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Mysteriöse Krankheit CFS Krebsmittel kann chronisch Erschöpften helfen

Medikamenten-Studie: Mit einem Krebsmittel die Erschöpfung besiegen
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Corbis

2. Teil: Pharmakonzern zeigt die kalte Schulter

Es klingt kurios: Ein Pharma-Unternehmen ist nicht interessiert, dass eines seiner Mittel gegen eine weitere, gar nicht seltene Krankheit eingesetzt wird? Der Grund könnte in einem Detail stecken: Roches Patent auf Rituximab läuft im kommenden Jahr aus. "Da führt man keine neuen Studien mehr durch" - so erklärt sich Scheibenbogen die Situation.

"Derzeit haben wir keine Pläne, MabThera auf mögliche Anwendungen bei CFS in klinischen Studien zu prüfen", teilt Roche auf Anfrage mit. Ein Sprecher bestätigt, dass das Unternehmen die Daten der Pilotstudie kenne und sie für "grundsätzlich interessant" halte. Unter welchen Bedingungen Roche eine größere Studie unterstützten würde, sei aber schwer generell zu beantworten.

In einer SPIEGEL ONLINE vorliegenden E-Mail an das norwegische Unternehmen, welches das Patent der Uni Bergen betreut, klingt die Absage anders - und deutlicher. "Einige Faktoren haben eine Rolle gespielt: die Ärzte-Zielgruppe, Marktzugang, Risiko/Nutzen in dieser Patientengruppe." Das passe nicht in die derzeitige Unternehmensstrategie in dieser Sparte. Die E-Mail bezieht sich nicht mehr auf Rituximab, sondern auf den neueren, ähnlichen Wirkstoff Ocrelizumab, dem noch nicht unmittelbar das Ende des Patentschutzes droht.

Carmen Scheibenbogen hofft wie ihre norwegischen Kollegen, dass weitere ähnliche Medikamente in den kommenden Jahren auf den Markt kommen, die dann gegen CFS getestet werden können. "Wäre es eine Krebserkrankung, die so häufig auftritt, dann würden diese großen Studien längst laufen", meint die Ärztin.

Ihren Patienten wird sie Rituximab ohne größere Studien nicht geben können. Es wäre nur mit Genehmigung einer Ethikkommission möglich und die Kosten würden die Krankenkassen wahrscheinlich nicht tragen, sagt Scheibenbogen.

Hinweise auf Krankheitsentstehung

Wie das Medikament hilft, wollen die Ärzte nun genauer ergründen, denn dies kann wichtige Erkenntnisse über die Entstehung von CFS liefern. Rituximab zerstört vorübergehend B-Zellen, die Antikörper produzieren. Antikörper wiederum erkennen und markieren fremde Strukturen, so dass Viren, Bakterien und auch Krebszellen vernichtet werden. Sie können sich jedoch auch gegen eigenes Gewebe wenden, dann sprechen Ärzte von einer Autoimmunkrankheit. Mella und seine Kollegen vermuten, dass genau dieser Prozess bei CFS-Kranken abläuft. "Es wäre möglich, dass Antikörper etwas an den Synapsen angreifen, so dass das Hirn andauernd mit Signalen überflutet wird", sagt Mella.

Das umfasse nicht nur Schmerzsignale, sondern auch Sinneswahrnehmungen von Haut, Augen, Ohren. Diese ständige Überforderung könnte die Erschöpfung und ihre typischen Begleitsymptome erklären. Zur Antikörper-These passt, dass Wochen oder Monate vergingen, bis sich ein Effekt der Rituximab-Therapie zeigte: Nach der Zerstörung der B-Zellen mussten noch die Antikörper nach und nach abgebaut werden, meinen die Forscher.

Eventuell gerät die Körperabwehr während einer Infektion aus dem Tritt: Etwa 70 Prozent der CFS-Patienten berichten von einer akuten Krankheit, mit der ihr chronisches Leiden einsetzte.

Carmen Scheibenbogen und andere Forscher haben eine weitere Theorie. Eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV), Auslöser des Pfeifferschen Drüsenfiebers, könnte zu CFS führen. Das Virus befällt in erster Linie B-Zellen, die durch die Rituximab-Gabe zerstört werden.

Auch wenn die Mediziner noch keine eindeutige Erklärung parat haben, liefert die neue Studie endlich wichtige Hinweise. "Wir haben es mit einer Krankheit zu tun, die seit Jahrzehnten niemand richtig verstanden hat", sagt Mella, "und jetzt scheint sich das Puzzle endlich zusammenzufügen."

