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SPD-Gesundheitsexperte: "Kassen sollen Cannabis für Kranke endlich erstatten"

Das Verwaltungsgericht Köln hat entschieden: Schwerkranke Menschen dürfen für den Eigenbedarf Cannabis anbauen. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach verlangt jetzt noch deutlichere Schritte.

Zur Person
  • DPA
    Karl Lauterbach ist Mediziner und Gesundheitsökonom. Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD ist seit 2005 Mitglied des Deutschen Bundestages und stellvertretender Fraktionsvorsitzender seiner Partei.
SPIEGEL ONLINE: Herr Lauterbach: Sie fordern, dass die Kassen die Kosten für Cannabis aus der Apotheke übernehmen. Müssen wir wirklich alle für den therapeutischen Drogenkonsum bezahlen?

Lauterbach: Es geht nur um eine kleine Gruppe, der alle anderen Medikamente und Therapien nicht helfen. Die Krankenkassen wären gut beraten gewesen, wenn sie diese Leistung längst übernommen hätten.

SPIEGEL ONLINE: Kritiker befürchten, dadurch einen unkontrollierten Drogenkonsum in Deutschland loszutreten.

Lauterbach: Das Gegenteil wäre doch der Fall. Statt nun in jedem Einzelfall zu prüfen, ob ein Schwerkranker Cannabis bekommen soll und diesen dann wegen mangelnder Kostenübernahme durch die Kassen auch noch dazu zu zwingen, sein Medikament selbst anzubauen, wäre die Abgabe durch die Apotheke eine sichere Lösung. Kontrollieren ließe sich nicht nur, wer wie viel Cannabis bekommt. Auch die Qualität der Droge selbst wäre sichergestellt.

SPIEGEL ONLINE: Klingt nach einem gigantischen Aufwand.

Lauterbach: Nein, das lässt sich sogar kostengünstig gestalten. Kranke, die eine Berechtigung haben, könnten Cannabis dann per Rezept erhalten. Die Kassen könnten den Bedarf planen und ausschreiben - der beste Anbieter bekäme den Zuschlag.

SPIEGEL ONLINE: Cannabis per Rabattvertrag aus der Apotheke? Das bekommen Sie nie durch.

Lauterbach: Die momentane Situation, in der schwerkranke Menschen schon seit Jahren zu irrwitzigen Aktionen gedrängt werden, ist ein Armutszeugnis für unser Gesundheitssystem. Das Urteil aus Köln ist überraschend und zumindest dahingehend gut, weil nun alle aufgefordert sind, endlich etwas zu ändern.

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Cannabis legal anbauen?

Das Verwaltungsgericht Köln hat entschieden: Schmerzkranke dürfen zu therapeutischen Zwecken für den Eigenbedarf Cannabis anbauen. Was halten Sie davon?

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1.
Thomas C. 22.07.2014
Wenn sich die SPD ausdrücklich für die Legalisierung einsetzen würde, könnten sie einige Wähler auf ihre Seite ziehen. Die Frage ist nur, wer sich traut.
2.
meging 22.07.2014
Zitat von sysopREUTERSDas Verwaltungsgericht Köln hat entschieden: Schwerkranke Menschen dürfen für den Eigenbedarf Cannabis anbauen. Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) freut das Urteil, verlangt aber noch deutlichere Schritte. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/lauterbach-zu-cannabis-urteil-kassen-sollen-kosten-uebernehmen-a-982344.html
Für medizinische Zwecke sehe ich da überhaupt kein Problem, als Genussmittel finde ich es doch eher fraglich. Sollte es soweit kommen, bin ich definitiv dafür, es in Läden nicht öffentlich sichtbar aufzustellen. Genau so wie es mit Zigaretten und mindestens schwerem Alkohol sein sollte. Verkauf nur bei direkter Nachfrage im Hinterzimmer. Wir sollten eher versuchen, den Drogenkonsum(dazu zähle ich auch Tabak und Alkohol) in der Gesellschaft zu minimieren, anstatt eine neue zu etablieren.
3. Schlecht für die Wirtschaft
specialsymbol 22.07.2014
Cannabis kann, mit Verlaub, jeder Bauer anpflanzen. Leider profitiert davon nur einer, nämlich eben jener. Synthetische Medikamente mit gleicher Wirkung hingegen schaffen viele Arbeitsplätze - in der Forschung, im Vertrieb, in der Produktion, in der begleitenden Infrastruktur - ja, selbst Politiker werden davon bezahlt. Wir müssen uns endlich entscheiden - wer für Legalisierung von natürlichen Drogen ist entscheidet sich für Arbeitslosigkeit und gegen Wirtschaftswachstum. Das ist nun einmal die Realität. Wir dürfen uns nicht von Gutmenschen regieren lassen!
4. .
frankyz 22.07.2014
Zitat von specialsymbolCannabis kann, mit Verlaub, jeder Bauer anpflanzen. Leider profitiert davon nur einer, nämlich eben jener. Synthetische Medikamente mit gleicher Wirkung hingegen schaffen viele Arbeitsplätze - in der Forschung, im Vertrieb, in der Produktion, in der begleitenden Infrastruktur - ja, selbst Politiker werden davon bezahlt. Wir müssen uns endlich entscheiden - wer für Legalisierung von natürlichen Drogen ist entscheidet sich für Arbeitslosigkeit und gegen Wirtschaftswachstum. Das ist nun einmal die Realität. Wir dürfen uns nicht von Gutmenschen regieren lassen!
Pharmalobbyismus as it's best ...
5.
unimatrix 22.07.2014
Zitat von megingFür medizinische Zwecke sehe ich da überhaupt kein Problem, als Genussmittel finde ich es doch eher fraglich. Sollte es soweit kommen, bin ich definitiv dafür, es in Läden nicht öffentlich sichtbar aufzustellen. Genau so wie es mit Zigaretten und mindestens schwerem Alkohol sein sollte. Verkauf nur bei direkter Nachfrage im Hinterzimmer. Wir sollten eher versuchen, den Drogenkonsum(dazu zähle ich auch Tabak und Alkohol) in der Gesellschaft zu minimieren, anstatt eine neue zu etablieren.
Weshalb? Wenn diese einfache Frage gestattet ist.
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