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Verwandt mit Ebola: Neues Medikament schützt Affen vor Marburgfieber

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Marburg-Virus: 2005 starben Hunderte Menschen in Angola an einer Infektion Zur Großansicht
C. Bickel/ Science Translational Medicine

Marburg-Virus: 2005 starben Hunderte Menschen in Angola an einer Infektion

Erstmals gibt es ein Medikament, das Affen vor dem sicheren Tod durch das Marburg-Virus schützt - auch noch einige Tage nach der Infektion. Das Mittel funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie ein Ebola-Medikament, das derzeit getestet wird.

Als die Forscher ihr Medikament spritzten, waren schon die ersten Symptome sichtbar. Affen mit dem Marburg-Virus sollten zeigen, ob ein neu entwickeltes Medikament gegen die Infektion Wirkung zeigt. Und das tat es: Zum ersten Mal haben die Wissenschaftler mit dem Marburg-Virus infizierte Makaken vor dem sicheren Tod bewahrt - und das auch noch, wenn sie den Stoff erst einige Tage nach der Ansteckung spritzten.

Infiziert wurden die Affen mit der gefährlichsten Variante des Virus, die zuletzt 2005 eine Seuche in Angola ausgelöst hat. Mehrere Hundert Menschen starben. Dieses Marburg-Virus hat Ähnlichkeit mit dem Ebola-Virus, das derzeit in Westafrika wütet: Beide gehören zur Familie der Filo-Viren, führen zu einer ähnlichen Sterblichkeitsrate, und sie lösen so ähnliche Symptome aus, dass sich ohne Bluttest oft nicht unterscheiden lässt, welches Virus die Ursache ist.

"Der zunehmend häufige Ausbruch von durch Filo-Viren verursachtem Fieber in Afrika zeigt die Gefahr für den Menschen", sagt Thomas Geisbert von der University of Texas. Weder gegen das Ebola- noch gegen das Marburgfieber gibt es bislang eine effektive Therapie mit Arzneien, die regulär zugelassen wurden.

Der Therapieansatz, den die Forscher nun weiter untersucht haben, könnte gegen beide Erkrankungen helfen - eines der Ebola-Medikamente, die derzeit in Westafrika eingesetzt werden können, funktioniert bereits nach dem gleichen Prinzip. Es steht aber in der Kritik, dass es möglicherweise nur wirkt, wenn es direkt nach der Ansteckung gespritzt wird.

Alle behandelten Affen überlebten

In der aktuellen Untersuchung gaben Geisbert und Kollegen 21 Makaken ein gentechnisch hergestelltes Mittel, das aus winzigen Erbgut-Schnipseln, den siRNA-Molekülen, besteht. Die siRNAs heften sich gezielt an Überbringermoleküle, die in den Zellen Informationen zum Bau von Proteinen für die Viren weitergeben. Die Proteine können dann nicht mehr hergestellt werden, die Virus-Partikel gehen kaputt - so die Idee.

Tatsächlich überlebten im Versuch alle 16 Affen, die das Medikament bekommen hatten. Die Affen wurden zu unterschiedlichen Zeiten nach der Infektion behandelt. Auch solche, die erst nach drei Tagen therapiert wurden und schon Symptome wie Fieber zeigten, überstanden die Infektion mit dem Marburg-Virus. Die fünf Affen, die infiziert, aber nicht behandelt wurden, starben dagegen nach sieben bis neun Tagen.

Als nächstes wollen Geisbert und Kollegen prüfen, wie weit sich der Behandlungszeitraum noch nach hinten verschieben lässt, bis das Mittel nicht mehr anschlägt, weil sich das Virus bereits zu stark im Körper ausgebreitet hat. "Es gibt einen Punkt, an dem sowohl das Marburg-, als auch das Ebola-Virus so großen Schaden im Körper angerichtet haben, dass es wirklich kein Mittel mehr gibt, das irgendwen retten könnte", sagt Geisbert. "Wir wissen immer noch nicht, wann dieser Zeitpunkt überschritten ist."

Gleiches Prinzip bei Ebola

Die Ergebnisse der aktuellen Studie zeigten aber, dass man das Marburg-Virus auch noch in einem relativ späten Stadium bekämpfen könne - selbst dann, wenn es sich schon im Blut nachweisen lasse, berichten die Forscher im Fachmagazin "Science Translational Medicine". "Die Technologie könnte auch das Potenzial haben, Ebola zu bekämpfen", folgert Geisbert.

