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Langzeitstudie: Abgase aus Kohleheizungen schaden Kindern

Kohleheizungen schaden der Gesundheit - und bei Kindern ist der Effekt deutlich messbar. Eine Langzeitstudie mit mehr als 1000 Teilnehmern hat ergeben: Kinder, in deren Wohnungen Kohleöfen brennen, wachsen langsamer und leider öfter unter Lungenkrankheiten.

Kohle: Schadstoffe in der Lunge Zur Großansicht
DPA

Kohle: Schadstoffe in der Lunge

Kohleheizungen sind zumindest in Deutschland inzwischen selten geworden - aus guten Gründen: Sie gelten nicht nur als wenig umweltfreundlich, sondern haben immer wieder auch tödliche Unfälle verursacht. Eine neue Studie liefert jetzt einen weiteren Anlass, Heizungen dieser Art abzuschaffen: Demnach werden Kinder häufiger krank und wachsen schlechter, wenn zu Hause mit Kohle geheizt wird. Im Alter von drei Jahren sind diese Kinder durchschnittlich 1,3 Zentimeter kleiner als ihre Altersgenossen, schreiben Wissenschaftler um Rakesh Ghosh von der University of California in Davis im Fachblatt "Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine".

"Wenn Eltern zu Hause mit Festbrennstoffen heizen, schadet das mit Sicherheit der Gesundheit ihrer Kinder", sagte Radim Sram vom Institut für Experimentelle Medizin in Prag. Zusammen mit seinem Kollegen Miroslav Dostal hat er das Datenmaterial für die Studie gesammelt. Mehr als zehn Jahre beobachteten die Mediziner 1133 Kinder aus den tschechischen Gemeinden Teplice und Prachatice, die zwischen 1994 und 1998 geboren wurden.

Schon von Geburt an hat das Heizen mit Kohle negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Kleinen, stellten die Wissenschaftler fest. Bereits das durchschnittliche Geburtsgewicht lag bei ihnen niedriger. "Vor allem im Vorschulalter wurden die Kinder dann häufiger krank", sagte Sram. Sie litten öfter an Entzündungen der oberen Atemwege und der Lunge. Auch Mittelohrentzündungen traten bei dieser Gruppe gehäuft auf.

Als Verursacher der Gesundheitsprobleme machten die tschechischen und amerikanischen Wissenschaftler vor allem krebserregende Stoffe, sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, aus. Besonders wenn sie an Feinstaub gebunden sind, können sie in die Lunge aufgenommen werden. Die Schadstoffe entstehen bei der unvollständigen Verbrennung von Kohle, Holz oder anderen Brennstoffen.

Noch schädlicher als Kohle ist aber offenbar ein anderes Material, das mitunter in Kohleöfen verfeuert wird: "Wer einen Ofen hat, verbrennt dort oft nicht nur Kohle, sondern auch Hausmüll", sagte Sram. Dabei würden oftmals schädliche Substanzen freigesetzt.

