Künstliche Hüftgelenke: Bessere Überwachung für Metallprothesen

Teilchen können entweichen, Entzündungen entstehen: Die Warnung britischer Mediziner vor künstliche Hüftgelenken aus Metall hat Folgen: Deutsche Fachgesellschaften haben Empfehlungen für eine engmaschigere Kontrolle erarbeitet, auch auf europäischer Ebene werden Checks gefordert.

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Corbis

Hamburg - Die Forderung britischer Wissenschaftler, Hüftimplantate aus Metall zu verbieten, sorgte international für Diskussionen: Im März hatten die Mediziner nach Durchsicht von mehr als 31.000 Patienten mit eben solchen Prothesen berichtet, dass durch Abrieb an dem Metall Ionen austreten können und Entzündungen des Gewebes verursachen können. Kritisiert wurden vor allem sogenannte Großkopfprothesen. Bei anderen Implantaten wird Polyethylen oder Keramik verwendet.

Die Warnung hat Folgen: Deutsche Fachgesellschaften haben Empfehlungen erarbeitet, wie engmaschig die jeweiligen Patienten überwacht werden sollen, die diese Produkte erhielten. Das berichteten Mediziner auf der Tagung der Norddeutschen Orthopäden- und Unfallchirurgenvereinigung (NOUV) am Samstag in Hamburg. Prothesenträger sollen sich bei ihrem Arzt erkundigen, denn nicht bei allen komme es zu vorzeitigen Problemen.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn fordert außerdem eine europäische Arbeitsgruppe, um produktübergreifende Beurteilungen machen zu können. Nach Angaben eines Sprechers hatte das Institut bereits vor einiger Zeit den Vermarktungsstopp einer entsprechenden Hüftprothese empfohlen. Umsetzen könnten so ein Verbot jedoch nur die Überwachungsbehörden in den jeweiligen Bundesländern.

Deutsches Register noch in Testphase

Britische Wissenschaftler hatten im März im Medizinjournal "The Lancet" das Verbot der Hüftprothesen aus Metall gefordert. Datenanalysen hätten eindeutig gezeigt, dass bestimmte Implantate, bei denen Metall auf Metall gleite, schneller als andere Varianten neue Hüftoperationen nach sich zögen.

Metall-auf-Metall-Gelenkimplantate galten ursprünglich als besonders haltbar und als geeignet vor allem für körperlich aktive Patienten. Daran gab es aber seit längerem Zweifel. In der Studie der britischen Mediziner wurden rund 402.000 Hüftoperationen aus den Jahren 2003 bis 2011 in England und Wales analysiert. In rund 31.200 Fällen hätten die Ärzte Metall-auf-Metall-Prothesen implantiert. Alternativ wurden Modelle aus Keramik oder Polyethylen genutzt.

Nach fünf Jahren mussten rund sechs Prozent der Metall-auf-Metall-Prothesen ausgetauscht werden, weil sie gesundheitliche Beschwerden verursachten. Bei den anderen Implantaten war dies nur bei rund zwei Prozent nötig. Gelenkköpfe aus Metall, bei denen Prothesen in einer Gelenkpfanne ebenfalls aus Metall sitzen, können zu giftigem Abrieb führen, der Entzündungen auslöst.

Daten über die Gesamtzahl der Kunstgelenke sammelt in Deutschland ein neues Endoprothesenregister, das von Industrie, Krankenkassen und Fachgesellschaften betrieben wird. Mit dem Verzeichnis soll es möglich werden, mehr über die Gründe von Wechseloperationen zu erfahren, ob es zu Schäden gekommen ist, oder ein vorzeitiger Verschleiß des Gelenks vorliegt. Derzeit läuft immer noch die Testphase.

nik/dpa

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