Frühere Studien des Forschers hatten gezeigt, dass entsprechend angepasste siRNAs auch gegen das Ebola-Virus wirken. Damals hatten die Forscher Makaken den Stoff bis zu 48 Stunden nach der Infektion verabreicht. In dieser Phase zeigen die Tiere noch keine Symptome. Aus dem Experiment entwickelte das Unternehmen Tekmira Pharmaceuticals, das auch an der aktuellen Studie beteiligt ist, das Mittel TKM-Ebola.

TKM-Ebola wurde bereits an ein paar Menschen getestet. Derzeit läuft eine erste klinische Studie unter Auflagen und das Mittel darf mit dem Virus infizierten Patienten in Westafrika verabreicht werden. Ob es dort schon gespritzt wurde, ist unklar. Bisher wurden Erkrankte vor allem mit dem sich ebenfalls noch in der Entwicklung befindenden Mittel ZMapp behandelt, das nach einem anderen Wirkprinzip funktioniert.

Zwickmühle bei der Behandlung von Ebola

Derzeit breitet sich Ebola vor allem in Guinea, Liberia und Sierra Leone aus. In einer Telefonkonferenz darauf angesprochen, inwieweit TKM-Ebola nun in Afrika eingesetzt werden solle, nachdem es weitere Hinweise für die späte Wirksamkeit der siRNAs gibt, hält sich Geisbert deutlich zurück. Zwar hatte die WHO am 12. August den Einsatz experimenteller Medikamente wie TKM-Ebola im Kampf gegen Ebola erlaubt, doch dieser wirft ethische Fragen auf.

Ein Problem besteht darin, dass das bereits einige Male eingesetzte Mittel ZMapp nur in begrenzter Menge zur Verfügung steht. Wer darf es bekommen, wer nicht? TKM-Ebola ließe sich schneller nachproduzieren. Ob es sicher ist oder schwere Nebenwirkungen hat, weiß aber ebenfalls niemand.

Inwieweit die aktuellen Studienergebnisse unmittelbar bei der Ebola-Bekämpfung helfen können, lässt sich schwer beantworten. Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg und andere deutsche Forschungseinrichtung, die sich mit Filo-Viren befassen und nicht an der aktuellen Untersuchung beteiligt waren, wollen sich auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht äußern.

Nach Veröffentlichung dieses Artikels meldete sich Stephan Becker, Virologe der Universität Marburg auf unsere Anfrage. Er hält die Studie für sehr vielversprechend. "Die Tiere konnten zu einem Zeitpunkt behandelt werden, als schon Fieber ausgebrochen war. Das ist sehr gut", schreibt er. "Ob das Mittel aber genauso gut gegen das Ebola-Virus wirkt, muss man sehen, da gab es in der Vergangenheit doch manchmal Unterschiede auch zwischen diesen beiden Viren." Der Behandlungsansatz stecke noch in den Kinderschuhen.

POTENZIELLE MITTEL GEGEN EBOLA
ZMapp
Bei dem Serum namens ZMapp handelt es sich um einen Cocktail aus drei verschiedenen sogenannten monoklonalen Antikörpern. ZMapp, in Studien auch MB-003 genannt, wird von der US-Firma Mapp Biopharmaceutical Inc. aus San Diego hergestellt. Dazu werden gentechnisch veränderte Tabakpflanzen genutzt, aus denen die Antikörper isoliert und aufgereinigt werden. Doch die Herstellung dauert Monate.

2012 erschien erstmals eine Studie in den "Proceedings of the National Academy of Sciences", die die Wirkung des Serums beschreibt. Spätere Versuche bei Affen zeigten, dass die Antikörper dem Immunsystem helfen, infizierte Zellen zu eliminieren - auch wenn man das Serum verabreicht, nachdem die ersten Anzeichen des Ebola-Fiebers ausgebrochen sind.

Bei dem Ebola-Ausbruch in Westafrika wurden bis Mitte August drei Menschen mit ZMapp behandelt: Eine Missionarin und ein Arzt aus den USA sowie ein Geistlicher aus Spanien, der inzwischen verstorben ist. Ob ZMapp den US-Amerikanern geholfen hat, ist völlig unklar. Ebenso welche Nebenwirkungen es im Menschen haben kann.
TKM-Ebola
TKM-Ebola ist ein gentechnisch hergestelltes Mittel, das von der kanadischen Firma Tekmira Pharmaceuticals in Burnaby produziert wird. Es handelt sich dabei um kleine Erbgut-Schnipsel, sogenannte siRNA-Moleküle, die die Vermehrung des Virus bremsen sollen.

