Tropenkrankheit: Malaria-Impfstoff überzeugt in Pilotstudie

Sporozoiten von Plasmodium falciparum:  Geschwächte Erreger im Impfstoff  Zur Großansicht
Stephen Hoffman, Sanaria

Sporozoiten von Plasmodium falciparum: Geschwächte Erreger im Impfstoff

Ein neuer Malaria-Impfstoff zeigt in einer klinischen Studie gute Ergebnisse: Er schützte den Großteil der Teilnehmer vor einer Infektion. Von einem Durchbruch wollen die Wissenschaftler jedoch noch nicht sprechen.

Es war ein großer Dienst für die Wissenschaft, den die Forscher ihren Probanden abverlangt haben: Um einen neuen Malaria-Impfstoff zu testen, haben sich Teilnehmer von infizierten Moskitos beißen lassen. Auf diesem Weg zeigte sich, dass mehrere hohe Dosen des sogenannten PfSPZ-Impfstoffes tatsächlich einen Schutz vor der gefährlichen Tropenkrankheit gaben.

Forscher suchen schon lange nach einem zuverlässigen Impfschutz gegen Malaria. Bislang dienen vor allem Moskitonetze in Risikogebieten als Schutz - sowie die gezielte Bekämpfung der die Krankheit übertragenden Mücken.

Aktuellen Schätzungen zufolge ist Malaria wieder auf dem Vormarsch. Im Jahr 2010 starben demnach 1,17 Millionen an der Tropenkrankheit, die von einzelligen Parasiten, sogenannten Plasmodien, ausgelöst wird. Der häufigste Erreger ist Plasmodium falciparum, um Schutz gegen diese Art ging es auch in dem Experiment, von dem US-Forscher im Fachmagazin "Science" berichten.

Patente angemeldet

Als Impfstoff dienten abgeschwächte Sporozoiten des Malaria-Erregers. Diese sind recht schwer zu gewinnen, berichten die Wissenschaftler. Zuerst muss man Moskitos infizieren, so dass die Erreger in den Mücken heranwachsen. Dann werden die Einzeller geschwächt, indem man sie einer Strahlendosis aussetzt. Und es müssen, das ist der schwierigste Part, genügen Parasiten aus den Speicheldrüsen der Mücken isoliert werden.

Die Impfstoff-Entwicklung führte das Unternehmen Sanaria in Rockville (US-Bundesstaat Maryland) durch. Im Zusammenhang mit der Arbeit wurden mehrere Patentanträge gestellt.

An der frühen klinischen Studie nahmen nur wenige Probanden teil, beteiligt waren hier auch das Walter Reed Army Institute of Research und das Naval Medical Research Center. Die Probanden waren 57 gesunde Menschen im Alter von 18 bis 45 Jahren, die noch nie an Malaria erkrankt waren. 17 erhielten keinen Impfstoff. 40 bekamen mehrere Dosen intravenös verabreicht - und zwar in verschieden hoher Dosierung. Die Probanden, die eine größere Menge Impfstoff erhielten, entwickelten auch mehr Antikörper.

Von infizierten Mücken gestochen

Drei Wochen nach der letzten Impfung wurden 44 Probanden Anopheles-Mücken ausgesetzt, die mit Plasmodium falciparum infiziert waren. Die restlichen Teilnehmer waren aus verschiedenen Gründen vorher ausgeschieden oder mussten diese Prozedur nicht über sich ergehen lassen.

Das Ergebnis:

  • 11 von 12 Teilnehmern, die keine Impfstoff-Dosis erhalten hatten, steckten sich an.
  • 16 von 17 Teilnehmern, die niedrigere Impfstoff-Dosen erhalten hatten, steckten sich an.
  • Nur 3 von 15 Teilnehmern, die höhere Impfstoff-Dosen erhalten hatten, steckten sich an.

Warum man auch nicht Geimpfte den gefährlichen Stichen aussetzte und an dieser Stelle nicht aus Daten auf früheren Versuchen zurückgriff, wird nicht genauer erläutert. Es handle sich um eine Standardprozedur bei der Malaria-Impfstoffforschung, heißt es nur.

"Wir haben gezeigt, dass man aus Sporozoiten einen Impfstoff herstellen kann, der einen wirksamen Schutz bietet", sagt Robert Seder vom Impfstoff-Forschungzentrum des National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID).

Trotzdem sind noch einige Fragen offen, etwa wie lange der Schutz durch den Impfstoff vorhält. Zudem müssten größere Untersuchungen zeigen, welche Nebenwirkungen auftreten können. Auch ist die Produktion des Impfstoffes sehr aufwendig, ebenso wie die intravenöse Verabreichung. Und der Impfstoff muss zudem in flüssigem Stickstoff gekühlt gelagert werden, berichtet "Science".