boj/dpa

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1. .
af1755, 08.02.2011
Zitat von sysopKohleheizungen schaden der Gesundheit - und bei Kindern ist der Effekt deutlich messbar. Eine Langzeitstudie mit mehr als 1000 Teilnehmern hat ergeben: Kinder, in deren Wohnungen Kohleöfen brennen,*wachsen langsamer und leider öfter unter Lungenkrankheiten. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,744197,00.html
Soll das nun heißen, deshalb waren die Leute früher kleiner? Was für wirklich Bahn brechenden Erkenntnisse heutzutage immer wieder mal vorgelegt werden. Bis Mitte der 60iger war der Kohleofen Standart in deutschen Wohnungen, deshalb gab's wohl soviele Lungenkranken, was??
2. Soso
susi_sonicht, 08.02.2011
die Kinder wachsen also langsamer und leiden öfter unter Lungenkrankheiten ... wenn Mensch bedenkt dass es als ich Kind war gar keine anderen Heizmöglichkeiten - um die Bude warm zu kriegen - gab dann frage ich mich allen Ernstes wie wir überlebt haben und überhaupt erwachsen werden konnten. und wohlgemerkt wir hatten sehr wohl Jungs dabei die für die damalige Zeit sehr gross waren ...und übrigens auch Mädels
3. wsd
Juergen Wolfgang, 08.02.2011
Zitat von sysopKohleheizungen schaden der Gesundheit - und bei Kindern ist der Effekt deutlich messbar. Eine Langzeitstudie mit mehr als 1000 Teilnehmern hat ergeben: Kinder, in deren Wohnungen Kohleöfen brennen,*wachsen langsamer und leider öfter unter Lungenkrankheiten. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,744197,00.html
Gestern war es der Holzofen, heute der Kohleofen, morgen die Solarheizung und übermorgen die Erdwärme. Alles schädlich...... alles nicht gut.... fragt sich nur für wen!! Klar für Gasprom, ENBW, Erdgas Südwest, Vattenfall, RWE, Ölkonzerne etc. Die sehen einen schrumpfenden Markt... und Einnahmen. Leute verbrennt ÖL, Gas und heizt mit Strom. Das ist gesund und füllt die Geldbeutel der Energieriesen.
4. Oh Je
Zanilla 08.02.2011
Oh Gott! Erst der Kamin, jetzt die Kohleheizung. Was also tun? Gas? Viel zu gefährlich, hat man ja in Köln gesehen. Öl? Zu umweltschädlich. Au weia...
5. Ursache und Wirkung!?
JaguarCat 08.02.2011
Dass große und gesunde Menschen sich in der arbeitsteiligen Wirtschaft besser durchsetzen als kleine oder kranke, ist in zahlreichen Studien belegt worden. Ebenso können genetische Prädispositionen bezüglich Körpergröße und gesundheitlicher Entwicklung von die Eltern an die Kinder weitergegeben werden. Von daher muss man eine ganz kritische Frage an diese Studie stellen: Was ist Ursache und was ist Wirkung? Können sich kleine und kranke Menschen aufgrund ihrer Nachteile in der Wirtschaftswelt auch einfach seltener eine moderne Zentralheizung leisten? Und wachsen als Folge davon deren Kinder - durch genetische Prädisposition ebenfalls etwas kleiner und kränker als der Bevölkerungsdurchschnitt - nunmal in Ofenhaushalten auf? Oder macht doch der Ofen krank? Oder verstärken sich beide Effekte gegenseitig? Von den möglichen weiteren Risikofaktoren, die die Gesundheit der Kinder belastet, wurde zudem nur das Zigarettenrauen der Eltern herausgerechnet. Dem Spiegel ist aber auch eine Ungenauigkeit unterlaufen: Es geht laut dem Abstract der Studie um "indoor coal combustion", was ich so lese, dass der Rauch der Kohleverbrennung nicht in einen Schornstein geht, sondern direkt ins Zimmer. Mit den bei uns teilweise noch anzutreffenden Kohleöfen, die man nur kurz zum Befeuern öffnen muss, hat das wahrscheinlich wenig zu tun. Jag
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Feinstaub: Bestehende und geplante Feinstaub-Umweltzonen in deutschen Städten.
Hintergründe zum Thema Feinstaub
Ursachen
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Als Hauptquelle von Feinstaub gelten Verkehr und Industrie. Die feinen Partikel in der Luft kommen in Dieselruß, Reifenabrieb, Baustaub oder den Abgasen aus Industrie und Heizungen vor. Aber auch Zigarettenrauch enthält große Mengen Feinstaub. Die feinen Teilchen werden nach ihrer Größe unterschieden: Partikel unter zehn Mikrometern (PM10) sind inhalierbar, noch kleinere Teilchen mit Durchmessern unter 2,5 Mikrometern (PM2,5) gelangen sogar bis in die Lunge.
Gesundheitsschäden
Nach einer EU-Studie sterben in der Europäischen Union jährlich 310.000 Menschen an Erkrankungen durch Feinstaubpartikel, davon 65.000 in Deutschland. Feinstaub hat vielerlei gesundheitliche Auswirkungen. Zuallererst sind die Atemwege betroffen: Betroffene leiden unter Entzündungen, Bronchitis, Asthma oder Allergiesymptomen. Als besonders gefährlich gelten Staubteile mit Durchmessern unter 2,5 Mikrometern. Sie sind so klein, dass sie nicht in Nase und Rachen hängenbleiben, sondern ungehindert in die Lunge gelangen. Dort können sie Krebs auslösen und sogar zum Herzinfarkt führen. In der EU gibt es bislang jedoch keine Grenzwerte für die kleinen, besonders gefährlichen Partikel.
Grenzwerte
In Deutschland gilt seit Anfang 2005 eine EU-Richtlinie. Pro Tag dürfen demnach nur noch höchstens 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft erreicht werden. Dieser Grenzwert gilt für Feinstaub kleiner als zehn Mikrometer (PM10) und darf an nicht mehr als 35 Tagen pro Jahr überschritten werden. In Deutschland gibt es mehr als 400 Messstationen für Feinstaub.
Maßnahmen
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Zuständig für die Umsetzung der Vorgaben sind die Bundesländer. Die örtlichen Behörden sind verpflichtet, Gebiete aufzulisten, in denen die zulässigen Schadstoffmengen überschritten werden. Echte Sanktionen gibt es bisher nicht. Diskutiert werden immer wieder Streckensperrungen für Lastwagen und Fahrverbote für veraltete Autos in Innenstädten.

Feinstaub-Regelung - Alles was Sie wissen müssen
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In vielen deutschen Städten wurden die Grenzwerte für Feinstaub in den vergangenen Jahren um ein Vielfaches überschritten. Jetzt wird es für Fahrer älterer Modelle ernst - die Regelung ab 1. März soll Umweltsünder von der Straße verbannen.



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