Krebsdiagnose Bluttest soll 14 Tumorarten erkennen können

Die frühe Erkennung von Krebs kann Leben retten, doch die Diagnose ist oft schwierig. Jetzt soll ein einfacher Bluttest mehr als ein Dutzend verschiedene Tumorarten entdecken können. Getestet wurde die Methode bisher aber nur von ihren Erfindern selbst.

Blutentnahme: Einfacher Test soll 14 Krebsarten entdecken können
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Blutentnahme: Einfacher Test soll 14 Krebsarten entdecken können


Es wäre ein enormer medizinischer Fortschritt: Ein Bluttest, einfach und gefahrlos durchzuführen, soll 14 Krebsarten auf einen Schlag diagnostizieren können. Das Verfahren, das auf der sogenannten Immunsignatur basiert, analysiert das Blut auf typische Antikörper, die sich gegen bestimmte Tumoren richten. Es erreiche eine Zuverlässigkeit von über 95 Prozent, schreiben Phillip Stafford von der Arizona State University in Tempe und seine Kollegen im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences". Die Forscher haben an einer derartigen Erfolgsmeldung allerdings auch ein eigenes Interesse, da sie ihren neuen Test in den USA bereits kommerziell anbieten.

Die Antikörper sind so aufgebaut, dass sie an charakteristische Moleküle von Tumorproteinen - sogenannte Antigene - binden. In einem ersten Versuch ordneten die Forscher auf einem Chip 10.000 Eiweißfragmente an, an die Antikörper binden können. Nach welchem Schema sie das tun, bestimmt die Immunsignatur.

Die Wissenschaftler eichten zunächst den Test anhand von 120 Blutproben. Sie stammten von Patienten mit einer von fünf verschiedenen Krebsformen und von gesunden Kontrollpersonen. Daraus leiteten Stafford und Kollegen Immunsignaturen ab, die für die fünf Erkrankungen typisch sind: Bauchspeicheldrüsen-, Speiseröhren- und Brustkrebs sowie der Hirntumor Glioblastom und das Multiple Myelom, ein Krebs des Knochenmarks.

Fehlerwahrscheinlichkeit unter zwei Prozent

In einem Versuch an Blutproben von 120 weiteren Menschen erkannte der Test die Erkrankungen bei 95 Prozent der Krebspatienten, schreiben Stafford und sein Team. Lediglich bei Bauchspeicheldrüsenkrebs habe die Trefferquote bei nur 80 Prozent gelegen. Diesen niedrigen Wert führen die Forscher darauf zurück, dass ein Pankreaskarzinom im späten Stadium das Immunsystem beeinträchtigt. Die Wahrscheinlichkeit, dass Gesunde mit der neuen Methode irrtümlich für krank befunden werden, habe bei unter zwei Prozent gelegen.

In einem zweiten Schritt bauten die Wissenschaftler den Ansatz aus. Dazu ermittelten sie die typischen Signaturen für 14 verschiedene Erkrankungen anhand von 1516 weiteren Gewebeproben - darunter neben verschiedenen Hirntumoren auch Krebs von Lunge und Eierstöcken. Dazu zählten auch verschiedene Erkrankungen desselben Organs - etwa ein Tumor und eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Hier habe der Test ebenfalls eine Zuverlässigkeit von mehr als 95 Prozent erreicht.

Krebs im Frühstadium erkennen?

"Wir folgern, dass 10.000 für die Immunsignatur genutzte Peptide ausreichen können, um bis zu 15 Krankheitsbedingungen zu unterscheiden", schreiben die Wissenschaftler. Wie viele Krankheiten sich mit dieser Zahl von Peptiden maximal ermitteln lassen, bleibe abzuwarten. Inzwischen arbeiten die Forscher nach eigenen Angaben schon an einem umfassenderen System mit mehr als 300.000 Peptiden.

Rienk Offringa vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg hält den Ansatz für vielversprechend. "Diese Technologie hat ein Stadium erreicht, in dem krankheitstypische Muster identifiziert und überprüft werden." Das biete die Möglichkeit, Menschen - oder auch Tiere - regelmäßig zu geringen Kosten auf eine Fülle von Krankheiten zu testen. "Menschen mit einem positiven Befund könnten anschließend eingehender auf die betreffende Krankheit untersucht werden."

Allerdings seien noch Fragen offen, meint Offringa. Es müsse sich noch zeigen, ob der Test auch Krankheiten im Frühstadium feststellen könne. Zudem sei das Verfahren bislang lediglich von Stafford und seinen Mitarbeitern geprüft worden, aber noch nicht von unabhängiger Seite.

mbe/dpa

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hermannheester 15.07.2014
1. Krebsdiagnose per Bluttest?
Zitat von sysopAPDie frühe Erkennung von Krebs kann Leben retten, doch die Diagnose ist oft schwierig. Jetzt soll ein einfacher Bluttest mehr als ein Dutzend verschiedene Tumorarten entdecken können. Getestet wurde die Methode bisher aber nur von ihren Erfindern selbst. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/krebs-diagnose-bluttest-soll-14-tumor-arten-erkennen-a-981195.html
Dem Vernehmen nach hat die "Gar zu Früh-Erkennung" in der Vergangenheit das Leid erst verursacht. Da wurden Krebszellen entdeckt, die zu Lebzeiten des Patienten ohne Komplikationen zu verursachen mit ihm vor sich hin gestorben werden. Mit Chemotherapien bis hin zu Amputationen wurde da mehr Unheil angerichtet, als es der früh erkannte Tumor je gekonnt hätte.
stratos66 15.07.2014
2. Signatur?
Das erinnert mich an den genetischen Fingerabdruck. Wo wird ausgewertet? Per EDV? Bei der NSA? Schönen Gruss aus Paranoia
ambulans 15.07.2014
3. und -
was waren noch einmal die häufigsten krebs-erkrankungen? wie man so hört, doch wohl zuerst: lunge, magen/darm, haut, et al. - also vor allem solche, die ziemlich viel mit dem jeweiligen, individuellen lebensstil zu tun haben ...
ambulans 15.07.2014
4. und -
was waren noch einmal die häufigsten krebs-erkrankungen? wie man so hört, doch wohl zuerst: lunge, magen/darm, haut, et al. - also vor allem solche, die ziemlich viel mit dem jeweiligen, individuellen lebensstil zu tun haben ...
buktu1975 16.07.2014
5. Nur zwei Prozent...
Fehlerwahrscheinlichkeit? "Die Wahrscheinlichkeit, dass Gesunde mit der neuen Methode irrtümlich für krank befunden werden, habe bei unter zwei Prozent gelegen." Na, dann wären das ja, falls sich alle Deutsche testen lassen würden (der Einfachheit halber mal 80 Mio.), nur weniger als 1.600.000 Menschen, die zunächst mit dem Ergebnis leben müssten, evtl. Krebs zu haben (den man dann aber nicht finden würde, da sie wahrscheinlich keinen hätten). Man würde aber wohl doch erstmal ne Zeit lang suchen. Ich stelle mir Krebs als eine der schlimmsten Diagnosen vor, aber ich bin gerade nicht sicher, was ich von diesem Test halten soll.
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