Langzeitstudie Überstunden schaden dem Herz

Warnung für Überfleißige: Wer regelmäßig zu lange arbeitet, riskiert Herzkrankheiten. Das zeigen Daten Tausender britischer Büroangestellter. Bestimmte Typen sind demnach besonders gefährdet.

Zu viel Arbeit: Wer häufig länger im Büro bleibt, riskiert Herzkrankheiten
DAK / Schläger

Zu viel Arbeit: Wer häufig länger im Büro bleibt, riskiert Herzkrankheiten


Wer regelmäßig Überstunden macht, wird schneller herzkrank. Das zeigt eine Langzeitstudie mit rund 6000 Menschen. Angestellte, die drei bis vier Überstunden am Tag machten, hatten demnach ein um 60 Prozent erhöhtes Risiko, an einem Herzkranzgefäßleiden zu erkranken. Dazu zählten die Wissenschaftler Herzinfarkte und die auch Brustenge genannte Angina pectoris.

Die Daten der Forscher um Mika Kivimäki und Marianna Virtanen vom Finnischen Institut für Arbeitsmedizin in Helsinki stammen aus der Langzeitstudie "Whitehall II", bei der die Gesundheit von Angestellten der britischen Behörden untersucht wird. Sie wurden im Fachjournal "European Heart Journal" veröffentlicht.

Die Wissenschaftler nennen eine Reihe möglicher Gründe für ihre Ergebnisse: Überstunden würden von bestimmten Typen gemacht, die viel mit anderen konkurrierten und angespannt seien. Zu viel Zeit im Büro könne aber auch zu Depressionen, Ängsten, zu wenig Erholung vor dem Schlafen und insgesamt zu wenig Schlaf führen. All das sind Faktoren, die als begünstigend für Herzkrankheiten gelten. Menschen mit Hang zu Überstunden seien zudem möglicherweise jene, die auch bei Krankheit im Büro auftauchten.

Nach Angaben der Autoren wurde der Zusammenhang zwischen Überstunden und Herzproblemen unabhängig von Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht oder erhöhten Blutfettwerten hergestellt. Virtanen und Kollegen stellten auch die Vermutung an, dass Menschen mit größerem Entscheidungsspielraum im Job trotz Überstunden kein höheres Risiko für eine Herzkranzgefäßerkrankung haben.

Studie begann 1985

Die Epidemiologen betonen jedoch, dass noch mehr Forschung nötig sei, um einen direkten Zusammenhang zwischen Überstunden und Herzleiden eindeutig zu belegen. So sei zum Beispiel nicht klar, ob das Risiko für eine Koronare Herzkrankheit sinke, wenn ein Angestellter wieder früher nach Hause gehe. Sie weisen auch darauf hin, dass bei der Studie keine Handwerker oder Arbeiter sowie Angestellte privater Unternehmen mitmachen.

Die Studie "Whitehall II" begann 1985 in London und bezieht mehr als 10.000 Angestellte von britischen Behörden ein. Seit Anfang der 1990er-Jahre wurde auch nach der Zahl der Arbeitsstunden am Tag gefragt. Die aktuellen Ergebnisse aus dem "European Heart Journal" beziehen sich auf 4262 Männer und 1752 Frauen im Alter von 39 bis 61 Jahren.

Von 6014 für die neue Studie untersuchten Teilnehmern erkrankten in einem Zeitraum von durchschnittlich elf Jahren 369 Menschen an einem Herzinfarkt beziehungsweise starben daran, oder sie litten an Angina pectoris. Bei dieser Krankheit wird das Herz schlecht durchblutet und es kommt zu einem Engegefühl in der Brust sowie Herzschmerzen. Nach Berücksichtigung unter anderem des Alters, des Geschlechts und bestimmter Risikofaktoren fanden Virtanen und Kollegen heraus, dass Angestellte mit elf bis zwölf Arbeitsstunden pro Tag ein 60 Prozent höheres Risiko für eine Herzkrankheit hatten.

boj/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.