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insgesamt 35 Beiträge
tiansworld 20.10.2011
1) Solange der überwiegende Teil der Forschung von der Industrie getragen wird, geht es nicht um das Wohl der Menschen, sondern einzig und allein um den sharehold value. Die staatlichen MPI und DFZ arbeiten völlig ineffizient und [...]
1) Solange der überwiegende Teil der Forschung von der Industrie getragen wird, geht es nicht um das Wohl der Menschen, sondern einzig und allein um den sharehold value. Die staatlichen MPI und DFZ arbeiten völlig ineffizient und verschwenden Unsummen an Geld an Seilschaften und praxisfernen Entscheidungen (weiß ich aus erster Hand). => Es sollte eine Forschungsstiftung gegründet werden, die im STiftungsgrundsatz entsprechende Missbräuche und entsprechende Taktiererei unterbindet (Finanzierung anteilig aus den Versicherungsabgaben der KVs). 2) Zunächst sollte besser erforscht werden, ob die Veranlagung epigenetisch entstanden ist und anschließend durch welchen hit-and-run-Mechanismus er ausgelöst werden kann. Abermillarden in die Forschung von monokausal ausgerichteter Symptom-Behandlungen zu stecken ist marktwirktschaftlich evtl. lukrativ, der klaren Ursachenforschung mit dem Ziel der Prävention nützt das leider nichts. Bitte merken: Die Pharmaindustrie lebt von der Versorgung Kranker, sie hat also kein originäres Interesse an der Beseitungung selbiger, sondern lediglich an der Beseitigung der Sympotome! Daher die entsprechende Forschungsausrichtung. 3) Trotz Unsummen an Forschungsgeldern sind in den vergangenen 20 Jahren kaum wirklich neue Wirkstoffe entwickelt worden. Vielleicht sollte man mal den zumeist rein monokausal orientierten Ansatz in der Forschung überdenken. Die meisten Wissenschaftler leben noch im kartesianischen Zeitalter und glauben an ein mechanistisches Menschenbild. Der Mensch ist aber ein dynamisch-komplexes Wesen. Durch das inzwischen religiöse Verhalten der Wissenschaft ist ein Umdenken per se ausgeschlossen. Die neue Generation wird wohl die alte ersetzen müssen - wie immer. Diese Sturheit und Angst davor, sein Gesicht zu verlieren, kostet Millionen von Menschen das Leben. 4) Auch von Schuppenflechte heißt es, dass man das nicht "heilen", sondern nur lindern könne (zumeist durch Kortison). Ich hatte SF. Nach drei Monaten Guatemala, subtropisches Meeresklima und v.a. ein langsamerer Lebensrhythmus war sie weg und ist seither nicht mehr aufgetaucht. Warum? Weil ich mich dem Beschleunigungs- Bestätigungs- und Entfremdungswahn entziehe, bescheiden und sinnlich lebe. Und ja, das geht auch hier mitten in Deutschland, mitten in einer Kleinstadt. Man muss halt Drüberstehen können, was andere sagen und seinen Fernseher rausschmeißen. Dann wird das Leben schon vieeel einfacher. Fazit: Ich denke statt Tausende von Euros in teure Behandlungen zu stecken, sollte man mal eine Studie laufen lassen, um zu sehen, was passiert, wenn man die Patienten mal ein paar Monate in einem angenehmen Klima mit langsamen Lebensrhythmus entschleunigt. Nur so aus Interesse... Und wenn das Ergebnis positiv ausfällt, sollten wir uns wirklich ernsthaft Gedanken machen, was wir mit unserer Lebensart den kommenden Generationan antun (Stichwort: EPIGENETIK!)
Martin Franck 20.10.2011
Es gibt nicht genügend Ressourcen eine Pharmaunabhängige Studie durchzuführen. Dieses Problem ist schon lange bekannt. Geändert wird daran nichts. Wenn Studien ohne einen Pharmakonzenern oder Medizinproduktehersteller als [...]
Es gibt nicht genügend Ressourcen eine Pharmaunabhängige Studie durchzuführen. Dieses Problem ist schon lange bekannt. Geändert wird daran nichts. Wenn Studien ohne einen Pharmakonzenern oder Medizinproduktehersteller als Sponsor vermehrt finanziert werden würden, könnte man sich manche sinnlose Anwendung sparen. Denn das Ziel eines Unternehmen ist nicht primär der Erkenntnisgewinn, sondern einfach der finanzielle Gewinn. Das ist so ähnlich wie mich ein Bankberater, der von den Provisionen lebt, nicht unabhängig berät, sondern lieber Lehman Brothers Zertifikate andreht. Dennoch scheuen viele Leute jemanden Unabhängigen für die Beratertätigkeit zu bezahlen, wenn es doch vermeintlich billiger geht. Da Politiker ähnlich wie die Käufer der provisionsreichen Produkte zu der A & D Gruppe gehören, sparen sie genauso sinnvoll das Geld, und zahlen letztendlich dabei drauf. Früher war Deutschland einmal die Apotheke der Welt, und man gewann sogar Nobelpreise aufgrund großartiger Forschung. Heute muss ein Forscher Drittmittel von Pharmakonzernen einwerben, und die Politik brüstet sich nur damit Forschung zu fördern.
