Medizinisches Phänomen: Mutation schützt vor Krebs und Diabetes

Eine Gruppe kleinwüchsiger Ecuadorianer ist offenbar resistent gegen Krebs und Diabetes. Die Genveränderung, die ihr Wachstum hemmt, schützt sie vor den Alterskrankheiten. Forscher überlegen nun, wie man auf dieser Basis ein Medikament entwickeln könnte, das die gefürchteten Leiden bändigt.

Mammografie: Manche Menschen benötigen keine Krebsuntersuchungen Zur Großansicht
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Mammografie: Manche Menschen benötigen keine Krebsuntersuchungen

Buenos Aires/Washington - In Ecuador sind Forscher einem ungewöhnlichen Phänomen auf der Spur: Sie haben Menschen entdeckt, die so gut wie nie an Krebs oder Diabetes erkranken. Eine Rolle bei dieser überraschenden Resistenz scheint das Laron-Syndrom zu spielen, eine seltene Erbkrankheit. Bei den Betroffenen ist ein Gen mutiert, das den Bauplan für den Rezeptor eines Wachstumshormons trägt, wie Forscher im Fachblatt "Science Translational Medicine" berichten. Die Folge: Diese Menschen sind kleinwüchsig.

Bei der Gruppe in Ecuador handele es sich um Nachfahren spanischer Juden, die zum Katholizismus übertraten, um der Inquisition zu entgehen, schreiben die Forscher. 22 Jahre lang beobachteten die Wissenschaftler um Jaime Guevara-Aguirre und Valter Longo von der University of Southern California 99 Menschen mit Laron-Syndrom sowie 1600 Verwandte ohne die Genmutation.

In dieser Zeit erkrankte keiner der 99 an Diabetes, nur einer erlitt eine nicht-tödliche Krebserkrankung. Auch Schlaganfälle waren bei Angehörigen dieser Gruppe auffällig selten. In derselben Zeit erhielten fünf Prozent der Verwandten eine Diabetes-Diagnose und bei 17 Prozent wurde Krebs festgestellt. Weitere Analysen zeigten, dass die Menschen mit Laron-Syndrom ungewöhnlich sensibel auf Insulin reagieren, berichten die Wissenschaftler. Zudem sterben geschädigte Zellen schneller ab, was vermutlich das Krebsrisiko deutlich senkt.

Schutz für Menschen mit hohem Krebsrisiko?

"Menschen mit einem Mangel dieses Rezeptors bekommen zwei der häufigsten Alterserkrankungen nicht", sagt Zellbiologe Longo. Zwar wissen die Forscher nicht genau, warum die Genveränderung vor Diabetes und Krebs schützt. Aber ihre Beobachtung deckt sich mit Tierstudien. Mäuse ohne den Wachstumsfaktor leben im Vergleich zu anderen Artgenossen um 40 Prozent länger und entwickeln selten Tumore.

Stoffe, die den Wachstumsfaktor hemmen, sind bereits auf dem Markt und werden gegen extremes Wachstum von Körperteilen, die sogenannte Akromegalie, eingesetzt. Solche Mittel könnten künftig möglicherweise auch erwachsene Menschen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko vor Diabetes oder Krebs schützen, glaubt Longo.

In der Studie hatten die Menschen mit dem Laron-Syndrom allerdings keine höhere Lebenserwartung als ihre Verwandten: Sie erkrankten zwar nicht an Krebs, aber starben häufiger durch Alkoholvergiftungen, Leberkrankheiten, Unfälle sowie Epilepsie.

