Nahrungsergänzung: Selenpräparate bieten keinen Krebsschutz

Zahlreichen Substanzen wird nachgesagt, das Krebsrisiko zu senken - doch immer wieder sorgen wissenschaftliche Studien für Ernüchterung. Eine neue Untersuchung ergab jetzt, dass Präparate mit dem Spurenelement Selen langfristig sogar schaden könnten.

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ddp

Tabletten: Selenhaltige Präparate helfen nicht bei der Krebsvorsorge

Regelmäßig Selenpräparate zu schlucken, um sich vor Krebs zu schützen, ist nicht sinnvoll - die Einnahme verringert das Krebsrisiko nicht. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Forscherteam, das die Ergebnisse von 55 bereits veröffentlichten Studien zusammenfassend bewertet hat. "Wir konnten keinen Grund finden, der es rechtfertigen würde, die regelmäßige Einnahme von selenhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln als Krebsvorsorge zu empfehlen", sagt Gabriele Dennert vom Institut für transdisziplinäre Gesundheitsforschung in Berlin, die die Untersuchung koordinierte.

Selen ist ein sogenanntes Spurenelement: In geringen Mengen brauchen Menschen es, um gesund zu bleiben, eine zu große Dosis kann jedoch auch schaden. In Laborexperimenten und Tierversuchen zeigten Selenpräparate eine krebshemmende Wirkung. Doch daraus lässt sich nicht schließen, dass größere Selenmengen in der Nahrung auch Menschen vor Krebs bewahren.

Dennert und ihre Kollegen sichteten die Daten von 49 Beobachtungsstudien mit insgesamt mehr als einer Million Teilnehmern. Meist wurde die Selenaufnahme anhand von Blut- oder Fußnagelproben ermittelt, berichten die Forscher in der "Cochrane Database of Systematic Reviews". In diesen Studien zeigte sich tatsächlich ein geringer Effekt: Menschen, die mehr Selen aufnahmen, erkrankten etwas seltener an einigen Krebsarten - darunter Blasen- und Prostatakrebs. Bei Brustkrebs und andere Tumorformen gab es jedoch keinen Unterschied.

Insgesamt war der Schutzeffekt gering, bei Männern aber stärker ausgeprägt als bei Frauen. Allerdings sei die Aussagekraft dieser Untersuchungen sehr begrenzt, da sich die Ergebnisse der stark unterschiedlich gestalteten Einzelstudien nur schwer zusammenfassend bewerten ließen, sagt Dennert.

Kein Schutzeffekt

Sechs kontrollierte Studien, in denen die rund 43.400 Teilnehmer entweder Selenpräparate oder Placebos einnahmen, konnten den Effekt des Spurenelements besser eingrenzen - und hier zeigte sich kein Schutzeffekt mehr. Einige der Studien kamen zwar zu dem Schluss, die Nahrungsergänzungsmittel könnten vor Leberkrebs schützen - aber diese Annahme steht noch auf wackeligen Füßen. Die Forscher um Dennert fordern daher, dies genauer zu untersuchen. Einige Studien zeigten sogar: Wer das Spurenelement schluckte, hatte ein leicht erhöhtes Risiko, an hellem Hautkrebs zu erkranken. Insgesamt schürten zwei der Untersuchungen die Sorge, dass eine langfristige Einnahme von Selen schädliche Nebenwirkungen mit sich bringen kann.

Dass Vitamin- und Mineralstoffkapseln nicht die Hoffnungen erfüllen, die in sie gesetzt wurden, ist nichts Neues: Bereits in den neunziger Jahren zeigte sich in einer großen Studie, dass Rauchern die Einahme Vitamin E oder Beta-Carotin mehr schadete als nutzte.

Dass die Ernährung insgesamt eine Rolle bei der Krebsentwicklung spielt, nehmen Forscher dennoch an. Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums lässt sich das Risiko mehrerer Krebsformen, darunter Brust- und Dickdarmkrebs, durch Ernährung, Bewegung und das Körpergewicht beeinflussen. Während Übergewichtige häufiger erkranken, sind Menschen, die regelmäßig Sport treiben, eher dagegen gefeit.

wbr/dapd

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Geschäftemacherei mit Nahrungsergänzungsmitteln
lalito 11.05.2011
Da wird in den Marketingabteilungen der Pillendreher jahrelang über entsprechenden Slogans und Argumentationsstrategie gebrütet, wohl mit dem Wissen, dass nach zehn Jahren der übliche Produktzyklus endet - zwei, drei Artikel dieser Sorte und fertig. Das reicht für einige Jahre guten Profit, schließlich geht der Konsument den Werbeversprechen doch nur zu gern auf den Leim.
2. Schwach
Agenteprovocateur 12.05.2011
Sehr schwach recherchierter Artikel, und am Schluss wird mal wieder der Dicken- und Ernährungsjoker gezogen.
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