Französischer Medizinskandal: Arzneimittelaufsicht droht Ermittlungsverfahren

Medikament Mediator: Für mindestens 500 Todesfälle verantwortlich Zur Großansicht
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Medikament Mediator: Für mindestens 500 Todesfälle verantwortlich

Der Skandal um das gefährliche Diabetes-Medikament Mediator weitet sich aus. Die französische Justiz prüft, ob sie ein Ermittlungsverfahren gegen die Arzneimittelaufsicht startet. Der Chef der Behörde wurde bereits vorgeladen.

Im Zusammenhang mit einem der größten Medikamentenskandale Frankreichs droht der Arzneimittelaufsicht (ANSM) des Landes ein Ermittlungsverfahren. ANSM-Chef Dominique Maraninchi wurde am Dienstag wegen der Affäre um das Diabetes-Medikament Mediator von den ermittelnden Untersuchungsrichtern vorgeladen, wie die Behörde in Paris mitteilte.

Die Justiz prüfe die Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens gegen die Behörde "in der Person ihres rechtlichen Vertreters" wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung.

Das vom zweitgrößten französischen Pharmakonzern Servier hergestellte Medikament Mediator wird nach verschiedenen Schätzungen für den Tod von 500 bis 2000 Menschen in Frankreich verantwortlich gemacht. Mindestens 3500 Patienten mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Mediator wurde bis Ende 2009 mehr als 30 Jahre lang verschrieben, zunächst zur Senkung der Blutfettwerte und dann gegen Übergewicht bei Diabetes-Patienten. Auch Nicht-Diabetiker nutzten das Medikament mit dem appetitzügelnden Wirkstoff Benfluorex zum Abnehmen. Insgesamt sollen fünf Millionen Menschen das Mittel eingenommen haben, das zu einer Verdickung der Herzklappen führen kann.

Medikament sehr spät vom Markt genommen

Im Oktober wurden mehrere staatliche Gesundheitsstellen durchsucht, die in dem Skandal in die Kritik geraten waren. So nahm die französische Arzneimittelaufsicht das Medikament, das in Deutschland nie eine Zulassung hatte, erst 2009 vom Markt, obwohl die Gefährlichkeit bereits Ende der neunziger Jahre bekannt gewesen sein soll.

Gegen Servier-Chef Jacques Servier laufen Ermittlungsverfahren wegen Betrugs sowie wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung.

Ein Strafprozess gegen Firmengründer Jacques Servier und vier ehemalige Führungskräfte des Unternehmens startete im Mai 2012 - ihnen drohen bis zu vier Jahre Haft. Der Prozess wurde allerdings für längere Zeit verschoben.

wbr/AFP

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