Auszeichnung 2013 Ein Deutscher und zwei Amerikaner gewinnen Nobelpreis für Medizin

Drei Biochemiker teilen sich den Nobelpreis für Medizin und Physiologie 2013: James Rothman, Randy Schekman und der Deutsche Thomas Südhof. Das gab das Nobel-Komitee in Stockholm bekannt.


Stockholm - Der Medizin-Nobelpreis geht in diesem Jahr an James Rothman, Randy Schekman und den in Deutschland geborenen Thomas Südhof. Sie erhalten die Auszeichnung für ihre Entdeckungen zu Transportprozessen in Zellen. Das teilte das Karolinska-Institut am Montag in Stockholm mit. Pünktlich war Göran Hansson, Sekretär des Nobelpreis-Komitees für Physiologie oder Medizin, vor die Presse getreten, um die diesjährigen Preisträger bekannt zu geben. Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist mit umgerechnet 920.000 Euro (8 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert.

Es war eine gelungene Zusammenarbeit, begründete das Komitee die Auszeichnung: Die drei Nobelpreisträger haben gemeinsam die molekularen Prinzipien aufgedeckt, nach denen das zu transportierende Gut in einer Zelle zur richtigen Zeit zum richtigen Ort geliefert wird.

Unglaublich präzise entschlüsselten sie dabei das Kontrollsystem, über das Zellen bestimmte Moleküle in kleine Bläschen, die Vesikel, verpacken und zu einem bestimmten Ort im Körper schicken. "Ohne diese wunderbar präzise Organisation würde die Zelle im Chaos versinken", schreibt das Nobel-Komitee.

James Rothman untersuchte dabei, wie die Proteine arbeiten, die den Vesikeln erlauben, mit ihren Zielen zu verschmelzen, um ihre Ladung abzugeben. Randy Schekman entdeckte eine Gruppe von Genen, die für den sogenannten Vesikel-Transport notwendig sind. Thomas Südhof hat wiederum entschlüsselt, wie die Vesikel über bestimmte Signale dirigiert werden.

Das Rätsel des Zelltransports gelöst

Die Entdeckungen der drei Forscher hätten entscheidend zum Verständnis der Mechanismen beigetragen, die zu neurologischen Krankheiten, zu Diabetes sowie zu Immunerkrankungen führen können. "Tetanus ist etwa eine Krankheit, die diesen Vesikel-Transport beeinflusst", sagte Jan-Inge Henter von der Nobel-Jury. Sein Kollege Göran Hansson ergänzte: "Sie (die Entdeckung) hat bislang nicht zu Medikamenten geführt, aber zu Diagnosen."

Der nun geehrte Thomas Südhof wurde 1955 in Göttingen geboren. Er promovierte 1982 am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie. 1983 ging Südhof in die USA und arbeitete an der Abteilung für Molekulargenetik der University of Texas Southwestern Medical Center (UT Southwestern) in Dallas - übrigens unter der Leitung der späteren Nobelpreisträger Michael Stuart Brown und Joseph L. Goldstein.

Die Erforschung der molekularen Basis der Signalübertragung im Nervensystem ist seitdem der Schwerpunkt Südhofs, insbesondere analysiert er den Mechanismus der Freisetzung von Neurotransmitter an Synapsen. Ihm gelang die Identifizierung und Klonierung einer Reihe von dabei beteiligten Proteinen.

Im vergangenen Jahr wurden der Brite John Gurdon und der Japaner Shin'ya Yamanaka geehrt, die sich mit der Umprogrammierung von gereiften Körperzellen in Stammzellen befasst hatten. Harald zur Hausen war 2008 der letzte Deutsche Preisträger für Medizin. Geehrt wurde er für die Entdeckung der Papilloma-Viren, die Gebärmutterhalskrebs auslösen. Damals teilte er sich den Preis mit Françoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier für die Entdeckung des Aidserregers HIV.

Am Dienstag und Mittwoch werden die Träger des Physik- und des Chemie-Nobelpreises benannt. Die feierliche Überreichung findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

nik/dpa/AP

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insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
suplesse 07.10.2013
1. An Bedeutung verloren!
Nachdem Obama den Friedensnobelpreis erhalten hat, hat dieser Preis für mich maßgeblich an Bedeutung verloren. Nobel wird sich im Grabe umgedreht haben.
PublicTender 07.10.2013
2.
Zitat von sysopDPA/ Heritage AuctionsDrei Spezialisten teilen sich den Nobelpreis für Medizin und Physiologie 2013: James Rothman, Randy Schekman und Thomas Südhof. Das gab das Nobel-Komitee in Stockholm bekannt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/james-rothman-randy-schekman-und-thomas-suedhof-gewinnen-nobelpreis-fuer-medizin-a-926413.html
Yale, Stanford und UCLA. Gibt es im Rest der Welt keine fähigen Wissenschaftler?
joachim84 07.10.2013
3.
jop, Prof Thomas Südhof aus Deutschland. War aber schlau genug das Land in jungen Jahren zu verlassen, denn in den USA konnte er sich seine wissenschaftliche Karriere verwirklichen - wäre hier vermutlich nicht möglich gewesen. Hier muss man oft mit 40 Jahren und mehr immer noch beten, dass man denn irgendwann doch ne feste Forschungsanstellung bekommt. Brain Drain to USA, und Merkel et. al. schaun nur zu.
TS_Alien 07.10.2013
4. Jeder Preis überlebt sich.
Der Nobelpreis hat sich überlebt. Es gibt mittlerweile viel zu viele interessante und faszinierende Entdeckungen, die einen Nobelpreis verdient hätten, so dass es unfair ist, den einen auszuzeichnen und den anderen nicht. Der Hype um den Nobelpreis und die Nobelpreisträger ist daher nicht mehr zeitgemäß. Die Preisträger von ganz früher haben noch bahnbrechende Entdeckungen gemacht, oftmals mit völlig neuen physikalischen, chemischen oder biologischen Weltbildern verbunden, so dass sich die Fachwelt durchaus in der Mehrzahl einig gewesen ist, wer einen Nobelpreis erhalten sollte und wer nicht. Heutzutage wird eher das Detail in der Forschung ausgezeichnet. Und dann werden noch bestimmte Fachgebiete anderen vorgezogen. Wann hat denn z.B. der letzte Verhaltensbiologe einen Nobelpreis erhalten? Nur so als Beispiel.
daldner 07.10.2013
5. Ja, genau
"wir" haben den Nobelpreis. Dumm nur, dass der Mann in den USA forscht. Vielleicht sollte man die Bedingungen für Wissenschaftler hierzulande verbessern, bevor man über Nobelpreise jubelt.
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