genvarianten ab.

Schon ein einziges H1N1-Gen sorgte ihren Angaben zufolge dafür, dass sich der H5N1-Erreger unter Meerschweinchen per Tröpfcheninfektion übertrug. Ein anderes Segment reichte zwar allein nicht für eine solche Übertragung aus, steigerte aber in Kombination mit dem ersten die Infektiosität deutlich.

"Unsere Studien belegen, dass die Vermischung des Säugetier-Virus 2009/H1N1 mit aviären H5N1-Erregern H5N1-Viren erzeugen kann, die sich per Tröpfcheninfektion zwischen Säugetieren übertragen können", schreiben die Wissenschaftler.

Die Studie zeige, dass es verschiedene Wege gebe, wie die extrem wandlungsfähigen Vogelgrippe-Viren - darunter neben H5N1 auch der erst kürzlich in China gefundene Erreger H7N9 - sich unter Menschen übertragen könnten, sagt Thomas Mettenleiter, Präsident der Friedrich-Loeffler-Instituts. "Wir müssen unseren Blick für solche Veränderungen offenhalten." Die in der Studie geprüfte Infektiosität unter Meerschweinchen komme den Verhältnissen beim Menschen recht nahe, sei allerdings nicht identisch. Unklar sei auch, ob die gezielt im Labor gebauten Erreger auch in der Natur entstehen und sich verbreiten könnten, betont Mettenleiter: "Zum Überleben muss ein Virus sehr viel mehr können, als nur die Fähigkeit zu haben, sich unter Menschen zu übertragen."

wbr/dpa

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