Lichtexperimente Blau verstärkt Emotionen

Forscher haben entdeckt, wie Lichttherapien die Wintermelancholie vertreiben können: Vor allem blaues Licht beeinflusst die Gefühle. Davon profitieren auch Menschen ohne depressive Verstimmungen.

Weihnachtsdeko in Tokio (2009): Starke Reaktion auf blaues Licht
REUTERS

Weihnachtsdeko in Tokio (2009): Starke Reaktion auf blaues Licht


Washington - Farben machen Stimmung, das wissen Künstler nur zu gut. Nun haben Wissenschaftler der Universität im belgischen Lüttich untersucht, wie farbiges Licht auf den Menschen wirkt. Licht beeinflusst demnach nicht nur die innere Uhr, sondern auch die Verarbeitung von Emotionen im Gehirn. Vor allem blaues Licht scheint dabei entscheidend zu sein, zeigte ein Test mit Freiwilligen: Bei einer blauen Beleuchtung reagiert das Gefühlszentrum wesentlich stärker auf Emotionen in der Stimme eines anderen als etwa bei grünem Licht. Der Effekt könnte die Stimmung Aufhellen.

17 Freiwillige hörten sich für die Studie der Wissenschaftler Gesprächsaufzeichnungen an, wobei sie die Anweisung erhielten, sich auf den Inhalt des Gesagten zu konzentrieren. In der Hälfte der Fälle waren die Sätze in einem neutralen Tonfall gehalten, in der anderen Hälfte schwang ein Gefühl des Ärgers mit. Während die Probanden die Aufzeichnungen hörten, sahen sie abwechselnd je 40 Sekunden lang blaues oder grünes Licht, unterbrochen von kurzen Phasen der Dunkelheit. Bei der gesamten Prozedur zeichneten die Forscher die Hirnaktivität der Teilnehmer auf.

Bei der blauen Beleuchtung reagierte das Gehirn deutlich stärker auf den ärgerlichen Tonfall als bei der grünen, zeigte die Auswertung. Die Aktivität stieg vor allem in einem auf Stimmen und deren Verarbeitung spezialisierten Bereich des Temporallappens sowie im Hippocampus, der dem für Gefühle zuständigen Limbischen System zugeordnet wird.

Mechanismus von Lichttherapien?

Zudem intensivierte sich im blauen Licht die Zusammenarbeit zwischen der Stimmerkennungsregion, der ebenfalls zum Limbischen System gehörenden Amygdala und dem Hypothalamus, der die vegetativen Reaktionen des Körpers steuert. Zusammengefasst könne man also einfach sagen: Blaues Licht beeinflusst direkt die Verarbeitung von Gefühlen im Gehirn und bereitet es zudem auf eine Reaktion vor, schreiben Gilles Vandewalle im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Ein derartiger Effekt auf die momentane Gefühlslage gehe zwar nicht zwangsläufig auch mit einer nachhaltigen Veränderung der allgemeinen Stimmung einher, wie sie bei einer Lichttherapie zu beobachten ist, sagen die Wissenschaftler. Dennoch spielen konkrete Gefühlswallungen und akute Emotionen bekanntermaßen eine wichtige Rolle bei der Steuerung der grundlegenden Stimmungslage. Es handle sich bei dem jetzt beobachteten Effekt daher wahrscheinlich um einen der Faktoren, die Lichttherapien überhaupt erst wirksam machen.

Er wird vermutlich jedoch nicht über das fürs Sehen zuständige Lichtwahrnehmungssystem vermittelt. Vielmehr scheint ein erst vor wenigen Jahren entdecktes zweites Wahrnehmungssystem dahinter zu stecken, das auf Sinneszellen im hinteren Bereich der Netzhaut basiert und das vor allem von blauem Licht angeregt wird. Da es unter anderem für die Steuerung der inneren Uhr wichtig ist, scheint eine Lichttherapie einer Depression also eine Art Doppelschlag zu versetzen: Zum einen bringt sie die innere Uhr wieder in den Takt, zum anderen intensiviert sie die Gefühlswahrnehmung.

hda/dapd

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