Hamburg - Männer und Frauen von kleiner Statur sollten besser auf ihre Gesundheit achten als größere Menschen - sie erkranken leichter am Herzen. Frauen unter 1,53 Meter und Männer unter 1,65 Meter haben ein 50 Prozent höheres Risiko, Herzprobleme zu bekommen als Frauen über 1,66 Meter und Männer über 1,73 Meter. Das zeigt eine Untersuchung, für die die Ergebnisse von 52 Studien mit insgesamt drei Millionen Beteiligten zusammengefasst wurden.
Die Studie, die im "European Heart Journal" erschienen ist, offenbarte also für kleine Menschen ein anderthalb Mal so hohes Risiko für Herzkrankheiten wie für große, schreiben die finnischen Forscher um Tuula Paajanen von der Universität Tampere.
Mit der Studie seien zum ersten Mal die Forschungsergebnisse aus den letzten 50 Jahren zum Zusammenhang zwischen Körpergröße und kardiologischen Problemen systematisch ausgewertet worden, sagt die Medizinerin. "Das Ergebnis ist eindeutig: Eine kleine Körpergröße hängt mit einem erhöhten Risiko einer Herzerkrankung zusammen", schreiben die Experten. Allerdings sei der Anteil umweltbedingter, genetischer oder anderer physiologischer Faktoren noch nicht bekannt.
Die genauen Gründe für das erhöhte Risiko kleinerer Menschen sind noch unbekannt. Einer Theorie zufolge haben kleine Menschen kleinere Herzkranzgefäße, die schneller verstopfen. Aber auch eine genetische Veranlagung könne eine Rolle spielen, schreibt Studienleiterin Paajanen.
Größe ist nur ein Faktor unter vielen
Dennoch gäbe es für kleinere Menschen keinen Grund zu übermäßiger Besorgnis, da zahlreiche andere Faktoren ebenfalls Einfluss auf Herzerkrankungen haben, schreiben die Forscher. "Die Größe ist nur ein Faktor bei Herzerkrankungen", sagt Paajanen. Im Gegensatz zur eigenen Größe könne man aber viele Gesundheitsfaktoren kontrollieren: "Gewicht, Ernährungsgewohnheiten, Trinken, Rauchen, Sport - dies alles sind wichtige Bestandteile", konstatiert die Medizinerin.
Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, Herzproblemen besser vorzubeugen. Die Prävention sollte bereits im Mutterleib beginnen, fordert Jaakko Tuomilehto von der University of Helsinki in einem ergänzenden Kommentar im "European Heart Journal". Eine geringe Größe bei der Geburt oder eine schlechte Ernährung im frühen Kindesalter seien wichtige Faktoren, die eine kleinere Statur im Erwachsenalter begünstigen. Daher sei eine entsprechende Betreuung schwangerer Frauen unabdingbar.
Die Forscher regen an, eine geringe Körpergröße mit auf die Liste der bekannten Risikofaktoren wie Übergewicht, hohes Alter oder hoher Cholesterinspiegel zu setzen.
boj/AFP/ddp/dpa
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