Künstliche Befruchtung: Erstes deutsches Baby nach Erbgut-Diagnose geboren

Es ist ein Mädchen: Das erste Baby Deutschlands, bei dem Mediziner eine Präimplantationsdiagnostik (PID) durchführten, ist in Lübeck zur Welt gekommen. Mittels des Tests konnte ein tödlicher Gendefekt ausgeschlossen werden.

Erst im Juli 2011 stimmte der Bundestag zu: Gentests an Embryonen sind umstritten Zur Großansicht
dapd

Erst im Juli 2011 stimmte der Bundestag zu: Gentests an Embryonen sind umstritten

Im Universitätsklinikum in Lübeck ist das nach Klinikangaben erste Baby Deutschlands geboren, bei dem eine Präimplantationsdiagnostik (PID) zum Ausschluss eines einzelnen Genfehlers gemacht wurde. Dem Mädchen gehe es gut, bei der Geburt sei es 50 Zentimeter groß und 3010 Gramm schwer gewesen, teilte das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) am Freitag mit.

Bei PID werden im Reagenzglas gezeugte Embryonen auf Gendefekte untersucht, bevor sie in die Gebärmutter eingesetzt werden. Der Bundestag erlaubte 2011 die begrenzte Zulassung der umstrittenen Diagnostik. Eine Ethikkommission muss der Untersuchung zustimmen.

Zwar hatte bereits 2005 der Berliner Arzt Matthias Bloechle durch PID einer Frau nach vier Fehlgeburten zu einem gesunden Kind verholfen. Doch damals sei es darum gegangen, eine Chromosomenstörung auszuschließen. "In unserem Fall ging es um den Ausschluss einer Krankheit, die durch einen Defekt in einem einzelnen Gen verursacht wird", sagte der Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des UKSH, Klaus Diedrich.

Diese Untersuchung sei aufwendiger und komplizierter und werde derzeit bundesweit außer in Lübeck nur noch in München und in Regensburg gemacht. Auch in München gebe es eine Schwangerschaft nach einer PID-Untersuchung wegen einer monogenetischen Erkrankung, sagte Diedrich.

Die Eltern des kleinen Mädchens hatten sich nach Angaben der Klinik für die Untersuchung entschieden, weil beide die Erbanlage für eine Skelett-Anomalie in sich tragen, bei der die Kinder meist während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt sterben. Das Paar hatte bereits drei Schwangerschaften hinter sich, bei denen der Fötus jeweils im Mutterleib gestorben war. Mit Hilfe der PID habe ein 25-prozentiges Risiko für die neue Schwangerschaft ausgeschlossen werden können, sagte Diedrich.

