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Gefährliches Virus: Mers-Impfstoff lindert Infektion bei Kamelen

Dromedare: In ihnen vermehrt sich das Mers-Virus und geht dann auf den Menschen über Zur Großansicht
TiHo Hannover

Dromedare: In ihnen vermehrt sich das Mers-Virus und geht dann auf den Menschen über

Dromedare übertragen das gefährliche Mers-Virus auf den Menschen. Nun haben Forscher in einer kleinen Studie einen Impfstoff für die Tiere getestet. Er könnte auch bei Menschen zum Einsatz kommen.

Erstmals haben Forscher einen Mers-Impfstoff erfolgreich an Kamelen getestet. Die Tiere entwickelten daraufhin nach einer Infektion weniger Symptome und waren weniger ansteckend. Kamele, vor allem Dromedare, gelten als das Hauptreservoir, von dem aus der gefährliche Mers-Erreger immer wieder auf den Menschen überspringt und Ausbrüche verursacht. Eine Impfung für Kamele könnte so auch den Menschen vor dem Virus schützen und langfristig möglicherweise auch direkt bei ihm eingesetzt werden.

Dromedare (Camelus dromedarius), die das Mers-Virus (Middle East Respiratory Syndrome-Coronavirus) in sich tragen, entwickeln nur leichte Symptome, sodass der Erreger lange die Möglichkeit hat, sich in den Tieren zu vermehren ohne sie zu töten. Dann kann er auf den Menschen übergehen. Die nun getestete Impfung könnte das Risiko dafür zumindest reduzieren - vorausgesetzt, die Ergebnisse bestätigen sich in größeren Untersuchungen.

Gerd Sutter vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) der Universität München und Kollegen haben vier Dromedaren den Impfstoff MVA-Mers-S verabreicht. Dabei handelt es sich um ein mit einem Mers-Gen ausgestattetes Vacciniavirus, einen abgeschwächten Verwandten des Pockenvirus. Zum einen sprühten sie den Tieren den Stoff in die Nase, zusätzlich spritzen sie ihn in die Nackenmuskulatur. Drei Wochen später infizierten sie die Tiere - ebenso wie vier ungeimpfte Dromedare - mit dem Mers-Erreger.

Antikörper gegen das Virus

"Durch die Impfung hatten die Tiere bereits ausreichend Antikörper entwickelt, so dass eine Virusvermehrung und Erkrankung geblockt werden konnten", wird Ko-Autorin Asisa Volz von der Universität München in einer Mitteilung der Uni zitiert. Die geimpften Tiere entwickelten Antikörper und litten - im Vergleich zu ihren ungeimpften Artgenossen - deutlich weniger unter Symptomen wie etwa einer laufenden Nase, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Science".

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Impfung mit MVA-Mers-S die Anzahl ansteckender Mers-Erreger in der Nasenschleimhaut von Kamelen deutlich reduziert", sagt Albert Osterhaus von der Universität Rotterdam, der ebenfalls an der Studie beteiligt war. Nun müsse man die günstigste Dosis ermitteln und klären, wie lange der Impfschutz anhält.

In einer zweiten Studie im Fachmagazin "Science" hatten Forscher untersucht, wie weit das Virus unter den Kamelen verbreitet ist. Bei mehr als 1300 Dromedaren in Saudi-Arabien nahmen Jamal Sabir von der King Abdulaziz Universität in Dschidda und Kollegen einen nasalen Abstrich. Bei als zwölf Prozent der Tiere fanden sie das Mers-Virus. Besonders stark betroffen sind demnach Jungtiere.

Impfung am Menschen testen

Im nächsten Schritt soll der Impfstoff auch an Menschen getestet werden. Er könnte etwa bei Personen zum Einsatz kommen, die engen Kontakt zu Kamelen haben oder die Mers-Patienten pflegen, schreibt das Team um Sutter.

"Die Studie zeigt klar, dass der Impfstoff Kamele sehr effizient schützt", sagt der Virologe Christian Drosten von der Universitätsklinik Bonn, der nicht an der Studie beteiligt war. "Das könnte Infektionen von Menschen verhindern." Gut sei zudem, dass die Grundlage des Impfstoffs, das abgeschwächte Pockenvirus, schon seit langem für Impfungen eingesetzt werde, so dass es schon viele Daten gebe. Dies könne die Zulassung der Vakzine deutlich beschleunigen.

Aufsehen erregte das Mers-Virus zuletzt bei einem Ausbruch in Südkorea, bei dem mehr als 180 Menschen infiziert wurden. Die Epidemie ging auf einen Mann zurück, der sich im Nahen Osten angesteckt hatte. Erstmals wurde Mers 2012 bei einem 60-jährigen Mann in Saudi-Arabien gefunden, der bald darauf an einer Lungenentzündung starb. Seitdem infizierten sich 1400 Menschen. Mehr als ein Drittel dieser Patienten starben - die meisten davon im arabischen Raum.

jme/dpa

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