Mers-Erreger Gefährliches Virus auch über die Luft übertragbar?

In einem Kamel-Stall haben Forscher Fragmente des Mers-Virus in der Luft nachgewiesen. Dies deute darauf hin, dass die Krankheit ohne direkten Kontakt übertragbar ist. Allerdings nur in einem sehr kurzen Zeitfenster.

Zu enger Kontakt zwischen Mensch und Tier? Kamele gelten als Hauptüberträger des Mers-Erregers
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Zu enger Kontakt zwischen Mensch und Tier? Kamele gelten als Hauptüberträger des Mers-Erregers


Dschidda - Saudi-arabische Forscher haben Fragmente des Mers-Erregers in der Luft eines Stalls nachgewiesen, in dem erkrankte Dromedare gehalten werden. Möglicherweise sei die Krankheit auch über die Luft, ganz ohne direkten Kontakt übertragbar, schließen die Wissenschaftler im Fachjournal "mBio" der Amerikanischen Gesellschaft für Mikrobiologie.

Studien zufolge wird das Mers-Virus von Kamelen direkt auf den Menschen übertragen. In Saudi-Arabien, wo viele Kamele gezüchtet werden, sindnach offiziellen Angaben schon mehr als 280 Menschen an Mers gestorben. Weltweit gab es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mittlerweile mehr als 700 Krankheitsfälle in 22 Ländern.

Die Forscher um Esam Azhar von der King Abdulaziz University in Dschidda hatten im November vergangenen Jahres an drei aufeinanderfolgenden Tagen Luftproben im Kamelstall eines 43 Jahre alten Mers-Patienten südlich von Dschidda genommen. Vier seiner neun Dromedare waren in der Woche, bevor er selbst Symptome zeigte, erkrankt. Der Mann hatte einem der Tiere ein Medikament in die Nase gegeben, er selbst starb an der Infektion.

Virus nur kurz stabil

Nur in der ersten Luftprobe seien Fragmente von Viruserbgut gefunden worden, berichten die Forscher in ihrer Studie. Sie sei an einem Tag genommen worden, an dem eines der Dromedare im Stall positiv auf Mers getestet wurde. Die Luftproben der zwei folgenden Tage seien unauffällig gewesen. Dies deute darauf hin, dass das Virus in der Luft höchstens kurz stabil und vermehrungsfähig bleibe, schließt Azhars Team.

Die gefundenen Fragmente stimmten exakt mit dem beim Kamel und bei dem 43-Jährigen vorhandenen Mers-Erbgut überein, heißt es in "mBio". Die Möglichkeit einer Übertragung der Viren über die Luft müsse detaillierter geprüft werden. Unter Laborbedingungen vermehren ließ sich das Virus mittels der Luftprobe nicht, schreiben die Forscher. Möglicherweise sei es nicht mehr infektiös genug gewesen.

Aus Laborstudien sei bekannt, dass das Mers-Virus auf Oberflächen und in der Luft unter bestimmten Bedingungen stabiler ist als zum Beispiel das Influenza-A-Virus H1N1. Kamelpfleger und Schlachthausmitarbeiter sollten Atemmasken, Handschuhe und Schutzkleidung tragen, empfehlen die Forscher. Kontakt mit kranken Kamelen sei zu vermeiden, zudem solle Kamelmilch nur pasteurisiert und Kamelfleisch nur durchgegart konsumiert werden.

Das Mers-Virus, Mers steht für Middle East Respiratory Syndrome, gehört zu den Coronaviren, zu denen auch das Sars-Virus und viele Erkältungsviren zählen. Es wurde erstmals 2012 in Saudi-Arabien nachgewiesen und kann beim Menschen eine Atemwegsinfektion, Lungenentzündung und auch Nierenversagen verursachen. Verbreitet ist es auf der arabischen Halbinsel, vor allem in Saudi-Arabien. Die Erkrankung verläuft oft schwer oder tödlich - allerdings ist noch unklar, wie viele der insgesamt infizierten Menschen Symptome entwickeln.

Die WHO hatte in der vergangenen Woche Entwarnung gegeben. Sie rechne nicht damit, dass das Coronavirus zu einer Pandemie führt. Die Lage sei zwar weiter "ernst". Es sei aber nicht nötig, wegen der Krankheit einen globalen Gesundheitsnotstand auszurufen. Es gebe noch keinen Beweis, dass das Virus nachhaltig von Mensch zu Mensch übertragen werde, hieß es zur Begründung. Außerdem steige die Zahl der Erkrankten seit April nicht mehr so schnell.

nik/dpa

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