nik/dpa

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insgesamt 107 Beiträge
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1. Schön,
altmannn 27.01.2012
Zitat von sysopEs ist ein Mädchen: Das erste Baby Deutschlands,*bei*dem Mediziner eine Präimplantationsdiagnostik (PID) durchführten,*ist in Lübeck zur Welt gekommen.*Mittels des Tests konnte ein*tödlicher Gendefekt ausgeschlossen werden. Künstliche Befruchtung: Erstes deutsches Baby nach*Erbgut-Diagnose geboren - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,811896,00.html)
dass medizinischer Fortschritt hilfreich ist und auch angewendet werden darf.
2. Glückwunsch
Vorzeichen 27.01.2012
Zitat von sysopEs ist ein Mädchen: Das erste Baby Deutschlands,*bei*dem Mediziner eine Präimplantationsdiagnostik (PID) durchführten,*ist in Lübeck zur Welt gekommen.*Mittels des Tests konnte ein*tödlicher Gendefekt ausgeschlossen werden.
Gute Nachrichten! Herzlichen Glückwunsch an die Eltern.
3.
Cotti 27.01.2012
Zitat von altmannndass medizinischer Fortschritt hilfreich ist und auch angewendet werden darf.
Als ob das Kind nicht auch ohne "PID" geboren worden wäre... diese Untersuchung hätte nämlich auch das genaue Gegenteil zur Folge gehabt haben können, nämlich dass der Embryo vernichtet worden wäre. *DAS* wäre dann diesem "Fortschritt" zu verdanken gewesen.
4. Nicht nachplappern, sondern NACHDENKEN!
fuzzi-vom-dienst 27.01.2012
Zitat von CottiAls ob das Kind nicht auch ohne "PID" geboren worden wäre... diese Untersuchung hätte nämlich auch das genaue Gegenteil zur Folge gehabt haben können, nämlich dass der Embryo vernichtet worden wäre. *DAS* wäre dann diesem "Fortschritt" zu verdanken gewesen.
Bitte informieren Sie sich erst einmal über grundlegende biologische Begriffe wie "Embryo" usw. Es reicht schon, wenn dieser "christliche" wandelnde Hosenanzug aus Templin meint, sich in die vorrangige Entscheidung der Eltern einmischen zu müssen. Nach den korrekten und weltweit anerkannten wissenschaftlichen Definitionen für "Lebewesen" ist eine Eizelle (egal, ob berfruchtet oder nicht) nicht mal ein Lebewesen. Ihnen etwas mehr Nachdenklichkeit und den glücklichen Eltern des gesunden Kindes herzlichen Glückwunsch!
5. PID sei dank!
MKUltra2 27.01.2012
Zitat von CottiAls ob das Kind nicht auch ohne "PID" geboren worden wäre... diese Untersuchung hätte nämlich auch das genaue Gegenteil zur Folge gehabt haben können, nämlich dass der Embryo vernichtet worden wäre. *DAS* wäre dann diesem "Fortschritt" zu verdanken gewesen.
Schön, dass die Eltern offensichtlich durch die PID ein Kind bekommen haben, das einige von den Eigenschaften hat, die sie haben wollten. Es hätte mich aber auch gefreut, wenn dieser Embryo nach einer entsprechenden Willensbekundung der Eltern vernichtet worden wäre, wenn bei der PID herausgefunden worden wäre, dass dieser Embryo über Eigenschaften verfügt, die die Eltern nicht haben wollen. Und das ist ja nun auch in Deutschland trotz der Widerstände der katholischen Kirche und der "christlichen" Parteien endlich möglich. Bisher nach meinem Geschmack aber noch viel zu eingeschränkt. Hoffentlich wird sich auch dies bald noch ändern.
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Babys aus dem Reagenzglas: Wie aus Zellen Menschen werden

Präimplantationsdiagnostik (PID)
Worum geht es?
DPA
Bei dem Verfahren werden einem im Reagenzglas entstandenen Embryo ein bis zwei Zellen entnommen. Es geht darum, deren Erbgut zu untersuchen. Ziel ist es, unter anderem Krankheiten aufzudecken, die auf zu viele oder zu wenige Chromosomen zurückgehen. Beim Down-Syndrom ist beispielsweise das Chromosom 21 dreimal vorhanden. Möglich sind auch Untersuchungen auf einzelne veränderte Gene, die beispielsweise für Muskelschwund, Lungen- und Stoffwechselkrankheiten oder die Bluterkrankheit verantwortlich sind.
Verfahren 1: Diagnose im Blastomerenstadium
Bei dieser am häufigsten angewendeten Untersuchung werden dem Embryo am dritten Tag nach der Befruchtung im Reagenzglas ein oder zwei Zellen zur Untersuchung entnommen. Der Embryo befindet sich zu diesem Zeitpunkt im sogenannten Blastomerenstadium. Das heißt, seine vier bis acht Zellen gelten als totipotent - jede einzelne könnte sich in der Gebärmutter noch zu einem vollständigen Organismus entwickeln. Totipotente Zellen sind nach dem deutschen Embryonenschutzgesetz einem Embryo gleichgestellt.
Verfahren 2: Diagnose im Blastozystenstadium
Auch zu einem späteren Zeitpunkt ist im Prinzip noch eine PID möglich, zum Beispiel im sogenannten Blastozystenstadium. Dann besteht der Embryo aus etwa 50-200 Zellen. Die Zellen der sogenannten inneren Zellenmasse gelten als pluripotent, das heißt aus ihnen können sich noch verschiedene Gewebe entwickeln. Die Diagnose im Blastozystenstadium hatte der Berliner Arzt angewendet, dessen Fall vor dem BGH verhandelt wurde.
Alternative: Polkörperdiagnostik
Bei diesem Verfahren wird nur die Eizelle untersucht - und zwar vor Abschluss der Befruchtung. Im Blick stehen die Polkörper, die beim Reifen der Eizelle entstehen. Sie enthalten einen Satz des mütterlichen Erbgutes. Damit lassen sich zumindest die mütterlichen Erbanlagen der Eizelle indirekt auf Chromosomen-Fehlverteilungen überprüfen. Väterliche Vorerkrankungen können so hingegen nicht untersucht werden. Weil bei dieser Methode kein Embryo manipuliert wird, steht sie nicht im Widerspruch zum Embryonenschutzgesetz.