Tropenkrankheit: Resistenzen erschweren Kampf gegen Malaria
Die Zahl der Malaria-Todesopfer sinkt, dennoch blicken Skeptiker in eine düstere Zukunft: Noch bekämpfen Insektizide und Medikamente in Afrika wirksam Mücken und Parasiten. Es ist allerdings nur eine Frage der Zeit, bis sich Resistenzen verbreiten werden.
Hamburg - Die Vereinten Nationen haben ein ambitioniertes Ziel: Bis 2015 soll kein Mensch mehr an Malaria sterben, verkündete die Organisation im April zum Welt-Malaria-Tag. Das dürfte allerdings mehr als schwierig werden. Die Zahl der Menschen, die jedes Jahr an Malaria sterben, ist zwar seit einiger Zeit rückläufig - doch noch immer handelt es sich um eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Erde.
Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von Ende 2011 sterben jährlich rund 650.000 Menschen an der Krankheit, 91 Prozent davon in Afrika. Datenanalysen amerikanischer Forscher zeichnen sogar ein deutlich pessimistischeres Bild: Sie gehen davon aus, dass der Krankheit jährlich mehr als eine Million Menschen erliegen. Resistenzen gegen Medikamente und andere Mittel würden den Kampf gegen die Krankheit in Zukunft sogar weiter erschweren.
Resistenzen drohen sich von Asien nach Afrika auszubreiten
Der Überträger des Malaria-Erregers, Stechmücken der Gattung Anopheles, leben in vielen Teilen Asiens, Afrikas und Südamerikas. Mitunter hinterlassen sie beim Stich sichelförmige einzellige Parasiten, die Plasmodien. Um die Malaria-Erreger nach einer Ansteckung zu bekämpfen, existieren nur wenige sicher wirksame Mittel, einer der wichtigsten Stoffe ist das sogenannte Artemisinin.
Bereits vor Jahren warnte die Weltgesundheitsorganisation davor, dass Artemisinin nicht auf Dauer ein Allheilmittel sein würde. Im Jahr 2009 schließlich wurden aus Kambodscha Resistenzen des Erregers Plasmodium falciparum gegen das Mittel bekannt. Er hatte seine Struktur so verändert, dass die Medikamente ihre Wirkung verloren.
Seither herrscht die Angst, dass Resistenzen auch die Länder Afrikas südlich der Sahara erreichen könnten, in denen das Risiko einer Malariainfektion noch wesentlich höher ist als in weiten Teilen Kambodschas. In dieser Hinsicht gibt eine Studie nun vorerst Entwarnung, zumindest für Mali: Bei Untersuchungen mit Kindern entfaltete das Medikament noch seine volle Wirkung, schreiben Forscher um Abdoulaye Djimde von der University of Bamako im "American Journal of Tropical Medicine and Hygiene".
Die Wissenschaftler hatten für ihre Analyse insgesamt 100 Kinder aus einem Dorf im Süden Malis behandelt, in dem sehr viele Malaria-Erkrankungen auftreten. Im Mittel verschwand der Erreger bei den zwischen einem Jahr und zehn Jahre alten Kindern binnen 32 Stunden - ein Zeichen, für eine gute Wirkung.
In den Gebieten Kambodschas, in denen es Resistenzen gibt, habe das Medikament erst nach 84 Stunden den Erreger voll verdrängen können, schreiben die Forscher. "Unsere Studie zeigt, dass es in dieser Region Afrikas keine Artemisinin-Resistenzen zu geben scheint", sagt Djimide. In Mali werde das Medikament allerdings auch erst seit 2004 großflächig verwendet, in Kambodscha hingegen schon mehr als 30 Jahr lang.
Insektizid DDT: Krebserregend, aber erfolgreich
Ähnlich verhalten positive Nachrichten verbreitete eine Forschergruppe von der North Carolina Central University und der Duke University in Durham, nachdem sie die Wirkung von Raumsprays mit Insektiziden auf die Verbreitung von Malaria untersucht hatten.
Ihre Auswertung 13 verschiedener Studien zeigte, dass die Zahl der Infektionen durch die Sprüheinsätze im Schnitt um 62 Prozent zurückgeht - obwohl die Mücken immer resistenter gegen einige weit verbreitete Insektizide geworden sind. Als wirksamstes Mittel erwies sich allerdings das umstrittene Insektizid Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT), berichten die Forscher ebenfalls im "American Journal of Tropical Medicine and Hygiene".
DDT wurde in der Landwirtschaft jahrzehntelang als Kontakt- und Fraßgift eingesetzt und ist vor allem wegen hormonähnlicher Wirkungen umstritten. Zudem besteht der Verdacht, dass DDT Krebs auslösen kann. In den meisten westlichen Industrieländern ist der Einsatz seit langem verboten.
"Unsere Ergebnisse zeigen, dass DDT effektiver das Malariavorkommen reduziert als Pyrethroide oder andere Insektizide", schreiben die Wissenschaftler. Derzeit würden bei den Sprays am häufigsten Pyrethroide verwendet, doch in den vergangenen Jahren seien die Überträgermücken in vielen Malaria-Gebieten unempfindlich dagegen geworden. Es gelte, die Gesundheitsgefahren von DDT von Fall zu Fall gegen den erzielten Nutzen abzuwägen, geben die Forscher zu bedenken.
Die Forschung vorantreiben
Auch wenn die Ergebnisse auf den ersten Blick positiv wirken, gibt es keinen Anlass, sich auf ihnen auszuruhen. Noch sind keine neuen, hochwirksamen Malaria-Medikamente in Sicht. "Wir sind immer noch mehrere Jahre von einem lizenzierten und verfügbaren Medikament entfernt, das Artemisinin ersetzen könnte", schreiben Forscher des Columbia University Medical Center in einem Editorial zu den nun veröffentlichten Studien.
Hinzu kommt, dass gefälschte oder mangelhafte Medikamente den Erfolg im Kampf gegen Malaria zusätzlich gefährden. Bei Stichproben verschiedener Malaria-Medikamente der Jahre 2002 bis 2010 zeigte sich, dass in Afrika immer wieder gefälschte Medikamente mit wenig oder gar keinem Artemisinin verkauft werden, berichtete ein Forscherteam im Fachblatt "Malaria Journal".
Werden die Parasiten den geringeren Dosen ausgesetzt, sterben nicht alle ab. Auf diese Weise können Erreger herangezüchtet werden, die resistent gegen die noch wirksamen Präparate sind. Eine zusätzliche Hürde im Kampf gegen die Krankheit.
irb/dpa
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- Artemisinin in Mali noch voll wirksam: Studie im Fachjournal "American Journal of Tropical Medicine and Hygiene"
- Raumsprays mit Insektiziden reduzieren erfolgreich Malaria-Infektionen: Metaanalyse im Fachjournal "American Journal of Tropical Medicine and Hygiene"
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