Anthony Fauci vom NIAID will deshalb auch nicht von einem Durchbruch sprechen. Es seien noch einige Hürden zu bewältigen, bevor man sagen könnte, dass man etwas hätte, was es auf den Markt schaffen könnte. "Wir sind wirklich noch nicht am Ziel. Aber es ist ermutigend, diese guten Ergebnisse zu sehen."

wbr/Reuters

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insgesamt 8 Beiträge
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1. offensichtlich
realburb 09.08.2013
Also bitte, ist doch offensichtliche "Warum man auch nicht Geimpfte den gefährlichen Stichen aussetzte", wenn man den Satz vorher gelesen hat:"11 von 12 Teilnehmern, die keine Impfstoff-Dosis erhalten hatten, steckten sich an. " Nicht jeder der gestochen wird bekommt Malaria und wenn ich eine Statistik mache um zu beweisen, dass mein Mittel wirkt, dann muss ich das berücksichtigen.
2. Überzeugend.
maschinchen 09.08.2013
Zitat von realburbAlso bitte, ist doch offensichtliche "Warum man auch nicht Geimpfte den gefährlichen Stichen aussetzte", wenn man den Satz vorher gelesen hat:"11 von 12 Teilnehmern, die keine Impfstoff-Dosis erhalten hatten, steckten sich an. " Nicht jeder der gestochen wird bekommt Malaria und wenn ich eine Statistik mache um zu beweisen, dass mein Mittel wirkt, dann muss ich das berücksichtigen.
Da haben die Autoren aber Glück gehabt, dass Sie kein Fachgutachter bei Science gewesen sind. Im Ernst: Dazu fällt mir folgender Spruch von Kurt Tucholsky ein ein: Selbst wenn sie so schlauch wären wie sie sich klug vorkommen, wären sie immer noch dumm genug.
3.
Zorpheus 09.08.2013
Zitat von maschinchenDa haben die Autoren aber Glück gehabt, dass Sie kein Fachgutachter bei Science gewesen sind. Im Ernst: Dazu fällt mir folgender Spruch von Kurt Tucholsky ein ein: Selbst wenn sie so schlauch wären wie sie sich klug vorkommen, wären sie immer noch dumm genug.
Naja, man weiß sicherlich schon wie die Infektionsraten von Malaria normalerweise sind. Trotzdem sollte es so eine Kontrollgruppe geben, allein schon um die Erreger-Lösung zu testen die man verwendet. Ansonsten würde man ja zweifeln, ob die Lösung überhaupt funktioniert hat, oder zu warm / zu kalt geworden ist oder wer weiß was noch falsch gelaufen ist.
4.
testthewest 09.08.2013
Zitat von ZorpheusNaja, man weiß sicherlich schon wie die Infektionsraten von Malaria normalerweise sind. Trotzdem sollte es so eine Kontrollgruppe geben, allein schon um die Erreger-Lösung zu testen die man verwendet. Ansonsten würde man ja zweifeln, ob die Lösung überhaupt funktioniert hat, oder zu warm / zu kalt geworden ist oder wer weiß was noch falsch gelaufen ist.
Nunja, üblicherweise laufen solche Studien eher so ab, dass man in einem Endemiegebiet ein Teil der Bevölkerung impft und dann nach einem Zeitraum schaut, wer sich angesteckt hat. Dann vergleicht man die Raten der Geimpften Bevölkerung mit der Ungeimpften und hat den Effekt. Auf diese (übliche) Weise wird auch kein ethisches Problem erzeugt.
5. Zumindest einer der am Malaria-Impfstoff forscht
raber 09.08.2013
Über 1,1 Millionen Tote an Malaria in einem Jahr. Das muss man sich einmal vorstellen. Dabei könnte es sein, dass die Zahl erheblich höher ausfällt da Todesfälle in ärmeren und ländlicheren Gegenden nicht gemeldet werden oder die Gesundheitsbehörden es auch aus politischen Gründen unterlassen. Natürlich forscht Big-Pharma hier überhaupt nicht. Ist so wie bei Dengue und anderen Armen-Krankheiten. Zwar unterscheiden diese Moskitos nicht nach Einkommen aber je besser das Einkommen desto mehr die Schutzmassnahmen die getroffen werden können. Ähnlich ist es mit Dengue und anderen Tropenkrankheiten. Da bei armen Leuten und Ländern mit einem schwachen Gesundheitssystem für solche Krankheiten kaum Gewinn anfällt, ist es fur Big-Pharma nicht attraktiv.
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