Langzeitstudie Depressionen steigern Demenz-Risiko

Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, innere Leere - Depressionen können Betroffene im Extremfall bis in den Selbstmord treiben. Eine Studie nährt jetzt den Verdacht, dass das Leiden auch die Demenz-Gefahr im Alter steigen lässt.

Niedergeschlagenheit: Lösen Depressionen Demenz aus?
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Niedergeschlagenheit: Lösen Depressionen Demenz aus?


Rund 1,3 Millionen Menschen leiden allein in Deutschland an Demenz - und die Zahl wächst mit dem Durchschnittsalter der Bevölkerung. Mit unter 70 Jahren an Demenz zu erkranken, ist noch unwahrscheinlich. Bei den über 90-Jährigen aber ist bereits jeder Dritte betroffen. Eine frühe Diagnose und das Ausmachen von Indikatoren, die den Ausbruch der Erkrankung des Gehirns begünstigen, werden deshalb immer wichtiger.

Depressionen gelten schon lange als Risikofaktor für die Krankheit, die sich auf die kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten der Patienten auswirkt. Gerade im frühen Demenzstadium treten zudem oft depressive Symptome auf, was es schwierig macht, beide Krankheiten in der Diagnose zu unterscheiden.

Jetzt hat eine Studie ergeben, dass Depressionen möglicherweise eine Demenzerkrankung begünstigen. Die Forscher um Jane Saczynski von der University of Massachusetts untersuchten 949 Testpersonen über einen Zeitraum von bis zu 17 Jahren. Zu Beginn der Studie waren die Probanden im Durchschnitt 79 Jahre alt und frei von Demenz, allerdings litten 13 Prozent unter Depressionssymptomen.

Am Ende der Studienzeit waren 164 Teilnehmer (17 Prozent) dement. Diejenigen, die zuvor depressiv waren, hatten nach Angaben der Forscher ein gut 50 Prozent höheres Risiko, eine Demenz zu entwickeln. Das Risiko steige mit der Stärke der Depressionen rasant, schreiben Saczynski und ihre Kollegen im Fachblatt "Neurology".

Ob Depressionen tatsächlich Demenz verursachen, ist noch offen, wie Saczynski einräumt. Es gäbe aber einige Anhaltspunkte, die auf eine Einflussnahme hinwiesen. So sei es wahrscheinlich, dass die Entzündung des Hirngewebes, wie sie für an Depressionen leidenden Menschen typisch ist, die Demenzgefahr erhöhe. Auch die für Depressionspatienten typischen Lebensgewohnheiten hinsichtlich Ernährung, sportlicher Aktivität oder sozialer Kontakte könnten die Entstehung von Demenz beeinflussen.

smk

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