Im Januar hatte die Tekmira mit ersten Versuchen an Menschen begonnen. Doch die US-Zulassungsbehörde FDA hatte die Versuche aus Mangel an Daten darüber wie die Therapie wirkt und aus Mangel an Daten zur Sicherheit des Medikaments, zunächst unterbrochen. Inzwischen hat die FDA die Studie wieder unter Auflagen freigegeben.

Auch TKM-Ebola hatte bei Versuchen an Primaten Wirkung gezeigt. Im Gegenteil zu ZMapp aber könnte es sein, dass sich TKM-Ebola nur für eine rasche Behandlung sofort nach der Ansteckung mit dem Virus eignet. Vorteil: Das Mittel lässt sich schneller produzieren als ZMapp.
VSV-Vakzine
Neben den Mitteln, die Erkrankten helfen sollen, das Ebola-Virus zu besiegen, gibt es auch Impfstoffe in der Entwicklung. Sie sollen vor einer Infektion mit Ebola schützen.

Einer der Impfstoffe stammt ursprünglich aus dem Labor von Geisberts Forscherteam. 2005 veröffentlichten die Wissenschaftler erstmals eine Studie über die sogenannte VSV-Vakzine. Diese besteht aus dem Vesicular stomatitis Virus, ein Virus, das eng mit dem Tollwutvirus verwandt ist und dessen Erbgut gentechnisch verändert ist, sodass es zwar keine Krankheit mehr im Menschen verursachen kann, aber dennoch die Immunabwehr dazu anregt, Antikörper dagegen zu produzieren.

Auch in Kanada forschen Wissenschaftler an einer solchen VSV-Vakzine namens VSV-EBOV, die bisher nur an Affen und nicht an Menschen getestet wurde. Am 13. August erklärte die kanadische Gesundheitsbehörde, dass man der WHO 800 bis 1000 Ampullen VSV-EBOV zur Verfügung stellen werde. Die Firma NewLink Genetics Corp hält die Lizenz für den Impfstoff. Sie kündigte an, die VSV-Vakzine in Zusammenarbeit mit US-Sondereinheit Defense Threat Reduction Agency (DTRA) bald in einer ersten humanen klinischen Studie zu testen. Dazu sollen in den nächsten Wochen weitere Dosen des Impfstoffs produziert werden.

