Mausstudie: Gestörte biologische Uhr macht dick

Kommt die innere Uhr aus dem Takt, steigt das Gewicht. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher nach einer Studie mit Mäusen: Fehlte den Tieren ein Uhr-Gen, aßen sie ohne einen festen Rhythmus - und wurden dicker, obwohl sie nicht mehr Kalorien zu sich nahmen.

Dicke Maus (Archivbild): Ohne festen Rhythmus gegessen Zur Großansicht
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Dicke Maus (Archivbild): Ohne festen Rhythmus gegessen

Manche mögen es morgens am liebsten, andere ganz spät in der Nacht: Wann der Magen knurrt, schwankt stark von Person zu Person und von Tag zu Tag. Gesteuert wird das Hungergefühl unter anderem von einem Uhr-Gen, das in der Schaltzentrale des Gehirns, dem Hypothalamus, die Lust aufs Essen auslöst. Geht die genetische Uhr kaputt, kommt nicht nur der Essensrhythmus durcheinander. Dann droht auch Übergewicht, haben Wissenschaftler bei Mäusen beobachtet.

Die Forscher schalteten das Uhr-Gen "Arntl" in den Fettzellen der Mäuse aus. Obwohl die Tiere nicht mehr fraßen, legten sie an Gewicht zu, schreiben die Wissenschaftler um Georgios Paschos und Garret FitzGerald von der Universität Pennsylvania im Fachjournal "Nature Medicine". Sie erhoffen sich von den Ergebnissen auch Erkenntnisse zur Entstehung von Übergewicht bei Menschen.

Die Studie lasse zwei Beobachtungen zu, so die Forscher: "Die erste ist, dass eine relativ geringe Veränderung der Essenszeiten das Speichern zusätzlicher Energie begünstigen kann", erläutert Paschos. "Unsere Mäuse wurden übergewichtig, obwohl sie nicht mehr Kalorien zu sich genommen haben." Diese Verhaltensänderung ähnele nächtlichen Fressattacken des Menschen, die ebenfalls in Zusammenhang mit Übergewicht stehen, wie der Wissenschaftler Albert Stunkard schon 1955 bewies.

Darüber hinaus zeigt das Experiment, dass Körperzellen mitunter der Hauptuhr im Gehirn den Takt vorgeben können. "Wir wissen schon lange, dass die peripheren Uhren unabhängig von der Hauptuhr funktionieren können - schließlich kann ein Schlagzeuger auch ohne Anweisungen des Dirigenten trommeln - aber hier sehen wir jetzt, dass ein anderer Rhythmus der Nebenuhren sogar die Hauptuhr beeinflussen kann", erklärt FitzGerald.

Die Störung der inneren Uhr kann nach Angaben der Forscher zu dauerhaften Stoffwechselstörungen führen. Beispielsweise seien Menschen, die nachts arbeiten, viel anfälliger für Übergewicht und Stoffwechselerkrankungen. Auch hatten Wissenschaftler erst vor kurzem festgestellt, dass Schlafmangel die Hormone durcheinanderbringt - und dadurch hungrig und gefräßig macht.

irb/dpa

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