Mäusestudie: Diätstress erhöht Appetit auf Dickmacher

Teufelskreis zum Dickwerden: Der Stress, Diät zu halten, kann das Verlangen nach fettreicher Nahrung erheblich steigern, jedenfalls bei Mäusen. Wissenschaftler wollen die Ergebnisse auf den Menschen übertragen - und in Zukunft den Hang zum Trostessen beim Abnehmen einkalkulieren.

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Übergewicht: Stress erhöht den Appetit

Washington - Diät zu halten, kann anstrengend sein. Und der Stress kann das Abnehmen zusätzlich erschweren: Wissenschaftler haben entdeckt, warum es bei Stress so schwer ist, ungesunden Leckereien zu widerstehen: Durch die geringere Kalorienzufuhr werden Gehirnfunktionen umprogrammiert und Gene verändert. Dadurch neigen die Betroffenen dazu, in stressreichen Zeiten vermehrt zu fettigem Essen zu greifen - und leisten damit dem gefürchteten Jo-Jo-Effekt Vorschub, der dazu führt, dass man nach einer Diät mehr zunimmt, als man zuvor abgenommen hatte.

Zwar haben die Wissenschaftler den Effekt bisher nur bei Mäusen zeigen können. Die Forscher meinen jedoch, dass es auch beim Menschen diesen Zusammenhang gibt. Es könnte sich daher lohnen, zur Unterstützung von Abnehmwilligen die Stressreaktion zu berücksichtigen und diese eventuell sogar medikamentös zu beeinflussen, schreiben Tracy Bale von der University of Pennsylvania und ihre Kollegen im Fachmagazin "Journal of Neuroscience".

Drei Wochen lang mussten die Test-Mäuse der Forscher Diät halten. Nach dieser Zeit hatten die Tiere etwa 10 bis 15 Prozent ihres ursprünglichen Körpergewichts verloren - ein Wert, den auch Menschen typischerweise bei einer erfolgreichen Diät erreichen. Gut getan hatte das Abnehmen den Mäusen allerdings nicht: Die Stresshormonspiegel in ihrem Blut waren deutlich erhöht, und sie zeigten ein Verhalten, das auf eine depressive Stimmung hindeutete.

Den Jo-Jo-Effekt gebändigt

Zurückzuführen waren die Veränderungen offenbar auf Veränderungen von verschiedenen Genen, die an der Regulation von Stress und der Steuerung der Nahrungsaufnahme beteiligt sind, konnten die Wissenschaftler zeigen. Es handelte sich dabei um sogenannte epigenetische Veränderungen, bei denen chemische Schalter an die Erbsubstanz angelagert werden, die die Gene ein- oder ausschalten. Das beeinflusst lediglich die Aktivität eines Gens und nicht seinen Bauplan. Dennoch sind solche Veränderungen dauerhaft und können sogar an die Nachkommen weitergegeben werden.

Auch im Mäuse-Versuch zeigte sich, dass sich der Effekt nicht nur während der eigentlichen Diätphase auswirkte, sondern auch später noch, als die Mäuse ihr ursprüngliches Gewicht wiedererlangt hatten: Gerieten sie unter Stress, genehmigten sich die zuvor auf Diät gesetzten Mäuse deutlich mehr fettreiches Futter als ihre Artgenossen, die keine Diät gemacht hatten.

"Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Diät zu halten nicht nur den Stresslevel erhöht, was erfolgreiches Abnehmen an sich schwieriger macht. Vielmehr scheint eine Diät auch tatsächlich neu zu programmieren, wie das Gehirn auf zukünftigen Stress reagiert", sagt Bale. In Zukunft könnten demnach speziell auf diesen Mechanismus zielende Wirkstoffe Diätwilligen beim Durchhalten helfen und möglicherweise auch den später einsetzenden Jo-Jo-Effekt verhindern. Erst vor wenigen Tagen hatten Wissenschaftler eine Studie präsentiert, die zeigen sollte, welche Ernährung den Jo-Jo-Effekt bändigen kann.

