Manipulationsvorwurf Klonstudie enthält kopierte Bilder

Menschliche Stammzellen, gewonnen aus geklonten Embryonen - das sah nach einer medizinischen Sensation aus. Mit dieser Studie haben Wissenschaftler kürzlich weltweit Aufsehen erregt. Nun stellt sich heraus: Die Arbeit hat schwere Mängel. Die Forscher bezeichnen diese als "Versehen".

Geklontes Foto: Abbildungen aus der Studie zeigen augenscheinlich dieselbe Zellkultur. Links soll sie mittels Klontechnik erzeugt worden sein, rechts ohne.
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Geklontes Foto: Abbildungen aus der Studie zeigen augenscheinlich dieselbe Zellkultur. Links soll sie mittels Klontechnik erzeugt worden sein, rechts ohne.


Die Kopien lassen sich mit bloßem Auge erkennen: In einer Studie, die vergangene Woche im Fachmagazin "Cell" erschien und für viel Aufsehen sorgte, finden sich mehrere Bilder zweifach an unterschiedlichen Stellen. Darauf haben wissenschaftliche Gutachter auf der Online-Plattform PubPeer aufmerksam gemacht. In der Forschungsarbeit geht es darum, dass Forscher mit Hilfe von Klontechnik erstmals menschliche embryonale Stammzellen hergestellt haben wollen.

Insgesamt drei Abbildungen seien verdoppelt und mehrfach verwendet worden, bemängeln die Kritiker. Eines der Fotos zeigt eine Zellkultur. Im vorderen Teil der Studie soll sie laut Beschriftung aus einer geklonten Zelle hervorgegangen sein. Ein Ausschnitt desselben Bildes wird im Anhang als Beleg für die Entwicklung der Kontrolllinie angeführt - soll also Zellen zeigen, die eben nicht durch Klonen entstanden sind.

Prüfung in nur vier Tagen

Ob es sich bei diesen Mängeln um ein Versehen oder vorsätzliche Täuschung handelt, soll nun geklärt werden. "Die Ergebnisse sind echt, die Zelllinien sind echt, alles ist echt", verteidigt sich einer der Autoren der Studie, Shoukhrat Mitalipov, gegenüber dem Fachmagazin "Nature". Die doppelten Bilder bezeichnete er als "Versehen", die Forscher hätten nur wenige Tage Zeit für das Layout der Studie gehabt.

"Selbstredend müssen diese Mängel nun bis in letzte Detail von den beteiligten Wissenschaftlern erklärt und die Originaldaten von 'Cell' und möglicherweise auch einer unabhängigen dritten Stelle durchleuchtet werden", forderte der deutsche Stammzellforscher Oliver Brüstle von der Universität Bonn. "Ob sich Grundsätzliches an der Hauptaussage des Manuskripts ändert, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht voraussagen."

Die Redaktion der Fachzeitschrift "Cell" verteidigte die Ergebnisse der Studie: "Wir glauben nicht, dass sich diese Fehler in irgendeiner Weise auf die wissenschaftlichen Resultate auswirken", schreibt Chefredakteurin Emilie Marcus. Auch sehe sie keinen Grund, an der Gründlichkeit der hausinternen Prüfungen zu zweifeln.

Dennoch werfen die Anschuldigungen ein schlechtes Bild sowohl auf die Arbeit der Stammzellforscher als auch auf die Kontrollmechanismen der etablierten Fachzeitschriften. Dort werden Artikel nur dann veröffentlicht, wenn mehrere Gutachter eine Studie für wissenschaftlich fundiert und relevant befunden haben. Im aktuellen Fall wurde diese Prüfung offenbar im Eilverfahren erledigt. Nur vier Tage, nachdem die Studie bei "Cell" eingereicht wurde, akzeptierte das Magazin sie zur Veröffentlichung - ein ungewöhnlich schnelles Verfahren, das eine ausführliche Prüfung kaum zulässt.

Die Ungereimtheiten wecken Erinnerungen: Schon einmal mussten vermeintlich bahnbrechende Ergebnisse aus der Klonforschung revidiert werden. 2004 hatte der südkoreanische Forscher Hwang Woo Suk bekanntgegeben, erstmals Stammzelllinien aus einem geklonten menschlichen Embryo entwickelt zu haben. Zwei Jahre später wurde seine Arbeit als komplette Fälschung enttarnt.

che

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insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
tam_venceremos 23.05.2013
1. Endlich!
Haben es Wissenschaftler geschafft, Bilder zu klonen!
noalk 23.05.2013
2. Husch husch
So etwas darf bei einer so anscheinend bahnbrechenden Arbeit nicht passieren. Da wurde mal wieder die Wissenschaft auf dem Altar der Sensation geopfert. Andererseits zeigt dieser Fall, dass die Selbstkontrolle der Wissenschaft funktioniert, Dank des WWW wohl immer besser. Ein Warnschuss für alle potentiellen Hudler und Fälscher.
Wolffpack 23.05.2013
3. ...
Zitat von sysopCellMenschliche Stammzellen, gewonnen aus geklonten Embryonen - das sah nach einer medizinischen Sensation aus. Mit dieser Studie haben Wissenschaftler kürzlich weltweit Aufsehen erregt. Nun stellt sich heraus: Die Arbeit hat schwere Mängel. Die Forscher bezeichnen diese als "Versehen". http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/kopierte-bilder-faelschungsvorwurf-gegen-klonstudie-a-901471.html
Also geht es nur um unpassende/doppelte Bilder? Naja, da würd ich ja nicht direkt von Fälschung reden.
kosiak 23.05.2013
4. Kopien
sind doch die Urform des Klonens!
unglaeubig 23.05.2013
5. Vier Tage
...wieso sollten vier Tage nicht ausreichen für eine ausführliche Prüfung? Ich bin selber als Gutachter im Peer-Review-Verfahren für diverse Zeitschriften tätig und für diese unbezahlte, freiwillige Tätigkeit kann ich nicht mal einfach mehrere Tage an Arbeitszeit opfern. Wenn ich einen interessanten Artikel auf den Tisch kriege, dann kann es durchaus passieren, dass ich ihn am selben Tag nach Feierabend noch einer ausführliche Prüfung unterziehe und mein Gutachten an die Zeitschrift zurückschicke. Wenn es sich um eine sehr gute Forschungsarbeit handelt, kann es dabei auch passieren, dass ich keine Verbesserungsvorschläge habe, dann ist es durchaus nicht unmöglich und auch schon passiert, dass eine Studie innerhalb von weniger als einer Woche online veröffentlicht werden kann. Ich verwehre mich aber dagegen, dass daraus der Schluss gezogen wird, dass die Prüfung nicht sorgfältig vorgenommen wurde. Dass es in der hier besprochenen Veröffentlichung möglicherweise noch andere Unstimmigkeiten gab steht hierzu in keinem Zusammenhang.
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