wbr/dapd

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1. Lilliput in Sicht!
DELAN 18.02.2011
Zitat von sysopEine Gruppe kleinwüchsiger Ecuadorianer ist offenbar resistent gegen Krebs und Diabetes.*Die Genveränderung, die ihr Wachstum hemmt, schützt sie vor den Alterskrankheiten. Forscher überlegen nun, wie man auf dieser Basis ein Medikament entwickeln könnte, das die gefürchteten Leiden bändigt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,746225,00.html
Ach, das wäre doch schön! Wenn die Krebs- und Zuckerfreien Zwerge des 22.Jahrhunderts dann ihren 150ten Geburtstag mit 150 Personen in einer Gartenlaube feiern... Was das Platz sparen würde!
2. Cool
hoppla_die_wildsau 18.02.2011
Endlich mal eine gute Nachricht für "kleine" Menschen ... Wurde schon mal geforscht, wieviele "große" Leute an Krebs/Diabetes erkrankt sind und wieviele "kleine"?
3. .
karsten112 18.02.2011
Zitat von sysopEine Gruppe kleinwüchsiger Ecuadorianer ist offenbar resistent gegen Krebs und Diabetes.*Die Genveränderung, die ihr Wachstum hemmt, schützt sie vor den Alterskrankheiten. Forscher überlegen nun, wie man auf dieser Basis ein Medikament entwickeln könnte, das die gefürchteten Leiden bändigt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,746225,00.html
Ich hoffe diese Menschen holen sich einen guten Anwalt und lassen die Pharmakonzerne dafür richtig bluten. Zu gönnen sei es Ihnen...
4. Mutation schützt vor Krebs und Diabetes
gue5003 18.02.2011
"In der Studie hatten die Menschen mit dem Laron-Syndrom allerdings keine höhere Lebenserwartung als ihre Verwandten: Sie erkrankten zwar nicht an Krebs, aber starben häufiger durch Alkoholvergiftungen, Leberkrankheiten, Unfälle sowie Epilepsie. Also wieder kein Grund, die Rente ab 72 einzuführen, so ein Pech auch.
5. Wunsch
Caroline 18.02.2011
Zitat von DELANAch, das wäre doch schön! Wenn die Krebs- und Zuckerfreien Zwerge des 22.Jahrhunderts dann ihren 150ten Geburtstag mit 150 Personen in einer Gartenlaube feiern... Was das Platz sparen würde!
Wenn die Menschheit doch endlich ein Medikament entwickelte gegen Bosheit! "Ach, das wäre doch schön!"
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Das Erbgut
Genom
Das Genom bezeichnet das gesamte Erbgut eines Organismus. Außer bei einigen Viren besteht es immer aus DNA (Desoxyribonukleinsäure). Das Genom beinhaltet den Bauplan für die Produktion sämtlicher Proteine (Eiweißmoleküle), die ein Organismus zum Leben benötigt. Ein Gen ist ein Sequenzabschnitt auf dem Genom und beinhaltet die Erbinformation für ein Protein. Die einzelnen Bausteine der DNA sind vier verschiedene sogenannte Nukleinsäuren: A, C, T und G.
Messenger-RNA (mRNA)
Die mRNA ist eine Art Genabschrift oder Blaupause der DNA. Nur die mRNA kann von den Proteinfabriken der Zellen, den sogenannten Ribosomen gelesen werden. Sie gibt ihnen vor, in welcher Reihenfolge Aminosäuren - die Bausteine von Proteinen - für das jeweilige Protein zu verknüpfen sind.
Codon
Ein Codon ist eine Folge von drei Bausteinen (Nukleotiden oder Basen) der DNA und analog auch der mRNA. Ein Codon steht für eine bestimmte Aminosäure oder als Stoppsignal, welches das Ende einer Bauanweisung für ein Protein kennzeichnet.
Genetischer Code
Der genetische Code ist die Zuordnung der Basen-Dreiergruppen und der Aminosäuren. Da vier verschiedene Basen zur Auswahl stehen, umfasst der genetische Code insgesamt 64 Codons. Für die meisten Aminosäuren gibt es daher mehr als ein Codon. So stehen beispielsweise die Codons CAG und CAA für die gleiche Aminosäure, die Glutaminsäure.
Transfer-RNA (tRNA)
Die tRNAs übernehmen eine Adapterfunktion beim Bau der Proteine: Jede tRNA hat auf der einen Seite jeweils ein sogenanntes Anticodon, das passend zum Codon auf der mRNA ist. Auf der anderen Seite ist sie mit der zugehörigen Aminosäure beladen. Auf diese Weise wird der genetische Code auf der mRNA abgelesen und in die entsprechende Aminosäurekette zum Protein verwandelt. Dieser Prozess geschieht in den Ribosomen.