Fehlender Impfschutz: Masern fordern fast 140.000 Todesopfer

Die Masern zurückdrängen - das Ziel hat sich die Weltgesundheitsorganisation WHO gesetzt. Tatsächlich sinkt dank der Impfung die Zahl der Todesfälle weltweit. Dennoch zeigen aktuelle Zahlen, dass mehr als 139.000 Menschen in einem Jahr an den Folgen einer Masern-Infektion gestorben sind.

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Impfung gegen die Masern: WHO will die Kinderkrankheit weltweit zurückdrängen

Genf - Der Kampf gegen die Masern zeigt Erfolge. Doch ihr Ziel, die Masern-Sterblichkeit im Jahr 2010 im Vergleich zum Jahr 2000 um 90 Prozent zu senken, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verfehlt.

Grund ist offenbar vor allem mangelnder Impfschutz in Indien und Afrika, berichten Forscher im Fachjournal "The Lancet". Masern sind hoch ansteckend, es existiert jedoch eine Impfung - und zwar bereits seit 1963.

Aus zwei Drittel der erfassten Länder liegen keine genauen Zahlen dazu vor, wie viele Menschen an den Folgen einer Infektion mit dem Masern-Virus verstorben sind. Die Forscher um Emily Simons von der WHO mussten diese Zahlen daher indirekt bestimmen - vor allem über dokumentierte Masern-Fälle. Demnach starben 139.300 Menschen im Jahr 2010 durch die Masern, im Jahr 2000 waren es 535.300 gewesen. Das entspreche einer Senkung um 74 statt 90 Prozent.

Besonders viele Fälle in Indien und Afrika

In Indien seien 47 Prozent der weltweiten Masern-Todesfälle des Jahres 2010 zu beklagen gewesen; in Afrika 36 Prozent, in Südostasien 8 Prozent, in der östlichen Mittelmeer-Region 7 Prozent. Nordamerika und Europa verzeichneten jeweils weniger als ein Prozent der Todesfälle.

Die Autoren betonen, dass in Indien der Schutz gegen Masern mit 74 Prozent der impfbaren Bevölkerung vergleichsweise gering sei und noch hinter der Quote in Afrika liege (76 Prozent).

Im Jahr 2008 hatten sich alle der mehr als 190 WHO-Mitgliedstaaten zum Ziel bekannt, die Masern-Sterblichkeit bis 2010 im Vergleich zu 2000 um 90 Prozent zu senken. Die ehrgeizige Aufgabenstellung war aufgrund früherer Erfolge bei der Masern-Bekämpfung als erreichbar angesehen worden: 2007 bescheinigte eine globale Studie, dass das WHO-Ziel einer Senkung der Masern-Sterblichkeit um 50 Prozent bis 2005 im Vergleich zu 1999 erreicht worden sei. Neuere weltweite Zahlen als die für 2010 liegen noch nicht vollständig vor.

In Europa, so hatte die WHO ursprünglich gehofft, könnten die Masern bis 2010 sogar ganz ausgerottet sein. Dies ist jedoch nicht gelungen, vor allem in Deutschland erkranken jährlich Hunderte Kinder. Das Robert-Koch-Institut registrierte 1607 Masern-Fälle im Jahr 2011 in Deutschland.

Masern-Viren können etwa beim Husten und Sprechen übertragen werden. Masern zählen zu den Kinderkrankheiten. Aber auch Jugendliche und Erwachsene können sich anstecken; der Krankheitsverlauf ist dann oft schwerer. Typische Symptome sind neben Hautausschlag unter anderem Husten und Fieber. Es können zudem schwere Komplikationen wie Lungen - oder Gehirnentzündung auftreten.

wbr/dpa

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