boj/dapd

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Übergewicht und Fettsucht
Die Fettsuchtepidemie
Die Fettsucht, auch Adipositas genannt, gehört in den Industrienationen zu den führenden Auslösern von Todesfällen und Invalidität. Studien zufolge ist die Krankheit weltweit für jährlich rund 2,6 Millionen Todesfälle und mindestens 2,3 Prozent der Gesundheitskosten verantwortlich.
Folgeerkrankungen
Die Adipositas kann Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Herz- und Kreislauferkrankungen, Schlaganfälle und psychische Beschwerden hervorrufen. Die Weltgesundheitsorganisation und auch die US-Gesundheitsbehörden sprechen inzwischen von einer Fettsuchtepidemie, die ebenso bekämpft werden müsse wie tödliche Infektionskrankheiten.
Body-Mass-Index (BMI)
Ob jemand übergewichtig oder fettsüchtig ist, ermitteln Mediziner anhand des Body-Mass-Index (BMI). Dieser Wert entspricht dem Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in Metern. Ein Beispiel: Ein 1,80 Meter großer Mann wiegt 75 Kilogramm. Sein BMI beträgt 75 : 1,80² = 23,15. Als Idealwert gilt bei Frauen ein BMI von 22, bei Männern ein BMI von 24.
BMI-Tabellen
Der "wünschenswerte" BMI hängt vom Alter ab. Die linke Tabelle zeigt die entsprechenden Werte für verschiedene Altersgruppen. Die rechte Tabelle zeigt die BMI-Klassifikation (nach DGE, Ernährungsbericht 1992):

Alter BMI
19-24 Jahre 19-24
25-34 Jahre 20-25
35-44 Jahre 21-26
45-54 Jahre 22-27
55-64 Jahre 23-28
>64 Jahre 24-29

Klassifikation männl. weibl.
Untergewicht unter 20 unter 19
Normalgewicht 20-25 19-24
Übergewicht 25-30 24-30
Adipositas 30-40 30-40
massive Adipositas über 40 über 40

Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen
Übergewicht
Zur Definition von Übergewicht wird der sogenannte Körpermassen-Index (BMI) herangezogen. Durch das Wachstum und die Pubertätsentwicklung sowie den damit verbundenen Änderungen der Körperzusammensetzung unterliegt der BMI alters- und geschlechtsspezifischen Veränderungen. Ein BMI von 25-29,9 gilt als Indiz für Übergewicht.
Adipositas
Das Krankheitsbild der Adipositas ist gekennzeichnet durch einen erhöhten Körperfettanteil, der krankhafte Auswirkungen haben kann. Menschen mit einem BMI von mehr als 30 gelten als adipös.
Body-mass-Index (BMI)
Der BMI ist definiert als Körpergewicht (kg) dividiert durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat. Normalgewichtige haben einen BMI zwischen 18,5 und 24,9. Ab einem BMI von 25 gelten Personen als übergewichtig. Ab einem BMI von mehr als 30 oder weniger als 18,5 gilt der Betroffene als behandlungsbedürftig.
Häufigkeit
Die "Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland" (KiGGS) hat herausgefunden, dass 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland übergewichtig sind. Bei rund 6,3 Prozent der Kinder und Jugendlichen liegt eine Adipositas vor. Bei den Drei- bis Sechsjährigen liegt der Anteil der Übergewichtigen bei neun Prozent, mehr als 15 Prozent der Sieben- bis Zehnjährigen sowie 17 Prozent der 14- bis 17-Jährigen leiden unter Übergewicht. Eine Adipositas haben laut KiGGS 2,9 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen, 6,4 Prozent der Sieben- bis Zehnjährigen sowie 8,5 Prozent der 14- bis 17-Jährigen. Der Anteil der übergewichtigen Kinder und Jugendlichen ist im Vergleich zu den Referenzdaten aus den Jahren 1985-1999 um 50 Prozent gestiegen. Die Häufigkeit der Adipositas hat sich demnach sogar verdoppelt. Eine deutliche Zunahme der Erkrankungen ist seit Beginn der achtziger Jahre zu verzeichnen.
Folgeerkrankungen
Unterschieden werden können medizinische und psychiatrische beziehungsweise psychologische Folgeerkrankungen. Etwa ein Drittel aller übergewichtigen Kinder leiden unter Bluthochdruck. Hinzu kommen Fettstoffwechselstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie ein erhöhtes Risiko einer Diabetes mellitus Typ 2 (Altersdiabetes) Erkrankung. Bei den seelischen Erkrankungen ist es schwierig, Ursachen und Folgen der Adipositas zu unterscheiden. Zu diesen Erkrankungen gehören Depressionen, Angststörungen sowie Essstörungen.
Risikofaktoren
Laut der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin gibt es vor allem zwei Risikofaktoren einer Erkrankung im Kindes- und Jugendalter. Sowohl eine familiäre Belastung (Übergewicht der Eltern) als auch eine bestimmte ethnische Zugehörigkeit und ein niedriger sozialer Status (gemessen an Einkommen und Schulbildung der Eltern) gelten als Risikofaktoren.