Krebsforschung: Zehntausende Brustkrebsfälle in Deutschland vermeidbar

Wenn Frauen in den Wechseljahren auf eine Hormonersatztherapie verzichten und sich regelmäßig bewegen, sinkt ihr Brustkrebsrisiko. Rund 30 Prozent der Brustkrebsfälle bei älteren Frauen wären laut einer neuen Studie durch veränderte Verhaltensweisen zu verhindern.

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Corbis

Brustkrebs (Illustration): Rund 58.000 Frauen erkranken pro Jahr in Deutschland

Die Zahl der Brustkrebs-Diagnosen bei älteren Frauen könnte in Deutschland deutlich gesenkt werden: Allein durch mehr Bewegung und den Verzicht auf Hormonersatztherapien ließen sich 30 Prozent aller Brustkrebsfälle nach den Wechseljahren vermeiden. Das fanden Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg (DKFZ) in einer aktuellen Studie heraus, in der sie auch andere Risikofaktoren für Brustkrebs - wie Übergewicht und Alkoholkonsum - untersuchten.

An der "Marie-Studie" nahmen 9640 Frauen teil - bei 3074 war bereits Brustkrebs diagnostiziert worden, die restlichen Teilnehmerinnen bildeten die Kontrollgruppe. Der Untersuchung zufolge sind 19,4 Prozent der Krebsfälle nach den Wechseljahren auf Hormonpräparate zurückzuführen, 12,8 Prozent hängen am Mangel an körperlicher Aktivität, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Cancer Epidemiology". "Ließen sich in diesen beiden Bereichen Verhaltensänderungen herbeiführen, könnten fast 30 Prozent aller Fälle von Brustkrebs nach den Wechseljahren verhindert werden", sagt Studienautorin Karen Steindorf.

Die Forscher raten daher, auf eine Hormonersatztherapie zu verzichten, wenn sie nicht unbedingt nötig ist. Die Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden war über viele Jahre weit verbreitet, ehe Wissenschaftler feststellten, dass sie das Krebsrisiko erhöht. Alkoholkonsum und Übergewicht zeigten hingegen einen geringeren Einfluss auf das Brustkrebsrisiko.

In Deutschland erkranken pro Jahr rund 58.000 Frauen an Brustkrebs, es ist damit nach Angabe des Robert-Koch-Instituts die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Im Schnitt sind die Patientinnen bei der Diagnose 64 Jahre alt.

Auch einige Faktoren, die die Frau nicht beeinflussen kann, hängen mit einem erhöhten Krebsrisiko zusammen - Brustkrebs in der Familie ist ein starker Faktor, da bestimmte vererbte Genveränderungen das Risiko drastisch steigern können. Auch Frauen, die sehr früh ihre erste Regelblutung hatten und bei denen die Wechseljahre erst spät einsetzen, sind stärker gefährdet.

Um die Früherkennung von Brustkrebs zu verbessern, wurde in Deutschland vor einigen Jahren das Mammografie-Screening eingeführt, zu dem Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren alle zwei Jahre eingeladen werden. Der Nutzen dieser Reihenuntersuchung ist unter Wissenschaftlern jedoch umstritten.

wbr/AFP

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