Mysteriöse Seuche Darmkeim Ehec grassiert in Deutschland

Das Ehec-Bakterium breitet sich immer weiter aus. Der Erreger grassiert vor allem in Norddeutschland, aber auch in anderen Bundesländern werden immer mehr Fälle registriert. Einige Patienten kämpfen um ihr Leben - Mediziner haben die Infektionsquelle noch nicht gefunden.


Berlin - Die Lage in den Kliniken Deutschlands ist weiterhin ernst: Der lebensgefährliche Darmkeim Ehec breitet sich immer weiter aus. Inzwischen haben die Behörden insgesamt mehr als 300 bestätigte Erkrankungen oder Verdachtsfälle registriert. Am Montagabend kämpften mehrere Infizierte um ihr Leben. Einige von ihnen müssen künstlich beatmet werden, ein Patient liegt nach Krämpfen im Koma. In 40 weiteren Fällen verläuft einer dpa-Umfrage zufolge die Erkrankung besonders schwer. Bauchkrämpfe, Wassereinlagerungen und Nierenversagen können die Folge eines Ehec-Infekts sein.

Die Tendenz der Verdachtsfälle ist weiterhin steigend. Mehr als 160 müssen noch geprüft werden. Besonders der Norden der Republik ist von der Ehec-Seuche betroffen: In Schleswig-Holstein hat sich die Zahl der Ehec-Verdachtsfälle innerhalb eines Tages mehr als verdoppelt. Sie sei auf über 200 gestiegen, teilte das Kieler Gesundheitsministerium am Dienstag mit. Bis Montagnachmittag waren 90 Verdachtsfälle gemeldet worden, davon 13 mit schwerem Verlauf. In Niedersachsen und Bremen waren 69 Patienten mit teils lebensgefährlichem Verlauf bekannt. In Hamburg liegt die Zahl bei 40 bestätigten Fällen; Nach Angaben der ärztlichen Leiterin des Hamburger Großlabors Medilys, Susanne Huggett, gibt es rund 50.

Aber auch in anderen Bundesländern taucht der Erreger auf: In Hessen erkrankten bisher 25 Menschen. Auch in Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Berlin und im Saarland gibt es Erkrankte und Verdachtsfälle.

Huggett zufolge dauert der Befund rund 36 Stunden. "Deshalb gibt es gegenwärtig viele Verdachtsfälle, aber noch kein verlässliches Bild der tatsächlichen Gesamtlage." Untersuchungen von Proben hätten ergeben, dass es sich um einen teils antibiotikaresistenten Bakterienstamm handele. Solche Ehec-Stämme seien bisher unbekannt.

Infektionsquelle gesucht

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Laut RKI treten weiterhin ständig neue Fälle auf. Während die Patienten in die Kliniken eingeliefert werden und teils sogar in den Intensivstationen behandelt werden müssen, suchen die Experten fieberhaft nach der Quelle für den Erreger. Noch aber ist unklar, von wo aus die Seuche ihren Lauf genommen hat.

Vermutet wird, dass die Keime beim Verzehr von ungewaschenem Gemüse aufgenommen werden. Die Angaben der Betroffenen lassen dem Hamburger Instituts für Hygiene und Umwelt zufolge den Schluss zu, dass Produkte wie Rohmilch, Frischkäse und Rindfleisch ausscheiden. Der Erreger kann auch durch das Gülle-Düngen von Obst und Gemüse in den Nahrungskreislauf gelangt sein. Dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge ist die Infektionsquelle möglicherweise noch aktiv.

Betroffen sind überwiegend erwachsene Frauen. "Das legt nahe, dass vor allem Frauen Zugang zur Infektionsquelle haben", sagte der Präsident des niedersächsischen Landesgesundheitsamtes, Matthias Pulz. "Das Lebensmittel muss sich irgendwo im Handel befinden."

Ehec-Erreger sind Stämme der Escherichia coli-Bakterien. Sie leben vor allem im Darm von Wiederkäuern und können über unerhitzte Lebensmittel übertragen werden. Auch eine Übertragung über Menschen ist bei mangelnder Hygiene möglich. Die Keime treten in Deutschland immer wieder auf. Das RKI hat seit 2001 bundesweit jährlich zwischen 800 und 1200 Erkrankungen registriert - oft mit leichterem Verlauf.

cib/dpa



insgesamt 101 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
alexGB 24.05.2011
1. Bio
Mit Gülle gedüngtes Biogemüse? Der deutsche Ökowahn rächt sich da eventuell.
Sackaboner 24.05.2011
2. keine Panik
Statt Panikmache Maßnahmen ergreifen: Keine Hände schütteln, Türklinken desinfizieren, Hände waschen! Wo haben die Leute eingekauft, woher beziehen die Geschäfte ihre Ware. Produktionswege zurückverfolgen. Schutzkleidung für alle, die mit Exkrementen zu tun haben. Usw usw Bakterienabsorbierende Medikamente für den Darm bereitstellen.
Silver979 24.05.2011
3. Nachhaltig
Zitat von alexGBMit Gülle gedüngtes Biogemüse? Der deutsche Ökowahn rächt sich da eventuell.
Wie kommen Sie nur auf das schmale Brett dass Öko Gemüse mit Gülle gedüngt wird. Aber erst mal seinen Denkdurchfall posten bevor man irgendeine Ahnung hat.
Albanodabango 24.05.2011
4. ...
Zitat von alexGBMit Gülle gedüngtes Biogemüse? Der deutsche Ökowahn rächt sich da eventuell.
Gülle wird in der konventionellen Landwirtschaft in viel grösseren Mengen eingesetzt als im biologischen Landbau. Das liegt daran, dass z.T. enorm grosse Herden auf kleinem Raum gehalten werden. Das Gülledüngen erfüllt dann in erster Linie den Zweck der Abfallentsorgung (wie ehedem das Verfüttern von Tiermehl).
biobanane 24.05.2011
5. .
Zitat von alexGBMit Gülle gedüngtes Biogemüse? Der deutsche Ökowahn rächt sich da eventuell.
Nix Düngung, das ist Abfallentsorgung von den Mastbetrieben.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.