Jay's 20.10.2011
wenn zuerst Grundlagenforschung betrieben wird, die den Mechanismus des Medikaments erforscht. Denn sonst handelt es sich hier um einen Schuss in einen schwarzen Tunnel. Aerzte kuemmern sich leider nicht um den Grund, warum etwas [...]
wenn zuerst Grundlagenforschung betrieben wird, die den Mechanismus des Medikaments erforscht. Denn sonst handelt es sich hier um einen Schuss in einen schwarzen Tunnel. Aerzte kuemmern sich leider nicht um den Grund, warum etwas wirkt solange es wirkt. Mit Hilfe der Forschung kann vielleicht ein noch besseres Medikament ohne all die Nebenwirkungen entwickelt werden. Schliesslich handelt es sich hier ja nicht um eine toedliche Krankheit wie Krebs.
indyjones2000 20.10.2011
Der Wirkmechanismus des Medikaments ist durchaus erforscht, allerdings gebe ich Ihnen in einem Punkt Recht. Der nächste Schritt sollte sich auf die Entschlüsselung der pathophysiologischen Grundlagen des CFS konzentrieren. Hier [...]
Zitat von Jay'swenn zuerst Grundlagenforschung betrieben wird, die den Mechanismus des Medikaments erforscht. Denn sonst handelt es sich hier um einen Schuss in einen schwarzen Tunnel. Aerzte kuemmern sich leider nicht um den Grund, warum etwas wirkt solange es wirkt. Mit Hilfe der Forschung kann vielleicht ein noch besseres Medikament ohne all die Nebenwirkungen entwickelt werden. Schliesslich handelt es sich hier ja nicht um eine toedliche Krankheit wie Krebs.
Der Wirkmechanismus des Medikaments ist durchaus erforscht, allerdings gebe ich Ihnen in einem Punkt Recht. Der nächste Schritt sollte sich auf die Entschlüsselung der pathophysiologischen Grundlagen des CFS konzentrieren. Hier bieten sich große Chancen. Ich für meinen Teil würde mich nur unter bestimmten Umständen mit einem gegen CD20-Ak behandeln lassen und zwar, wenn ich an einem Lymphom leiden würde und Rituximab zusammen mit anderen Chemotherapeutika (gibt es R-CHOP noch oder ist das schon wieder veraltet?) im Sinne einer kurativen Therapie indiziert wäre... Übrigens: Der Arzt in der Praxis kann leider nicht daran forschen, wie ein Medikament wirkt. Das kann nur akademische Forschung an den Universitäten leisten.
myspace 20.10.2011
Das Klima in Deutschland ist doch relativ angenehm (Luftfeuchtigkeit, keine extremen Temperaturen etc.). Viele CFS-Erkrankten können aufgrund der Beschwerden gar nicht mehr arbeiten - nach Deiner Theorie müssten die ja von [...]
Zitat von tiansworldFazit: Ich denke statt Tausende von Euros in teure Behandlungen zu stecken, sollte man mal eine Studie laufen lassen, um zu sehen, was passiert, wenn man die Patienten mal ein paar Monate in einem angenehmen Klima mit langsamen Lebensrhythmus entschleunigt. Nur so aus Interesse...
Das Klima in Deutschland ist doch relativ angenehm (Luftfeuchtigkeit, keine extremen Temperaturen etc.). Viele CFS-Erkrankten können aufgrund der Beschwerden gar nicht mehr arbeiten - nach Deiner Theorie müssten die ja von alleine wieder gesund werden. Ja, ist klar. Bei Psoriasis sind längere Phasen der Beschwerdefreiheit übrigens nichts ungewöhnliches, das muß nicht zwingend mit 'Entschleunigung' zusammen hängen.
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Definition des chronischen Erschöpfungssyndroms

Zur Definition von CFS werden häufig die Kriterien verwendet, die Keiji Fukuda von den amerikanischen Centers for Disease Control (CDC) Mitte der neunziger Jahre festgelegt hat.

CFS bedeutet, dass Betroffene seit mindestens sechs Monaten unter einer andauernden nicht durch andere Krankheiten erklärbaren Erschöpfung leiden.

Diese Erschöpfung verbessert sich nicht durch Ruhe und schränkt die Aktivitäten der Betroffenen deutlich ein.

Zudem müssen mindestens vier von acht Begleitsymptomen auftreten, zu denen Schlafstörungen, Kopf-, Muskel- oder Halsschmerzen, Konzentrationsstörungen sowie ein deutlich beeinträchtigtes Kurzzeitgedächtnis zählen.







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