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Nach Rekord-Frühgeburt: Fuldaer Ärzte freuen sich über gesundes Frühchen

Bei ihrer Geburt wog sie nicht einmal ein Pfund: Im Klinikum Fulda haben Ärzte ein Mädchen versorgt, das ihren Angaben zufolge das am frühsten geborene Frühchen in Europa ist. Nach gut fünf Monaten wurde die kleine Frieda jetzt aus der Klinik entlassen - bei guter Gesundheit.

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DPA

Frühchen Frieda: In der 21. Schwangerschaftswoche geboren

Ein extrem junges Frühchen ist im hessischen Fulda zur Welt gekommen. Die kleine Frieda wurde nach einer fast um die Hälfte verkürzten Schwangerschaft Anfang November geboren und konnte am Mittwoch zu ihren Eltern nach Hause, wie das Klinikum mitteilte. Das Mädchen war nach nur 21 Wochen und fünf Tagen zur Welt gekommen. Ihr Geburtsgewicht betrug 460 Gramm, jetzt wiegt sie 3,5 Kilogramm. Gewöhnlich dauert eine Schwangerschaft 40 Wochen, Babys wiegen bei der Geburt im Schnitt 3,5 Kilo. In Deutschland kommen jährlich 60.000 bis 63.000 Neugeborene als Frühchen vor der abgeschlossenen 37. Schwangerschaftswoche zur Welt - 8000 davon vor der 30. Schwangerschaftswoche.

Das Klinikum berichtete, dass es in Europa kein jüngere Frühgeburt gegeben habe. Ein Teil der Frühgeborenen hat später mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Die häufigsten Spätfolgen sind laut der Europäischen Stiftung für Neugeborene Entwicklungsverzögerungen, chronische Atemwegserkrankungen, motorische Störungen und Aufmerksamkeitsstörungen.

Dem jetzt aus der Klinik entlassenen Mädchen scheint zurzeit gut zu gehen. "Es gibt keine Anzeichen dafür, dass sie nicht gesund sein könnte", sagte der Chefarzt der Kinderklinik Reinald Repp. Die Eltern wollten sich laut Krankenhaus nicht äußern und unerkannt bleiben.

Bei der Schwangerschaft hatte es bereits in der 15. Woche Komplikationen gegeben. Die Mutter musste wegen vorzeitiger Wehen behandelt werden. Es gelang die Geburt weiter hinauszuzögern. Im vergangenen Jahr wurden laut Klinikum 98 Kinder in der 22. Woche geboren. Nur zwei von ihnen hätten überlebt - beide in Fulda.

Medizin stößt an ihre Grenzen

Die Überlebenschancen haben sich in den vergangenen Jahren erheblich verbessert, so dass auch kleinste Frühgeborene mit weniger als 500 Gramm Geburtsgewicht eine reelle Überlebenschance haben. Allerdings steigt mit zunehmender Unreife das Risiko langfristiger Entwicklungsstörungen. Der Ausgang bei der Behandlung extrem kleiner Frühgeborener ist oft ungewiss, da die Medizin technisch, aber auch wegen der Unreife der Kinder oft an ihre Grenzen stößt.

Eine besonders frühe Geburt hatte es zuletzt laut Berichten aus den USA gegeben. Amillia Sonja Taylor war am 24. Oktober 2006 nach 21 Wochen und 6 Tagen zur Welt gekommen. Sie wog damals nur 284 Gramm und war 24,1 Zentimeter groß. Nach Angaben des Baptist Children's Hospital seiner Zeit in Miami war es das jüngste Frühchen, das jemals überlebt hat. In Japan soll allerdings ein Frühchen überlebt haben, das in der 21. Schwangerschaftswoche zur Welt kam.

Das Klinikum Fulda berichtete von einem Jungen, der 1987 im kanadischen Ottawa das Licht der Welt erblickte, ebenfalls nach 21 Wochen und 5 Tagen - wie die kleine Frieda. Es gebe in der Fachliteratur keine Hinweise auf noch jüngere Frühchen als jetzt in Fulda. Die Gesellschaft für Neugeborenen-Medizin geht davon aus, dass Kinder vor der 22. Woche keine Überlebenschance haben.

wbr/dpa

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1. Nicht nur die Ärzte in Fulda freuen sich
mundi 21.04.2011
Zitat von sysopBei ihrer Geburt wog sie nicht einmal ein Pfund: Im Klinikum Fulda haben Ärzte ein Mädchen versorgt, das ihren Angaben zufolge das am*frühsten geborene Frühchen in*Europa ist. Nach gut fünf Monaten wurde die kleine Frieda jetzt aus der Klinik entlassen - bei guter Gesundheit. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,758508,00.html
Vermutlich freuen sich die Eltern und Angehörigen besonders über das Glück.
2. Zwiespalt
sophie.r, 21.04.2011
Nur mal so zum Vergleich: Spätabbrüche können noch bis zur 24. SSW durchgeführt werden. Aber dieses Mädchen ist sogar jünger und es lebt.
3. Public Relation
Erik Mattutat, 21.04.2011
Dem Kind und den Eltern alles Gute. Ansonsten ist es aber ekelhaft, dass Kliniken mit immer neuen Frühgeburtsrekorden PR machen.
4. Hähh?
jüttemann 21.04.2011
Zitat von Erik MattutatDem Kind und den Eltern alles Gute. Ansonsten ist es aber ekelhaft, dass Kliniken mit immer neuen Frühgeburtsrekorden PR machen.
Wieso das denn? Ausgesucht hat sich das von den Beteiligten bestimmt niemand, und die Mediziner können auf so einen europa- und weltweit kaum jemals dagewesenem Erfolg durchaus stolz sein. Da von einem PR-Gag zu sprechen, geht an der Wirklichkeit vorbei.
5. wieso ekelhaft???
rs441, 21.04.2011
Zitat von Erik MattutatDem Kind und den Eltern alles Gute. Ansonsten ist es aber ekelhaft, dass Kliniken mit immer neuen Frühgeburtsrekorden PR machen.
Was soll an so einer PR bitte ekelhaft sein? Offensichtlich ist das Krankenhaus in der Lage einem Baby das Geschenk des Lebens zu machen, wozu andere Kliniken nicht in der Lage waeren. Das ist die unekelhafteste PR die ich mir vorstellen kann.
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