Der Imfpstoff könnte nach Angaben des Virologen Stephan Becker von der Universität in Marburg ab Herbst auch vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung an Menschen getestet werden, falls genügend Impfdosen zur Verfügung stehen - und sich Geldgeber finden.
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1. MeineFrage ist ?
hatschon 21.08.2014
Wer und was will nicht das diese Seuche gestoppt wird ? Warum wird nicht dagegen gekämpft ? Die Evolution kennt kein Erbarmen und die Wissenschaft auch nicht?
2.
sample-d 21.08.2014
Zitat von hatschonWer und was will nicht das diese Seuche gestoppt wird ? Warum wird nicht dagegen gekämpft ? Die Evolution kennt kein Erbarmen und die Wissenschaft auch nicht?
Der gleiche der nicht will, dass das schlechte Wetter besser wird. Ich denke man kann davon ausgehen, dass alle Ärzte die dort im Einsatz sind alles geben, um die Ausbreitung zu stoppen. Manche Dinge sind nun mal den Umständen geschuldet und hängen von vielen Faktoren ab - in diesem Fall mangelnde AUfklärung der Bevölkerung und schlechte Infrastruktur. Die Welt ist nicht so einfach strukturiert, wie sie sich Verschwörungstheoretiker wünschen...
3.
cabona 21.08.2014
Zitat von hatschonWer und was will nicht das diese Seuche gestoppt wird ? Warum wird nicht dagegen gekämpft ? Die Evolution kennt kein Erbarmen und die Wissenschaft auch nicht?
Grüne weil die ja gegen Gen-Technik sind. ;)
4. Biren und ihre popelige Verwandtschaft
hermannheester 24.08.2014
Sie machen der Menschheit nur Ärger und Stress und das seit es Menschen gibt. Viren gab es ja vorher schon. Nun ist also ein "armer Verwandter" des Ebola Virsusses enteckt und geimpft worden und schon hat sich die Krankheit eines vor lauter gelebtem Tierschutz krank gespritzten Halbaffen deutlich verbessert. Scheint, hier war der Wunsch der Vater des Gedanken
5. eh voilá! - Ebolá.
cassandros 24.08.2014
Zitat von hermannheesterSie machen der Menschheit nur Ärger und Stress und das seit es Menschen gibt. Viren gab es ja vorher schon. Nun ist also ein "armer Verwandter" des Ebola Virsusses enteckt und geimpft worden und schon hat sich die Krankheit eines vor lauter gelebtem Tierschutz krank gespritzten Halbaffen deutlich verbessert. Scheint, hier war der Wunsch der Vater des Gedanken
Schaumama.... 1) Das Marburg-Virus ist kein "amer" Verwandter des Ebola-Virus, sondern ein naher (!) - http://www.n-tv.de/wissen/Das-Marburg-Virus-article243552.html 2) Es ist ganz genauso gefährlich sein Verwandter: - http://de.wikibooks.org/wiki/Medizinische_Mikrobiologie:_Filoviridae 3) sind Rhesusaffen keines Halbaffen, sondern ganze. 4) wurden die Tiere nicht geimpft (und die Viren schon gar nicht!), sondern p.i. "behandelt". Und zwar mit einer wirksamen Ribonucleinsäure (RNS). Das ist ein gänzlich neuer Ansatz (!) zur Behandlung von Virusinfektionen. Es kann gut sein, daß dieses Behandlungsprinzip auf andere, vielleicht sogar alle viralen Infektionen anwendbar ist. Das wäre ein enormer medizinischer Durchbruch. Scheint, bei dir war Ahnungslosigkeit der Vater des Beitrags.
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Das Ebolavirus
Ebolafieber
Die Erkrankung beginnt wie eine Erkältung: Fieber, Kopf-, Hals- und Muskelschmerzen sind meistens die ersten Symptome. Hinzu kommen Übelkeit und, nach fünf bis sieben Tagen, schwere Schleimhautblutungen im Magen-Darm- und Genitaltrakt. Die für die Blutgerinnung wichtigen Blutplättchen (Thrombozyten) sind bei vielen Patienten stark verringert, die Patienten drohen innerlich zu verbluten. Später versagen die Nieren ihren Dienst, schließlich das Herz-Kreislauf-System. Eine Heilung gibt es bislang nicht, 50 bis 80 Prozent aller Betroffenen sterben.
Virus
Die Viren stammen vor allem aus Afrika und Südostasien. Sie gehören zu den sogenannten Filo-Viren, von denen bislang drei Stämme bekannt sind (Ebola-, Marburg- und Reston-Virus). Vor allem Ebola- und Marburg-Virus ähneln sich stark und lassen sich anhand der Symptome beim Menschen nur schwer unterscheiden. Allerdings unterscheiden sie sich in ihren Antigenstrukturen.
Ansteckung
Die Übertragung der Ebolaviren von Mensch zu Mensch findet durch infizierte Körpersekrete statt. Die Inkubationszeit beträgt zwei bis 21 Tage. Ist von einer Infektion noch nichts bekannt, können sich die Viren innerhalb eines Krankenhauses immer dann ausbreiten, wenn Hygienemaßnahmen nicht streng verfolgt werden. Zur Vermeidung von Ansteckungen muss das Krankenhauspersonal engen Kontakt zum Infizierten meiden und ihn isolieren. Vor allem mit Blut und anderen Sekreten kontaminiertes Material muss fachgerecht entsorgt werden.

In Deutschland gibt es in neun Städten Sonderisolierstationen: in Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Düsseldorf, Leipzig, Würzburg, Stuttgart und Saarbrücken.
Nachweis
Um eine Infektion mit Ebolaviren zu diagnostizieren, muss ein Labor entweder die Viren selbst, Bestandteile oder spezifische Antikörper gegen die Erreger nachweisen. Es besteht Meldepflicht.
Epidemien
Häufig gehen Epidemien beim Menschen von infizierten Menschenaffen aus, der Hauptwirt des Virus ist jedoch noch nicht bekannt.

2000 erkrankten in Uganda 425 Menschen bei ein Epidemie, mehr als die Hälfte (53%) starb.

2003 breitete sich das Virus in Kongo-Brazzaville aus, 140 Menschen erkrankten, 123 starben.

2007 war wieder Uganda betroffen: Laut Weltgesundheitsbehörde WHO erkrankten 121 Menschen, 35 fielen der Infektion zum Opfer.

2009 war die Demokratische Republik Kongo betroffen: Von 36 Betroffenen starben nach Angaben der WHO zwölf.

Seit Dezember 2013 grassiert das Ebolavirus in Westafrika. Es ist der bisher größte bekannte Ausbruch. Bis Mitte August 2014 starben mehr als 1000 Menschen an den Folgen einer Infektion.

Zu weiteren Ausbrüchen kam es im Sudan, Gabun und an der Elfenbeinküste.


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