Nach Marathon-OP Siamesische Zwillinge Trishna und Krishna wohlauf

Die Siamesischen Zwillinge Trishna und Krishna machen Riesenfortschritte. Offenbar hat die OP keine bleibenden Schäden hinterlassen. Australische Ärzte hatten die Gehirne der beiden Mädchen voneinander getrennt. Während Trishna wieder fast ganz die Alte ist, muss sich ihre Schwester noch erholen.

dpa

Melbourne - Trishna und Krishna geht es den Umständen entsprechend gut. Nachdem die Operation vor zwei Tagen gelungen war, bei der die Siamesischen Zwillinge am Kopf voneinander getrennt worden waren, haben die beiden Mädchen offenbar gute Überlebenschancen.

"Nach Ansicht der Röntgenbilder denke ich, dass es ihnen langfristig gut gehen wird", sagte Wirginia Maixner am Donnerstag, Ärztin an der Kinderklinik in Melbourne. Die ersten Aufnahmen zeigten keine Gehirnschädigung, teilte das Royal Children's Hospital mit. Nach Trishna sollte im Laufe des Tages auch die etwas schwächere Krishna aus dem künstlichen Koma geholt werden.

Trishna erwachte am frühen Morgen als erste der beiden Mädchen. Instinktiv habe sie nach ihrer Schwester gesucht, berichtete die Neurochirurgin. Dann habe sie sich an Moira Kelly gekuschelt, die an ihrem Bett gewacht hatte. Kelly ist von der Hilfsorganisation Children First Foundation und kümmert sich als Vormund um die fast Dreijährigen. Sie sprach von einem "Wunder". Unter Tränen sagte sie: "Ich kann es gar nicht fassen, es ist wie in einem Traum."

Krishna werde vermutlich mehr Probleme haben, sich von der Operation zu erholen, sagte Maixner dem Sender ABC. "Wir werden sie später aufwecken, und das könnte länger dauern." Aber Trishna entwickele sich prächtig. Möglicherweise könne sie sogar schon bald die Intensivstation verlassen: "Sie redet, sie ist ganz einfach Trishna und benimmt sich wie immer."

"Wow, wir haben es geschafft"

Maixner sagte, die "phantastischen Röntgenbilder" von den Gehirnen der Mädchen hätten sie dazu animiert, einen "kleinen Ententanz" aufzuführen. In diesem Moment sei ihr klar geworden: "Wow, wir haben es geschafft." Jetzt komme allerdings eine schwierige Zeit auf die Mädchen zu, weil sie ihre bisherige Lebensweise komplett umstellen müssten. Bisher hätten sie wie normale Kleinkinder miteinander geschwatzt, sich gekabbelt und zugleich eine einzigartige Technik entwickelt, auf dem Rücken zu krabbeln und sich auf diese Art gemeinsam fortzubewegen.

Die beiden müssten ihren Gleichgewichtssinn finden und neu laufen lernen, sagte die Psychologin Dianne Kenny. Das dürfte kein Problem sein, dennoch warnte sie vor den psychischen Herausforderungen für die Mädchen. "Wir können uns die wahnsinnigen emotionalen Anpassungsschwierigkeiten für die beiden gar nicht vorstellen", sagte Kenny.

Die am Kopf zusammengewachsenen Zwillinge waren am Dienstag in einer mehr als 27-stündigen Operation getrennt worden. Dabei mussten die Chirurgen die Schädeldecke öffnen und die Gehirne der beiden trennen.

Kurz nach ihrer Geburt im Dezember 2006 in Bangladesch waren die beiden Mädchen von ihren schockierten Eltern in das Mutter-Theresa-Waisenhaus gebracht worden. Eine Hilfsorganisation brachte sie vor zwei Jahren nach Australien. Seitdem bereiteten die Ärzte die Operation vor. Computermodelle halfen den Spezialisten, berichtete der plastische Chirurg Andrew Greensmith. "Wir konnten die Operation praktisch vorher simulieren." Damit hätten die Neurochirurgen eine Vorstellung davon gehabt, wo die Blutgefäße verliefen.

Die Trennung der Zwillinge galt als ausgesprochen riskant. Es gebe nur eine Chance von 25 Prozent, dass die Operation gelingen und beide Mädchen überleben würden, schätzten die Ärzte vor dem Eingriff. Daran waren 16 Spezialisten beteiligt, die sich monatelang vorbereitet hatten. Während der Marathon-OP hielten sich die Ärzte mit lauter Popmusik wach, zudem mussten die Beteiligten immer wieder kurze Schlafpausen einlegen.

cib/AFP/dpa



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