Menschenversuche Opfer amerikanischer Syphilis-Experimente scheitern vor Gericht

Amerikanische Mediziner haben in den vierziger Jahren in Guatemala mehr als 1300 Menschen bewusst mit Geschlechtskrankheiten angesteckt, um Penicillin zu erforschen. Ein Gericht hat die Klage der Opfer nun abgewiesen.

Warnung vor Syphilis (1940): US-Mediziner haben ahnungslose Patienten gezielt infiziert
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Warnung vor Syphilis (1940): US-Mediziner haben ahnungslose Patienten gezielt infiziert


Washington - Ein amerikanischer Bundesrichter hat eine Klage von Menschen aus Guatemala abgewiesen, die in den vierziger Jahren zu Opfern US-amerikanischer Medizinexperimente wurden. US-Mediziner hatten in den vierziger Jahren in Guatemala Hunderte Menschen bewusst mit Geschlechtskrankheiten wie Syphilis, Tripper oder Weichem Schanker angesteckt, um Penicillin zu erforschen. Jüngst hat eine Ethikkommission diese Vorfälle untersucht. Sie berichtete von erschreckenden Details.

Die vorsätzliche Infektion von Häftlingen, Geisteskranken, Soldaten und Waisen zur Erprobung des damals noch neuen Penicillins seien zwar ein "zutiefst verstörendes Kapitel in unserer Geschichte", entschied Richter Reggie Walton am Mittwoch (Ortszeit) in Washington. Nach US-Bundesrecht könnten in den USA aber keine Ansprüche für Verletzungen geltend gemacht werden, die im Ausland zugefügt worden seien.

Die Experimente ohne Zustimmung der Betroffenen wurden erst 2009 von einem Medizinhistoriker in einem Archiv entdeckt. Präsident Barack Obama und andere Regierungsvertreter haben sich dafür öffentlich entschuldigt. Nach guatemaltekischen Angaben waren 2082 Personen betroffen. Die USA geben die Zahl mit 1308 an.

John Cutler, der die Experimente leitete, wirkte zudem am Tuskegee-Experiment mit. Bei der Studie im US-Bundesstaat Alabama, die bis 1972 lief, hielten Mediziner Hunderten mit Syphilis infizierten Afroamerikanern bewusst eine Behandlung vor. Cutler kann nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden. Er starb 2003, ohne sich jemals für seine Vergehen entschuldigt zu haben.

boj/dapd



insgesamt 32 Beiträge
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n.holgerson 14.06.2012
1. Einfach schlecht der Autor...
Ist es zuviel verlangt zu schreiben, warum die Klage abgewiesen wurde? Dies ist wohl ein ganz entscheidender Punkt! Warum muss man andere Quellen nutzten um die simpelsten Informationen zu bekommen? Für alle die nicht so oberflächlich sind: "Der Richter stützte sich auf Bundesrecht, wonach in den USA keine Ansprüche für Verletzungen geltend gemacht werden können, die im Ausland zugefügt worden waren.".
frigor 14.06.2012
2. Völlig logisch
Zitat von sysopGetty ImagesAmerikanische Mediziner haben in den vierziger Jahren in Guatemala mehr als 1300 Menschen bewusst mit Geschlechtskrankheiten angesteckt, um Penicillin zu erforschen. Ein Gericht hat die Klage der Opfer nun abgewiesen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,838867,00.html
So etwas ist nur möglich, wenn Amerikanern im Ausland etwas zugefügt wird. Schliesslich gibt es da ja eine Werteskala.
ReneMeinhardt 14.06.2012
3. Gut zu wissen:
"Nach US-Bundesrecht könnten in den USA aber keine Ansprüche für Verletzungen geltend gemacht werden, die im Ausland zugefügt worden seien." Jetzt weiß man, wo man man Verletzungen jemandem zuführen darf, ohne von einem US-Gericht belangt werden darf - nämlich außerhalb der USA. Echt komisch diese Logik. Aber jetzt verstehe ich auch, weshalb sie so empfindlich auf 9/11 reagiert haben, weil es eben nicht außerhalb der USA stattgefunden hat.
KT712 14.06.2012
4.
Zitat von sysopGetty ImagesAmerikanische Mediziner haben in den vierziger Jahren in Guatemala mehr als 1300 Menschen bewusst mit Geschlechtskrankheiten angesteckt, um Penicillin zu erforschen. Ein Gericht hat die Klage der Opfer nun abgewiesen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,838867,00.html
Medizinische Experimente an Häftlingen und Geisteskranken, wo gab es denn das schon mal? Komme gerade nicht drauf.
WolfHai 14.06.2012
5. Imperialistisches US-Prozessrecht
Zitat von sysopGetty ImagesAmerikanische Mediziner haben in den vierziger Jahren in Guatemala mehr als 1300 Menschen bewusst mit Geschlechtskrankheiten angesteckt, um Penicillin zu erforschen. Ein Gericht hat die Klage der Opfer nun abgewiesen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,838867,00.html
Das Gericht hat die Klagen also aus völlig formalen Gründen zurückgewiesen ("Nach US-Bundesrecht könnten in den USA aber keine Ansprüche für Verletzungen geltend gemacht werden, die im Ausland zugefügt worden seien", sagt der Artikel - ich gehe einmal davon aus, der der Artikel die Rechtslage korrekt wiedergegeben hat.) Es ist absurd - ich halte es für imperialistisch - dass die USA anscheinend keine Klagen wegen übler Menschenrechtsverbrechen gegen sich selbst akzeptieren, während sie ansonsten keine Probleme damit haben, extraterritoriale Rechtssachen an sich zu ziehen, wie z.B. Geldwäsche, die ein nicht US-Amerikaner außerhalb der USA begangen hat oder die verschiedenen Holokaust-Fälle, die ebenfalls mit den USA nicht viel zu tun haben.
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