Künstliches Gewebe Forscher züchten Penis-Schwellkörper im Labor

Es könnte einmal die Rettung für viele impotente Männer sein, was US-Forschern nun bei Kaninchen gelungen ist: Sie haben im Labor künstliche Schwellkörper herangezüchtet. Und die sind voll funktionstüchtig, wie die Kaninchenmännchen bei Paarungsversuchen eindrücklich demonstrieren.

Kaninchen: Künstliche Schwellkörper waren funktionstüchtig
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Kaninchen: Künstliche Schwellkörper waren funktionstüchtig


Das beste Stück des Mannes ist ein komplizierter Apparat: Schwellkörper sorgen dafür, dass der Penis, wenn es darauf ankommt, auch seinen Mann steht. Bei einer Erektion entspannt sich die glatte Muskulatur an den Innenwänden dieser Hohlkörper, und Blut strömt ein. Werden diese empfindlichen Gefäße beschädigt - durch einen Unfall oder eine Operation -, hat dies Erektionsstörungen oder sogar den totalen Verlust der Erektionsfähigkeit zur Folge.

Wissenschaftler um Anthony Atala und Kuo-Liang Chen vom Wake Forest Institute for Regenerative Medicine in Winston-Salem im US-Bundesstaat North Carolina haben nun erstmals ganze und funktionstüchtige Schwellkörper im Labor nachbilden können. Im Fachmagazin " Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten die Wissenschaftler, dass sie die Schwellkörper zwölf Kaninchen einpflanzten. Die Tiere konnten sich anschließend normal paaren, manch ein Kaninchen zeugte sogar Nachwuchs.

Das Prinzip: Die Forscher entnahmen gesunden Tieren operativ zunächst Schwellkörper. Daraus wuschen sie mit verschiedenen Chemikalien alle lebendigen Zellen aus. Zurück blieb nur noch ein Stützgerüst aus Bindegewebe. Dieses diente als Matrix für die künstlich gezüchteten Zellen. Nach dem gleichen Prinzip haben Wissenschaftler mit menschlichem Gewebe auch schon Luftröhren, Herzpflaster und bei Ratten funktionstüchtige Herzen "nachgebaut".

Vier Weibchen wurden sogar schwanger

Auf das Bindegewebe gaben Atala und Kuo-Liang Zellen der glatten Muskulatur und der innersten Schicht der Schwellkörper. Diese Zellen hatten die Forscher zuvor gesunden Kaninchen per Biopsie entnommen und dann in Kulturschalen gezüchtet und vermehrt.

Nach einigen Tagen hatten die Zellen die Stützgerüste vollständig besiedelt, und funktionstüchtige Schwellkörper waren nachgewachsen. Diese pflanzten sie dann zwölf Kaninchen ein, deren eigene Schwellkörper sie herausoperiert hatten. Wiederum zwölf andere Kaninchen dienten als Kontrollgruppe: Sie bekamen nur die Stützgerüste eingepflanzt, ohne Zellen. Drei weiteren Kaninchen entfernten die Forscher die Schwellkörper vollständig.

Ein, drei und sechs Monate nach der Operation bekamen alle Kaninchen weibliche Gesellschaft in ihren Käfigen. Nach nur einer Minute begannen die Kaninchen mit den künstlichen Schwellkörpern, mit den Weibchen zu kopulieren. Die meisten Kaninchen der Kontrollgruppe hingegen machten keine Anstalten, sich zu paaren.

Die Forscher wollten es aber noch genauer wissen: Nach der Paarung untersuchten sie die Scheiden der Weibchen auf Sperma-Reste, um festzustellen, ob es bei den Männchen mit dem Implantat zur Ejakulation gekommen war. Bei acht der zwölf begatteten Weibchen wurden sie fündig. Vier Weibchen wurden sogar schwanger und gebaren gesunden Nachwuchs. Bei den Weibchen, die von den Kaninchen der Kontrollgruppen bestiegen worden waren, fanden die Forscher jedoch keine Spermareste.

Atala und Kuo-Liang sind zuversichtlich, dass Männer mit krankheits- oder unfallbedingten Erektionsstörungen zukünftig einmal von ihrer Methode profitieren könnten.

Korrektur: In einer früheren Version des Textes wurde aufgrund eines Übersetzungsfehlers fälschlicherweise von Hasen gesprochen. Tatsächlich wurden die Experimente mit Kaninchen gemacht. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

lub



insgesamt 16 Beiträge
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Oma Peters, 10.11.2009
1. Männer bald gänzlich überflüssig.
Zitat von sysopEs könnte einmal die Rettung für viele impotente Männer sein, was US-Forschern nun bei Hasen gelungen ist: Sie haben im Labor künstliche Schwellkörper herangezüchtet. Und die sind voll funktionstüchtig, wie die Hasenmännchen bei Paarungsversuchen eindrücklich demonstrieren. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,660463,00.html
Wo kann man sich da in die Warteliste einschreiben? ;o)
fjk_ml 10.11.2009
2. Hase oder Kaninchen - SPIEGEL ONLINE nimmt's nicht so genau
Wer auch immer diesen Spiegel Online Artikel verfasst hat, sollte sich mal informieren, dass "rabbit" nicht mit Feldhase übersetzt wird. Auch das gezeigte Foto samt Bildunterschrift ist irreführend. Ich will mal die Forscher sehen, die Feldhasen im Labor halten...
hypermental 10.11.2009
3. Geile Technik...
Kann man das dann in ein paar Jahren bei biotechnologisch erzeugten Ökoautos als Airbagersatz einbauen? ;-)
jackweil 10.11.2009
4. Künstliches Gewebe
Zitat von sysopEs könnte einmal die Rettung für viele impotente Männer sein, was US-Forschern nun bei Hasen gelungen ist: Sie haben im Labor künstliche Schwellkörper herangezüchtet. Und die sind voll funktionstüchtig, wie die Hasenmännchen bei Paarungsversuchen eindrücklich demonstrieren. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,660463,00.html
Muss ich mich irgendwann mal in einem Genlabor zum Hasen umwandeln lassen? Oder gibt`s die Schwellkörper bald bei Schlecker, gleich neben den Kondomen? Obwohl: Hasenschwellkörper im Angebot! Klingt auch nicht so super sexy!
Haio Forler 10.11.2009
5. -
Zitat von Oma PetersWo kann man sich da in die Warteliste einschreiben? ;o)
Langsam, gaaanz langsam. Ers' 'ma bei'n Arzt gehn, dann für dat Formular, und dann ers auffe Oma ;)
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