Kopfschmerz: Gen steigert Migräne-Gefahr

Migräne-Attacken peinigen in Deutschland Millionen. Jetzt haben Forscher das Erbgut von mehr als 50.000 Menschen analysiert - und einen Risikofaktor für den chronischen Kopfschmerz gefunden.

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dpa

Migräne: Allein in Deutschland leben rund acht Millionen Betroffene

Rund acht Millionen Menschen leiden in Deutschland an einer Migräne. Europaweit sind etwa 8 Prozent der Männer und 17 Prozent der Frauen von dieser Erkrankung des Nervensystems betroffen. Sie beginnt oft bereits während der Pubertät, zu den typischen Kopfschmerz-Attacken kommt es jedoch meist erst im Erwachsenenalter. Eine Migräneattacke ist durch einen halbseitig auftretenden, pulsierenden Kopfschmerz gekennzeichnet - begleitet von Übelkeit, Erbrechen oder Licht- oder Geräuschempfindlichkeit.

Bislang war unklar, wann genau und wodurch die Attacken ausgelöst werden. Nun hat ein Team internationaler Wissenschaftler genetische Daten von 56.742 Menschen aus Finnland, Deutschland, den Niederlanden, Island und Dänemark verglichen und dabei den Risikofaktor im Erbgut gefunden.

Die Mediziner haben das gesamte Erbgut von 2731 Migränepatienten mit dem von 10.747 Gesunden verglichen. Dabei stellte sich heraus, dass ein spezieller Gen-Marker auf Chromosom 8 ein deutlich höheres Risiko ergibt, eine Migräne zu entwickeln. Ein weiterer Vergleich von 3202 Migränepatienten mit 40.062 Gesunden bestätigte diese Assoziation, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin "Nature Genetics". Insgesamt scheine die Genvariante rs1835740 das Migränerisiko um etwa ein Fünftel zu erhöhen.

"Unsere Daten weisen darauf hin, dass der Marker rs1835740 an der Glutamatregulation beteiligt ist", erklärt Verneri Anttila von der Universität Helsinki, Leiter des Forscherteams. Glutamat ist ein sogenannter Neurotransmitter, der für den Transport von Informationen zwischen den Nervenzellen im Gehirn verantwortlich ist.

"Eine Anhäufung von Glutamat im Gehirn könnte eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von Migräne spielen", sagt Co-Autor Christian Kubisch von der Universität Köln. Der Kopfschmerz wird der Studie zufolge möglicherweise von einem Glutamat-Überschuss an den Synapsen ausgelöst, den Kreuzungen von Nervenbahnen - also von einer Art Datenstau auf der Hirnautobahn. Normalerweise kommandiere die entdeckte DNA-Variante ein spezielles Eiweiß als Staulöser zum Einsatzort ab, erläutern die Forscher. Bei Menschen mit Migräne werde dieser Befehl aber offensichtlich nicht ausgeführt.

Hier ergäbe sich ein möglicher Ansatzpunkt für die Entwicklung von Medikamenten, meint Kubisch. Die Leiden der Patienten ließen sich eventuell deutlich verringern, wenn es gelänge, die Ansammlung des Glutamats zu vermeiden. Weitere Studien müssten nun insbesondere den Regulierungsmechanismus genauer untersuchen.

mbe/ddp/dpa

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